BESSERWISSER - KLUGSCHEISSER (Basislexikon - kritisch-kompetent-konstruktiv)


BESSERWISSER
oder auch KLUGSCHEISSER, nach der Wende im Besonderen auch BESSERWESSI (weil in den neuen Bundesländern viele Westdeutsche als Besserwisser auftraten, daher dann die Kombination mit dem Wort „Wessi“), sind die Leute, die alles angeblich besser wissen, ohne eine wirkliche Ahnung von der jeweiligen Sache zu haben und daher auch nicht sachlich sind. Vor allem überblicken sie mit ihrer Besserwisserei die Sache nicht bis zum Ende und übernehmen natürlich auch keine Verantwortung für das, was sie da angeblich besser wissen.

Besserwisser merken meistens nie, was sie in Wirklichkeit in der Praxis verbockt haben und immer noch verbocken und sind auch gar nicht dazu bereit, eine ernstzunehmende Überarbeitung und Analyse ihrer Tätigkeit  zu reflektieren. Wer gibt sich schon selbst gerne zu, Schwachsinn zu verzapfen. Besserwisser haben eben sozusagen überhaupt kein Theorie-Praxis-Verhältnis, ihnen ist es völlig gleichgültig, ob und wie etwas in der Praxis funktioniert. Und sie machen auch keine Anstalten, ihre Gedanken einmal zu einem Konzept zusammen zu stellen, das auch kritikfähig ist, ja, sie scheinen Konzepte zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Besonders üblich und ärgerlich ist solches Gehabe, wenn es um das Fach Deutsch und das Fach Religion geht, denn da wissen sozusagen alle anderen als die betroffenen Lehrer sozusagen alles besser und sie wissen auch, wie unfähig heute die entsprechenden Pädagogen sind. Dabei kommen die patentesten Kritiker gerade im Fach Religion vor allem aus der so genannten Schmollecke,  das heißt, sie hatten nach den leider üblichen Erfahrungen ihre Bekehrungserlebnisse und meinen jetzt, die Welt beglücken zu müssen. Dabei übersehen sie, dass im Nachhinein eine Sache immer ganz anders aussieht und dass man sich im Allgemeinen nicht mehr in die jungen Leute hineinversetzen kann, die diese Erfahrungen eben noch nicht hatten. Doch das Konzept basisreligion ist eben genau auf diese Gruppe Mensch abgestimmt.

Ich erlaube mir, eine typische Besserwisserkritik und meine Antwort darauf zu bringen. Achten Sie einmal, dass vom Kritiker kein einziges sachliches Argument kommt, ja er gibt sogar zu, dass ihm das Wissen fehlt. Wenn ich bei meiner Antwort etwas grob scheine, dann bitte ich zu bedenken, dass die Kritik auch nicht sehr fein war und dass auf einen groben Klotz nun einmal ein grober Keil gehört.

Siehe auch Gutmenschen und nützliche Idioten.

 

Sent: Wednesday, April 14, 2004 10:03 PM

Subject: Besuch Ihrer Website

Sehr geehrter Herr M. P.,

ich möchte Ihnen nur kurz schreiben, wie ich wütend geworden bin, als ich einen ganzen Nachmittag mit Ihrem Lexikon vergeudete und frustriert war, bei jedem weiteren Klick auf ein Stichwort nichts Neues mehr zu erfahren.
Warum ich überhaupt auf Ihre Seite gekommen bin?
Ich bin Elektrotechniker und arbeite in der Freizeit in der Jugendarbeit mit und bin zurzeit auf der Suche nach Unterlagen, mit denen man den liebevolleren Umgang miteinander im Rollenspiel trainieren kann. Ein Bekannter hat mir empfohlen, zuerst Ihr Konzept zu sichten, damit ich den Jugendlichen nichts Falsches über Beziehungen erzähle.
Sie haben sich sicher sehr viel Mühe damit gemacht. Je länger man sich allerdings damit beschäftigt, desto flacher wirkt es. Alles läuft nur auf das "eine" hinaus, worauf Sie sich auf wenige Bibelstellen (Schöpfung, Susannageschichte, Drama "Ehebrecherin") beschränken.
Ich habe natürlich nur einen kleinen Teil Ihrer Seite erforscht, konnte aber nur wenig Praktisches in den Texten finden. Ob Jugendliche Ihre Religionskritik nachvollziehen können, bezweifle ich. Jedenfalls reicht mein Wissen nicht aus, um die Richtigkeit Ihrer Aussagen zu überprüfen.

Mit freundlichen Grüßen

M. B.

Und jetzt die Antwort von basisreligion:

Lieber Herr B.!

Sicherlich dienen die sites nicht ausschließlich dazu, sie den Jugendlichen als schriftliche Lernaufforderung vorzusetzen, vielmehr ist mein Anliegen, Missstände zu verdeutlichen und das Erziehungspotential der Erziehenden aus den ewigen Lüge- und Unterdrückungsversuchen zu befreien. Dabei gehe ich, wie Sie sehen, auf vieles in meinen Texten ein, um die Themen plastisch zu gestalten, damit überhaupt klar wird, dass es die verändernden Möglichkeiten auch tatsächlich in der Praxis gibt. 

Ich bezweifle, dass sie in so kurzer Zeit  - innerhalb eines Nachmittages - meine Gedankengänge, meine Erfahrungen und mein Anliegen wirklich verstehen und "testen" konnten - bei der Bundeswehr galt und gilt wohl noch der Grundsatz, dass man sich bei einer Missstimmigkeit erst nach Ablauf einer Nacht beschweren durfte. 

Sie haben allerdings recht, es ist immer dasselbe, vermutlich seit Jahrtausenden oder gar seit Menschengedenken... Was soll denn auch Neues kommen? Ich weiß, dass ich manche und auch scheinbar sehr christliche Leute nerve, die "in der Frage der Monogamie" partout jeden Zusammenhang mit den Zehn Geboten ausklammern und die daher auch in meinen Anstrengungen keinen rechten Sinn erkennen können. Mich nervt allerdings auch, wenn ich sehe, wie immer der Bogen um den heißen Brei gemacht wird - und wie dann aus diesen unterschiedlichsten "Bögen" alle möglichen Religionen und Kulturen mit den jeweiligen gebildeten (oder besser eingebildeten) Priesterkasten gemacht werden... Daher kommen doch die ganzen "Klassenunterschiede", dass es in den bisherigen Religionen immer nur einige gibt, die angeblich das jeweilige Spezialwissen verstehen und sich für etwas Besseres halten, und schließlich die vielen anderen Ungebildeten, für die der dumme Volksglauben mit ein paar oberflächlichen Färbungen gut genug ist, damit sie auch kritiklos alles schön glauben, was ihnen so aufgeschwatzt wird, und die ansonsten alles bezahlen müssen und ihre Köpfe hinhalten dürfen... Die Folgen davon sind ja nicht nur viel menschliches Leid und unnötige Plackerei, sondern auch viel Unverständnis und schließlich auch Krieg in dieser Welt. Und so wie ich sehe, wollte (der wirkliche) Jesus eigentlich nicht mehr, dass das irgendwann ein Ende hat - und wir uns umso intensiver dem Leben zuwenden können!

Haben Sie zum Beispiel zum Thema Rollenspiel einmal das Stichwort Unterrichtsmodell gelesen? Meinen Sie nicht, dass bei einer anderen ethischen Einstellung der jungen Leute sich hier Entscheidendes ändern könnte? Zeigen Sie mir aus ihrem Erfahrungsschatz doch einmal ein praktisches Beispiel, in welchem Sie z.B. tatsächlich die ethischen Ziele unseres Glaubens, also auch die Entwicklung partnerschaftlicher Beziehungen zwischen Mann und Frau, erreicht haben.

Ich weiß nicht, welche Konfession Sie haben und was Ihnen als Ziel mit den jungen Menschen vorschwebt. Möglicherweise sind Sie freikirchlich, denn gerade bei freikirchlich orientierten Jugendlichen erkenne ich auch heute noch ein besondere religiöse Prägung, und die muss ja von irgendwo her kommen. Doch leider - verzeihen Sie mir - muss ich sagen, dass diese jungen Leute keinesfalls besonders selbstbewusste und die anderen mitreißenden Christen sind. Sie streiten sich vielleicht bisweilen mit mir, ob ich an dieses und jenes glaube, doch ein Vorbild im ethischen Bereich für die anderen sind sie jedoch mitnichten - und das ist doch das, was in unserer Zeit des Sittenverfalls nötig wäre. Im Einzelgespräch sagte mir mal eine besonders "fromme" Schülerin, dass ihre Schwester auch mit ihrem Freund zusammen lebt, und eine andere meinte auf meine Vorhaltung, dass Idee unseres Glaubens Beziehungen seien, die hielten, dass sie kein Problem sähe, sich scheiden zu lassen, wenn es einmal nicht klappen sollte. Dagegen erzählte ein Kollege einmal von einer jungen Zeugin Jehovas, die hätte hier in seinem Unterricht eine ganz bewusste Einstellung vorgebracht - und die Klasse wäre da wirklich betroffen gewesen, das war doch mal etwas!

Ja, eine solche Haltung würde ich mir von wirklich christlichen Mädchen (und natürlich auch Jungen) auch in meinem Unterricht wünschen, das wäre etwas, was auf eine wirklich emanzipierte und christliche Haltung schließen ließe, aber so?

Was wäre, wenn wir die Zeit, die durch ein "einfacheres religiöses Wissen" frei wird, benutzen, etwa um eine lingua franca vernünftig zu lernen, denn das würde die Menschen verbinden? Es muss ja nicht Latein sein, wie ich das unter dem betreffenden Stichwort beschrieben habe, doch ich sehe hier eine Chance, weil dahinter schon einmal eine Institution stehen könnte.

Natürlich werde ich Ihre Kritik und meine Antwort bringen, doch ich weiß noch nicht wo, damit das auch alles gefunden wird.  

Tschüs

M.P. 

Anmerkung: Ich habe inzwischen das passende Stichwort gefunden, schließlich gibt es gewiss noch mehr Leser,  die mir Ähnliches vorwerfen, daher lohnt es sich wohl, auf das Thema etwas näher einzugehen. M. B. habe ich auch benachrichtigt. Bitte, fühlen Sie sich nicht abgeschreckt, lieber Besucher der Website, wenn ich hier etwas grob war, mit den meisten der Besucher, die mir schreiben, komme ich sehr gut klar, nicht zuletzt hat mich auch eine Besucherin bei diesem Stichwort beraten.

Und der Mailwechsel geht weiter - eine richtige Streitkultur!

Hallo Herr P.,

1. Vielen Dank, für Ihren Hinweis zu dem Unterrichtsmodell.
2. Vielen Dank, für die Aufnahme im Stichwort "Besserwisser".
3. Ich möchte Sie darum bitten, meine Email-Adresse an die genannte Besucherin weitergeben. Ich möchte nämlich sehr gerne wissen, was gerade aus weiblicher Sicht so überzeugend an Ihrer Website ist.
4. Vielleicht erklären Sie mir auch selbst, warum der Sexualitätsbegriff auf Ihrer Site eng auf Fortpflanzung und Arterhaltung beschränkt ist, wobei Sie andererseits die Haltung zur Sexualität als Wesensart/Lebenseinstellung führen. Die gleichen Schwierigkeiten habe ich mit dem Begriff Nacktheit, der auch gleich wieder auf das Körperliche beschränkt wird.
Um auch auf Ihre Antwort einzugehen: Dass auch in Freikirchen oft eine Doppelmoral herrscht, Jugendliche wenig selbstbewusst und begeistert auftreten, möchte ich gar nicht bestreiten. Ja, das beste Argument gegen den christlichen Glauben ist oft die unnahbare, zwanghafte Art der Christen selbst: die von Ihnen kritisierte fehlende ganzheitliche Lebendigkeit (Leib und Seele).
Dass diese plastikartigen Masken der Dogmatik und der unauthentische Lebensstil allein durch "Nacktheit" verschwinden, bezweifle ich aber. Natürlich, was verborgen ist, kann nicht gesehen & geliebt werden. Doch gehören da nicht auch Gedanken, Gefühle, Werte & Einstellungen eines Menschen dazu?
Wissen Sie, ich habe Erfahrungen mit ehemaligen Zeugen Jehovas machen müssen, deshalb schmerzt dieser Hinweis von Ihnen. Denn die hatten ihre Leichen im Keller! Die durften innerhalb ihrer Gemeinschaft nicht mal merken, wie schlecht in ihrer Kindheit mit ihnen umgegangen wurde. Von Angstfreiheit und Scham-losigkeit keine Spur. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wären diese nur noch ein Fall für den Psychiater.
Können Sie sich inzwischen vorstellen, warum ich mit einigen Stichworten Ihrer Seite so meine Schwierigkeiten habe?
Auch ich finde es notwendig, junge Menschen zu warnen, sie mit den Fakten zu konfrontieren und wenn es unbedingt notwendig ist, auch in einem sehr provokativen Stil.
Dabei sollte Ihnen aber auch klar sein, dass Ihnen dabei das Mitgefühl für die Leser der Seite zeitweilig verloren geht.
Ich habe den Eindruck, dass Sie den Menschen in erster Linie die schäbigen Lumpen (gleich ob Kopftuch oder Tanga) vom Leib reißen wollen, die Menschen also bloßstellen möchten. Erst in zweiter Linie geht es dann um Ehe, Liebe und erfüllte Partnerschaft.
Und da wäre ich auch schon bei
5. Stichwort Vergebung: Stellen Sie sich z. B. vor, jemand landet bei der Suche nach dem Wort "Vergebung" wirklich auf Ihrer Seite; gute Köder für Suchmaschinen sind ja reichlich ausgelegt. Ich unterstelle dabei, dass dieser "jemand" wirklich sein bisheriges Handeln schlecht findet und es in Zukunft besser machen möchte. Dass er nach Wegen sucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Welche Lebenshilfe bietet dabei Ihr Stichwort für einen so einfach, fast naiv denkenden Menschen wie z. B. mich?
Könnten Sie sich vorstellen, dass Vergebung auch bedeuten könnte, aufs neue einen Gleichgewichtszustand zwischen den Geschlechtern zu finden, sein Weltbild zu ändern, sich aktiv der Zukunft zuzuwenden und die Vergangenheit loszulassen?
Das bedeutet nicht, dass ich das Verhalten der Täter gut heiße! Ich sehe nur nicht ein, warum ich untätig warten soll, bis aus gegebenen Naturtrieb sich vielleicht jeder Mensch irgendwie selbst mit den schlimmsten Ereignissen in seinem Leben abfindet oder Ihre Utopie Wirklichkeit wird.

Mit freundlichen Grüßen

M. B.

Hallo!

Ich freue mich, daß Sie geantwortet haben, na ja, "das Stichwort" ist ja auch noch nicht abgeschlossen!

Nur so viel zu Ihrer Mail: Wie ich sehe, ist das mit der Nacktheit so ein Hammer für die meisten Leute, dass sie gar nicht sehen, dass für mich die eigentlich erst zweitrangig ist - wichtig ist etwa eine prinzipielle Einstellung zum Thema Partnerschaft und Liebe. Und ich möchte nicht einfach "warnen", denn das hilft sowieso nichts - ich möchte Berichte vorlegen wie den Bericht von der Abtreibung, das Gespräch 2 - und die jungen Leute müssen dann selbst auf die Idee kommen, daß die Zehn Gebote ein wahnsinniger Vorteil und zu ihrem Schutz da sind usw. Doch wenn man schon eine prinzipielle Einstellung hat, dann fallen automatisch andere Moralzwänge weg, die doch nichts helfen, ja, die müssen sogar wegfallen, denn sonst erwürgt man sozusagen den Menschen! Und dann ist alles noch viel schlimmer als vorher. Oder biblisch: Wenn man dem jungen Menschen Brot gibt, braucht er die Steine nicht mehr, die man ihm sonst gibt.... Allerdings muss das alles sehr früh geschehen, wo die jungen Menschen noch nicht festgelegt und offen für realistischere Strategien sind. Und ich meine auch, dass ich hier durchaus auf frühchristlichen Einstellungen aufbaue!

Wie Sie auf die Anmerkungen in Punkt 4 kommen, weiß ich nicht, ich habe doch unter Sexualität deutlich geschrieben von den zwei Funktionen, die natürlich auf dasselbe hinauslaufen, doch entspricht die zweite doch genau unserer biblischen Partnerschaftsvorstellung - ohne dabei immer auf der Bibel herumzureiten...

Das Problem der Zeugen Jehovas ist vermutlich nicht, dass sie die Moralgesetze sehr streng nehmen, sondern dass sie nicht nur keine Bruchstellen offen lassen sondern auch keine Sollbruchstellen - sie verbieten ja "alles", es gibt bei denen bekanntermaßen keine Feste, kein gar nichts - und so erwürgen sie oftmals den Menschen! Sie haben sich ja schon selbst die Antwort gegeben und jetzt wissen Sie vielleicht, warum ich auf solchen Sachen so herumreite! (Im übrigen kommen auch viele sonst nicht mit den Sollbruchstellen im Konzept basisreligion zurecht, was habe ich da schon erlebt. Dabei geht es ohne die wirklich nicht...!)

Ich weiß, dass ich beim Stichwort Vergebung in einem Dilemma bin, und ich meine, ich hätte das auch geschrieben, ich werde das später deutlicher machen.

 Tschüs und schönen Sonntag

M.P.

Hallo Herr P.,

 ich überlege gerade, ob man das Stichwort Liebe nicht verändern könnte:

Wenn ich Sie richtig zusammenfasse, muss man für wirkliche Liebe:
A: Testen, ob der andere Ziele und Wege hat, für die man sich selbst begeistern kann.
B: Testen, ob er ein ethisches Konzept hat, damit es sich überhaupt lohnt.
C: Es muss die Wirklichkeit einer Partnerschaft dahinter stehen.
D: Es muss ein innerlich freier Mensch sein, d. h.,  er muss
1. frei von allen Gefühlszuständen sein, die als seelische Beengung, Erregung oder Verzweiflung erlebt werden,
2. frei von allen Zwängen sein,
3. frei von allen Tabus sein,
4. wirkliche Moral und Emanzipation leben

Ich weiß nicht genau, was für Sie der Unterschied zwischen Liebe, wirklicher Liebe, echter Liebe und unwirklicher, unechter Liebe ist. Auf alle Fälle scheint der Anforderungskatalog sehr lang zu sein.

Wissen Sie, welches Bild da vor mir auftaucht?

Ich sehe eine junge Ritterin voller Mut durch die Welt reiten, wie sie den Angst-Drachen erlegt, die Ketten der Zwänge mit ihrem Schwert durchschlägt und die Siegel der Tabus löst ...
Nach Jahren kehrt sie zum großen Tor der Liebe zurück, schaut auf und fragt:
"Bin ich jetzt gut genug?"
Ich erinnere mich an Franz Kafka: "Das Gesetz".
Sehr deprimierend oder?

Meine Arbeitsdefinition für "Liebe" ist etwas anders. Ich lehne mich dabei an das philosophische Wörterbuch von Walter Brugger an.
Liebe ist
... eine wertbejahende und wertschöpferische Urkraft,
... eine Willenshaltung, weil es unmöglich ist, unfreiwillig, unabsichtlich und nur unbewusst jemanden zu lieben,
... kein passives Erfahren, dessen Opfer der Mensch ist,
... ein "Wir-werden" in den Urformen menschlicher Gemeinschaft und
... deshalb der bewusste, schöpferische Akt der Zuwendung zu einem Menschen, eben ein Geschenk oder eine Gabe, für die (im Idealfall) KEINE Bedingungen gestellt werden.

Und die Gabe wiederum hat die eigentümliche Qualität, dass sie aus Überfluss gegeben wird und durch das Weggeben nicht weniger wird. So darf ich großzügig und verschwenderisch sein.
Im Mittelpunkt: Das Bedürfnis des so Beschenkten!

Eine Partnerschaft mit jemanden zu führen, der Ihren Anforderungen genügt, ist wirklich einfach.
Doch wer kann heute schon von sich behaupten, dass er auch nur annähernd diesem Ideal genügt?
Sie haben es sicher gemerkt, von meinem Glaubensatz "Gott ist Liebe!" lasse ich mich nicht abbringen.
Vielleicht sollten auch Sie diese Paradoxie der Liebe akzeptieren, nämlich dass wir alle auf Dauer gar nicht anders können, als uns im Sinne Ihrer Anforderungen und der Zehn Gebote zu verändern, wenn wir uns gegenseitig diese Liebe schenken. Wir könnten diese aussäen wie Weizen - Saatgut gibt es genug - und in den Herzen der Menschen wachsen lassen.
Die Frucht aber des Geistes ist Liebe:
Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstdisziplin/Enthaltsamkeit; gegen all dies ist das Gesetz nicht!

Vielleicht fragen Sie sich noch, wer dann meine Sexualpartnerin werden darf, wenn ich doch lernen möchte, am besten allen so freizügig meine Liebe zu schenken. Diejenige, die ebenso bereit ist, mir unbefristet, auf einzigartige Weise ihre Liebe zu schenken und die in einer höchstpersönlichen Beziehung mit mir wachsen möchte. Eine, die vor Gott sagt: "Ich gebe Dich nicht mehr her!"
Das heißt auch, ich akzeptiere, das meine Partnerin Ängste, Zwänge und Schattenseiten hat.
Manche behaupten deshalb, dass Liebe blind macht, aber das stimmt nicht. Liebe, wie ich sie verstehe, sieht richtig! Weil es bedeutet, dass zwei Menschen sich gegenüber einander vollkommen öffnen, täglich durchsichtiger werden und nichts mehr verstecken oder verdrängen müssen.

Ich jedenfalls möchte nicht geliebt werden, weil ich nach irgendwelchen Anforderungen liebenswert bin, sondern weil die Liebe selbst in denen ist, die mich lieben.

Mit freundlichen Grüßen

M. B

Und die Antwort von basisreligion:

Hi,

Alles schön und gut, was Sie schreiben (eigentlich könnten wir ja auch "Du" sagen, wie es im Web üblich ist und wie Dora das gleich angefangen hat und man sollte ja nicht nur mit denen so persönlich sein, mit denen man auf Anhieb einer Meinung ist, schließlich sind die Kritiker ja auch und vor allem ein Geschenk Gottes..), also was Du schreibst... Doch was sagst Du Deiner Tochter, wenn sie mit einem Drogensüchtigen ankommt und sagt. "Ich liebe ihn...! Und ich möchte ihn durch meine Liebe heilen?" Diesen Fall habe ich vor Augen, und die gibt es zur Genüge, die meinen, das zu können - und ich möchte nicht irgendwann in der Situation sein und sie anmeckern wegen ihrer Wahl... Wenn meine Tochter so etwas will, soll sie Sozialhelferin werden - doch für ihre Partnerschaft braucht sie einen gesunden Menschen. Und wenn sie den hat, kann sie eine gute Sozialhelferin werden, doch so halst sie sich nur dessen Probleme auf und wird vermutlich unter ihnen nur noch leiden, weil sie in sie hineingezogen wird...

Ich meine ja nicht, dass einer frei von allen sinnlosen Tabus und Ängsten sein muss - doch er sollte auf dem Weg sein - wie man selbst.... Man sollte gerade über so etwas reden können und es lösen wollen. Und ich mache das ja nur an wenigen Dingen fest, nicht ohne Grund beim Erlebnis einer Phase der Ästhetik.... Und das kann man doch zumindest verlangen! Ich sehe im übrigen nie einen Katalog vor, den man abhaken muss - wenn der junge Mensch merkt, daß er selbst an einer solchen Freiheit (Phase der Ästhetik) unbedingt Spaß hätte - und der andere das nicht will und auch noch nicht einmal reden kann, dann ergibt sich eine weitere Skepsis schon fast von alleine...

In Deine Arbeitsdefinition von Liebe passt dagegen doch eigentlich jeder rein - vor allem, wenn man eine rosarote Brille auf hat, wie das in einer Verliebtheit so üblich ist... Daher habe ich etwas gegen diese Interpretation, die ich ja auch kenne - die bringen mir nicht zuletzt auch alle meine Schülerinnen (was ist, wenn die später Regressanforderungen an mich stellen, weil ich denen nicht nur zugestimmt sondern sie auch noch geradezu ermuntert habe und es schief gegangen ist?)...

 Tschüs 

*M. 

Lieber M.,

ich darf mich herzlich von Dir verabschieden. Gerne hätte ich noch weitere Stichworte "in Angriff" genommen, z. B.
Agape
Beziehung (mit Zitaten von Buber, Definitionen von E. A. Stadter)
Dornröschen, oder der Unterschied zu Cinderella und anderen Mythen nach Anna Freud
Eros, oder der gr. Jüngling mit Pfeil und Bogen, die Überhöhung [Orgasmus=Erdbeben] zum Gott
Gnade und Wahrheit
bis zu
Verdummungseffekte, oder warum man uns ständig für "blöd" verkauft und wir nichts merken  (Alice Miller).
Zwiegespräch (M. M. Möller)

Leider wäre für vieles eine intensive Recherche notwendig, wofür mir allerdings die Zeit fehlt. Mein Osterurlaub ist längst zu Ende.

Bitte entschuldige meine erste Email. Doch oft schreibe ich erst mal nichts Sachliches, weil ich auch sehen möchte, welches Beziehungsangebot ich vom anderen bekomme. Und wenn dann jemand so gut provozieren kann wie Du ...
Das ist eben meine persönliche Kritik an den kirchlichen Institutionen: Dass überall Sachauseinandersetzungen geführt werden und die Begegnung von Mensch zu Mensch in den Hintergrund rückt. Deshalb freut es mich, dass ich lernen durfte, dass Du nicht versuchst, die Gebote, Vorschriften und Vorurteile der Amtskirchen mit einem Federstrich zu beseitigen und durch ein eigenes Regelwerk zu ersetzen, was zweifellos nur zu feindseligen Reaktionen führen würde. Stattdessen bist Du wirklich darum bemüht, auf leicht verständliche Weise junge Menschen vor den Fallstricken der Liebe zu bewahren und in der Begegnung mit Dir zu freiheitsliebenden Erwachsenen zu erziehen. Und wenn es Dir gelingt, dann müssen sich auch die Kirchen ändern, weil ihnen auf Dauer gar nichts anderes übrig bleibt. Ob Dein Konzept das einzig Richtige ist oder es doch mehrere Wege gibt, kann ich nach wie vor nicht beurteilen.
Du und ich, wir sind eben sehr verschieden, doch ich respektiere Dich.

Mit freundlichen Grüßen

M. B.

Hallo!

Alles klar - hier gab´s wenigstens eine schöne Streitkultur - anders als mit dem Pfarrer in dem betreffenden Stichwort! Du bist eben doch einer der Kritiker, die einen weiter bringen. Dankeschön!

Vielleicht mal wieder!

Tschüs

M.

****

Und hier habe ich Anfang 2008 etwas unter dieses Stichwort aufgenommen, nein, es ist kein Schriftwechsel, sondern ich habe den Kommentar oder besser die Kritik eher zufällig in dem Blog-Forum http://www.vbernd.com/blog/ (Motto: "Ich betrachte das Elend, ich trage nicht zu ihm bei") gefunden. Der Verfasser hat sich also nicht vor mir zu seiner Kritik bekannt, daher eben sein Geschreibsel und mein Kommentar hier unter den Stichwort "Besserwisser":

"Bin gerade via dieStandard.at mittels eines Kommentars auf folgende Seite gestossen:

http://www.basisreligion.de/

Zuerst dachte ich: unkonventioneller, interessanter Ansatz. Doch nach ein paar Minuten Stöbern kommen da ganz abstruse Sachen zum Vorschein, und das ganze erweist sich als pseudochristliche Alternativ-Religion, in deren Argumentation ganz erhebliche Fehler und Ungenauigkeiten vorkommen.
Lesetips zum Kopfschütteln: Schamhaarrasur / Cindarella-Komplex / Homosexualität

Insgesamt ein gewaltiger selbstreferentieller Komplex aus Theorien, Ratschlägen und der persönlichen Sichtweise eines Religionslehrers. Trotz einiger interessanter Meinungen ein aus meiner Sicht unlogisches und zu hermetisch abgeschlossenes Werk."

Kommentar von basisreligion:

Diese Kritik erschüttert mich nur wirklich nicht. Der Kritiker hat keinen einzigen Punkt sachlich angesprochen. Und die Zusammenstellung der drei Stichworte, wobei ich bei einem doch nur die Meinung einer mir völlig fremden Verfasserin wieder gegeben habe, lässt darauf schließen, dass der Verfasser sich tarnt und vermutlich nur in einem Punkt lediglich sauer ist, weil ich ihm auf die Zehen getreten bin. Die anderen Punkte hat er lediglich erwähnt, um seinen Ärger in dem einen Punkt zu vertuschen. Und er hält etwa etwas für christlich, bloß weil es ihm so in den Kram passt.

Außerdem: Was heißt schon pseudochristlich? Was ist denn wirklich christlich, was ist das Anliegen des authentischen Jesus? Ob sich der Kritiker über den schon einmal Gedanken gemacht hat? Und wer hat denn hier lediglich "Meinungen"? Wer kann denn etwas belegen - und nicht nur vor dem Hintergrund, dass etwas "schon immer so war"? Oder "hermetisch abgeschlossen", ob das nicht auch ein positives Indiz sein kann, also nicht so ein Wischiwaschi, das doch keinem weh tut und letztlich auch nichts bewirkt? Kann das "hermetisch abgeschlossen" denn nicht gerade ein Indiz sein, dass ein Konzept richtig durchkomponiert ist, so dass auch Theorie und Praxis zueinander Bezug haben? Wie würde der Kritiker erst schimpfen, wenn Theorie und Praxis nicht zueinander passten?

Und nicht zuletzt habe ich nicht nur Theologie studiert, sondern 30 Jahre lang unterrichtet und alles intensiv und bisweilen mit intensiver Streitkultur mit allen möglichen Menschen durchdiskutiert. Ein Kritiker, der ernst genommen werden will, muss also schon etwas mehr bringen als so einen Rundumschlag.

Es sieht alles danach aus, dass der Kritiker mir intuitiv nicht direkt schreibt, weil er schon merkt, dass richtig und zutreffend ist, was er in dieser Website liest, doch weil es für ihn unangenehm ist, verdrängt er lieber.

Wie sagt doch der Prophet: "Gewogen und zu leicht befunden (nach Daniel 5, 5 und 5,27)"!

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)