Sie sind im ONLINE-LEXIKON eines völlig neuen sowohl ethischen als auch religiösen Konzepts. Von einem Berufsschulreligionslehrer i. R. (Dipl.Theol.)

Der "Apostel" Paulus ein Betrüger? Theologen ahnten das ja schon lange, weil die Lehre des Paulus eindeutig nicht das ist, was der wirkliche Jesus wollte. Nur wussten sie bisher nicht, was das war, was er wollte. Denn dieser Paulus war auch ein genialer Theologe und hatte so eine Religion zusammengezimmert, die den wirklichen Jesus sehr effektiv verdrängte.

Um was ging es damals, was war der Sinn des Engagements des wirklichen Jesus? Es sieht so aus, als ob er im Grunde nichts mit Religion zu tun hatte und dass gerade auch die Kirchen an dem wirklichen Sinn kein Interesse haben und hier bis heute etwas verdrängen und nicht wahrhaben wollen - weil es unbequem ist. Und zwar geht es, wie könnte es anders sein, um eine hohe Ethik in der Beziehung von Mann und Frau. Zur Zeit Jesu war da wirklich einiges sehr im Argen. Wir wissen etwa, dass Jesus mit Prostituierten befreundet war. Und "befreundet" heißt nun einmal auch, dass er sich mit ihnen unterhalten hatte - und gewiss auch darüber, wie sie zu Prostituierten wurden. Und hier muss es zur Zeit Jesu (und auch schon lange davor) eine sehr kriminelle Methode gegeben haben, Frauen zur Prostitution zu erpressen: Wir kennen sie aus der Susannageschichte im Anhang des Buchs Daniel. Üblicherweise geht es bei der Deutung dieser Geschichte um die Standhaftigkeit und den unerschütterlichen Glauben einer Frau, die schließlich errettet wrid. Doch ein Nachbar von mir, ein Bauer, der von einem seiner Mieter über Methoden in der Halbwelt informiert wurde, hat diese Geschichte als typische Masche aus der Halbwelt indentifiziert, wie Frauen mit Hilfe der jeweiligen Gesetze zur Prostitution erpresst wurden. Und zwar gab es damals das Gesetz, dass Frauen, die von zwei Zeugen auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt wurden, als überführt galten und hingerichtet wurden. Und dieses Gesetz wurde nun eigentlich nur missbraucht, indem kriminelle Männer ("Zuhälter") dafür sorgten, Frauen allein anzutreffen, und sie dann vor die Wahl stellten, entweder Sex mit ihnen zu haben (was Einstieg in die Prostitution bedeutete), oder dass man, falls sie sich weigerten, sie anzeigen würden, dass man sie beim Ehebruch ertappt hätte. Das bedeutete dann die Todesstrafe für sie. Da zogen die Frauen nun im Allgemeinen die Prostitution vor, was blieb ihnen anderes übrig? Die Erzählung, wie Jesus die Sünderin vor der Steinigung errettet (Joh. 8), ist "auch so eine Geschichte", die Jesus sofort durchschaut und also entsprechend reagiert hatte.

Es ist ein Zeichen von Frauenfeindlichkeit auch in unseren Kirchen, wie wir auch heute noch diesen Hintergrund nicht wahr haben wollen - doch Jesus engagierte sich "gegen die Sünde, gegen die Heuchler, für die Liebe", um hier etwas grundsätzlich zu ändern. Wir wissen, wie es ihm ergangen ist.