KOMMUNIKATION oder das Problem von SENDER UND EMPFÄNGER (Basislexikon: kompetent-kritisch-konstruktiv)

KOMMUNIKATION oder das Problem von SENDER UND EMPFÄNGER.

Wenn Sie etwas in dieser Website in die falsche Kehle bekommen haben oder wenn sich da irgendwo die berühmten Mauern in den Köpfen auftun, so ist das unter Umständen weder meine Schuld noch Ihre. Ich sage es bisweilen meinen Schüler(inne)n: Das ist wie, wenn man selbst Licht mit einer bestimmten Farbe aussendet (sagen wir mit blau) - doch jeder Mensch hat je nach seinen eigenen Erlebnissen, Erfahrungen usw. einen bestimmten Filter (etwa einer rot und einer gelb), und je nach diesem Filter kommt das Licht bei dem einen violett an und bei dem anderen grün, jeder sieht (oder eben hört) somit etwas ganz anderes, als was einmal gesendet wurde, und das ist weder die Schuld vom "Sender" noch vom "Empfänger" (das ist ein ganz wichtiges wissenschaftliches pädagogisches Problem!)...

Denken wir einmal an das Problem der Sexualität und dabei allein schon der Nacktheit! Für einen echten Naturisten (siehe FKK) ist gerade die Nacktheit etwas völlig Normales oder auch für einen Frauenarzt oder ein Kind - doch für jemanden, der das nicht gewohnt ist, ist das im allgemeinen etwas Aufregendes oder sogar Aufreizendes und schließlich sogar etwas ganz und gar Unmoralisches. Und jeder wird folglich auch über Fragen, die sich ergeben, etwas völlig anderes sehen - und man wird sich gar nicht in den anderen hineinversetzen können und folglich auch nicht mehr verstehen...

Und alles, was mit Religion zusammenhängt, ist auch so ein Problembereich, in dem sowieso jeder alles anders versteht, zumal das alles ja auch mit dem Sinn des Lebens zusammenhängt, der für jeden Menschen ein anderer ist... Und wenn jetzt noch beide Bereiche zusammenkommen, au weia!

Etwa wie bei einem Puzzle: Aus ein paar Schnipseln, die an Bekanntes erinnern, konstruiert man sich ganz locker "sein" Bild!

Ein Problem ist vor allem: Man liest oder hört sehr großzügig hin, wenn jemand etwas sagt oder schreibt, und registriert nur bestimmte Reizworte - und bastelt die sich zusammen nach dem, was man woanders her schon weiß (siehe auch Vorurteile). Klar, wenn jemand von Nacktheit - und auch noch mit Kindern - redet, dann weiß man ja schon alles... Alles andere, was der andere dann noch sagt, sind sowieso nur die typischen Ausreden oder eben Rationalisierungen! Oder der ist überhaupt krank im Kopf, wenn noch nicht einmal das stimmt, man wird es ja wohl wissen, denn schließlich ist man selbst ja doch wohl gesund und normal...! Dabei müßte einem ja klar sein, daß man auf ein Problem, das man lösen will, auch näher eingehen und sich neue Wege trauen muß und daß derjenige, der das alles von vornherein verweigert, doch derjenige ist, der hier die Probleme (oder sogar die Leichen im Keller) hat...

In einem Beitrag in der WELT "Jährlich Tausende Tote durch falsche Arznei-Einnahme" (18. 09. 2009, am Folgetag war der Beitrag allerdings nicht online, daher hier keine Url-Angabe) kommt der Verfasser, Lajos Schöne, darauf, dass viele ärztliche Ratschläge und Anordnungen nur deswegen nicht befolgt werden, weil der Patient sie in der Eile des Arztgesprächs und des dabei benutzten Medizinerkauderwelsches einfach nicht verstanden hat...."Von dem, was der Arzt dem Patienten sagt, werden zirka 90 % vergessen. Und von dem, was die Patienten behalten, erinnern sich 50 Prozent falsch. Das heißt, dass nur fünf Prozent von dem, was der Arzt sagt, beim Patienten ankommt."

Wundern Sie sich noch, wenn jemand nicht richtig verstanden wird, zumal wenn der mit einem ungewöhnlichen Gedankengang kommt? Allerdings: In der WELT vom 6. 6. 2005 lasen wir: Gerade einmal 18 Sekunden hält ein Arzt es aus, von seinem Patienten über seien Symptome informiert zu werden. Nach dieser Spanne steht sein Befund fest - der wichtiger als unser Befinden ist. Fehler in der Diagnose sind dabei ausgeschlossen, was heißt, dass es sich nicht für einen Patienten gehört, an dem zu zweifeln, was der Arzt ihm sagt... (Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2005/06/06/728090.html).
 

Im Zusammenhang dieser Website ist interessant, wie Theologen anders denken als normale Menschen. Schauen Sie doch bitte einmal in das Forum einer katholischen Website, in dem es um diese Website basisreligion geht: http://66.246.34.238/wbboard/thread.php?threadid=2946&boardid=14&page=1#14! Die denken wirklich komplett anders! Wenn die wenigstens eine Ahnung von pädagogischer Wissenschaft hätten, könnten sie sich denken, daß die Ursache des Unverständnisses eine unterschiedliche Wahrnehmung (also ein unterschiedlicher Filter) ist und sich einmal kümmern, doch von alldem haben sie auch keine Ahnung...

Überhaupt: Auch die Kirche mag ja etwas Richtiges und Gutes den Gläubigen erzählen, doch letztlich ist das alles völlig belanglos, entscheidend ist, was ankommt! Und wenn da nichts Vernünftiges ankommt, muß man sich eben ändern!

Unterrichtspraxis

Wie ich das in meinem Unterricht löse oder wenigstens versuche zu lösen? Das ist alles sehr sehr schwierig und sehr oft  sogar Glückssache! Bisweilen scheint mir die einzige Möglichkeit, den jungen Leuten eine Geschichte vorzulesen oder einen Film zu zeigen, damit sie ein spezielles Insiderwissen erfahren und von daher dann wenigstens etwas Gefühl für eine andere Wirklichkeit bekommen und offen werden für weitere und bessere Informationen, die sie ja ansonsten von vornerein abblocken. So habe ich, wenn es um den authentischen Jesus ging, ihnen die Susannageschichte vorgelesen (so richtig wie in einer ganz traditionellen Schulstunde) und dann auch noch die Erzählung von der Sünderin, die gesteinigt werden soll, beim Thema Buddhismus, Hinduismus und andere Religionen habe ich etwa die Geschichte vom Embryozustand vorgelesen oder auch die von der kultischen Prostitution in Indien aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, oder im Zusammenhang mit der Jugendmoral bei uns den Film "Kids" gezeigt, damit die Schüler eine Ahnung von der Problematik Gebrauch und Mißbrauch der Sexualität bekommen und wir irgendwo dieselbe Gesprächsbasis haben...

Doch es bleibt immer auch eine Gnade, ob ankommt, was ich will, denn wenn ich mit den Beispielen übertreibe, dann ist es ja auch wieder falsch...

Immerhin hatte ich meine Schüler ja noch eine gewisse Zeit vor mir und konnte mir meine pädagogische Strategie zurechtlegen - wenn hier im Internet manche nicht mit mir einverstanden sind, dann empfehle ich ihnen zwar, die Susannageschichte zu lesen. Was aber, wenn sie das nicht tun? Weil sie angeblich schon alles wissen? Dabei würden sie vermutlich alles doch anders sehen, wenn sie es mit meinen Hinweisen (siehe Gespräch 12) noch einmal neu lesen würden...

Dominikanische Methode

Die Dominikaner (ein katholischer Orden) haben für ihre Auseinandersetzungen eine Methode entwickelt: Der Ansprechpartner gibt erst einmal mit eigenen Worten wieder, was er gehört und verstanden hat. Es ist erstaunlich, wie oft jemand etwas ganz anderes gehört hat, als was der andere gesagt hat!

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(Wörterbuch von basisreligion)