BIBELKRITIK (Basislexikon: kritisch-kompetent-konstruktiv)

Die BIBELKRITIK betrifft sowohl das Alte wie das neue Testament - hierzu bitte unbedingt die entsprechende Literatur berücksichtigen - und wenn es Lexikonbeiträge etwa im Brockhaus sind! So nach und  müssen wir jedenfalls Abschied davon nehmen, daß die Bibel Gottes Wort (siehe Offenbarung) ist. Wir müssen sie uns eher vorstellen, wie eine Zeitung oder besser eine Zeitschrift, bei der viele unterschiedliche Verfasser mitgewirkt haben mit bisweilen sehr  unterschiedlichen Anliegen - und dann gab es wieder auch Redakteure, die bestimmte Artikel mit der selben Thematik zusammengefügt und bearbeitet haben. Jedenfalls stammt kaum etwas von den "Verfassern", die in der Bibel angegeben sind. So stammt in den "Büchern Mose", also dem Pentateuch, vermutlich nur der Dekalog (also die Zehn Gebote) von Mose selbst.

Und genauso verhält es sich mit den Berichten von Jesus. Bedenken wir allein, daß die ganze Bergpredigt, so wie die Bibel sie überliefert, aus ein paar Sätzen besteht, daß jedoch die Menschen Jesus in die Wüste gefolgt sind, um ihn zu hören, und dann auch nichts zu essen hatten. Ganz abgesehen davon, ob es eine solche Bergpredigt überhaupt gab, muß also das,  was Jesus wirklich gesagt hat, sowohl sehr viel länger gedauert  haben (schließlich ergab sich ja das Problem, daß die Zuhörer hungrig wurden) und wesentlich aufregender gewesen sein, als was wir in der Bibel heute lesen!

Verschiedene Theologen und andere Forscher bezweifeln von manchen Widersprüchen in der Bibel her, daß von alledem überhaupt nichts wahr und alles nur Erfindung geschäftstüchtiger Kirchenmenschen ist. Basisreligion geht nun von einem ganz konkreten humanistischen Anliegen der Bibel aus, das sich wie ein roter Faden von der Schöpfungsgeschichte bis zur Botschaft Jesu durchzieht (siehe basistheologie), das jedoch immer wieder so brisant und provozierend und im Widerspruch zur jeweiligen Lebenspraxis stand und bis heute steht, daß es immer wieder so abgewandelt wurde, daß es nicht mehr erkenntlich war und selbst "fromme" Leute sich also auch nicht zu ändern brauchten. Und dadurch kam es wieder zu den inhumanen Mißständen - und es kamen wieder neue Ansätze, diese zu ändern. Und das typische Thema, was immer so gern tabuisiert wird, ist nun einmal das der Liebe in der Einheit von Leib und Seele, und damit auch der Sexualität und das Problem des Gebrauchs und Mißbrauchs! Da scheinen offensichtlich so viele gerade einflußreichen Leute ihre Leichen im Keller zu haben, daß es sozusagen einen mehr oder weniger geheimen Pakt gibt! Wie diese Verdrängung abläuft, wird bei basisreligion besonders bei der Adam-und-Eva-Erzählung und auch beim vermutlichen Anliegen Jesu gezeigt, siehe Jesus und die Sünderin. Und auch ich als Verfasser der Webseite kann ein Lied von der Verdrängung der Thematik und der Anfeindungen singen! Da kann hundertmal alles nahe liegen und offensichtlich sein und allen wissenschaftlichen Kriterien entsprechen - es wird einfach abgeblockt. Und das führt dann durchaus zum Entzug der Lehrerlaubnis!   

Ich habe den Eindruck, daß inzwischen viel schlimmer ist, wenn man behauptet, daß es in der Bibel und auch Jesus gegen das "Herumbumsen" ging und nachweist, daß die Moral leicht zu verwirklichen wäre, wenn man nur wollte, und das diese auch im Sinn Jesu sei, als wenn man sagt, daß die ganze Bibel überhaupt gelogen ist. Auf alle Fälle kann ich mir durchaus vorstellen, daß von dieser Problematik her ein so dickes Buch wie die Bibel entstanden ist: Immer wieder Verfall der Moral (siehe Dekadenz) mit der entsprechenden Heuchelei und dann wieder Versuche, diesen Verfall umzukehren siehe auch hier das Stichwort basistheologie.

Somit ist basisreligion eine typische Phase im Prozeß des Anliegens der Bibel - der gewiß heute noch andauert!

Zur Bibelkritik siehe auch u.a. die Stichwort Kerygma, Leben-Jesu-Forschung, Abendmahl, Dualismus, GnosisEntmythologisierung, Erlösung, Maria, Menschenopfer mit Abraham, Synkretismus

Vielleicht sehen Síe sich auch einmal den Vortrag des protestantischen Professors Gerd Theißen über "Jesus und seine historisch-kritischen Erforscher" an unter http://hrz.uni-paderborn.de/~rhatt1/thgl/thgl2001/3theissen.htm ?

Zur Entstehung des Neuen Testaments siehe dort!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)

HEFT 1 gibt es auch auf Englisch: To the happiness of the high love!