Jesus realistisch?

 

Natürlich – warum nicht? Gegen die Realität spricht ja nicht, daß von ihm in der Bibel berichtet wird und daß er gekreuzigt wurde, sondern problematisch ist ja nur das legendenhafte Drumherum, die Jungfrauengeburt, die Wunder, die Auferstehung...

Und was war wirklich? Das ist eines der Hauptthemen dieser Website! Und anders als bei der Leben-Jesu-Forschung gibt es auch hier ein konkretes Ergebnis. Also ganz kurz:

Uns allen ist noch die Dutroux-Affäre in Belgien gegen Ende der 90er Jahre in Erinnerung, diese schrecklichen Kinderschänderangelegenheit, die vor allem deswegen nicht schnell aufgedeckt wurde, weil offensichtlich Politiker usw. mit darin verstrickt waren. Solchen Missbrauch von Kindern gab und gibt es nun wohl schon immer in der Menschheit und keinesfalls nur heute in Belgien: Wir wissen von den Touristen, die deswegen eigens in manche arme Entwicklungsländer fliegen, weil dort die Kinder „billiger“ sind und die Behörden großzügiger wegsehen; wir haben zumindest von den Kinderschänderseiten im Internet gehört; wir wissen, dass man Märchen heute unter dem Gesichtspunkt der Volkspsychologie sehen muß und dass gerade das Märchen Hänsel und Gretel eigentlich nur als eine Geschichte gegen Kinderschänderei alter Frauen  („Hexen“ galten vor allem auch als pervers-sinnlich) interpretiert werden kann - und Geschwister, die zusammenhalten, lösen schließlich das Problem (wozu hat so eine alte „Hexe“ im Volksbewusstsein wohl sonst den Tod verdient? Nicht zuletzt plädieren meine Schüler auch immer sehr schnell und spontan für die Todesstrafe bei Kinderschändern, irgendwie scheint die Verbindung nahe zu liegen....); oder denken wir auch an den Mißbrauch von Kindern zu Zeiten des französischen Königs Ludwig XV (da muß was los gewesen sein!)... Auch um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Hälfte der Prostituierten in Wien unter 12 Jahre... Sobald wir genauer hinschauen, findet sich in allen „Kulturnationen“ immer auch "so etwas".

Und das muß wohl im alten Israel zur Zeit Jesu nicht anders gewesen sein, nicht zuletzt waren ja damals nicht nur Frauen, sondern auch Kinder absolut rechtlos, siehe unter Frau. Ja wir können sogar sagen, dass gegenüber dem, was „damals“ los gewesen sein muß, die Zustände im heutigen Belgien vermutlich nur ein gelindes Säuseln (hoffentlich gewesen) sind.

Und vor 2000 Jahren ist nun dieser Häuserbauer Jesus diesem „Sumpf“, der sich ja nicht nur auf den Umgang mit Kindern, sondern auch auf Frauen bezog, mit seinen Freunden, alles einfache Handwerker, Fischer und dabei auch noch Steuereintreiber (oder auch Zöllner) und Prostituierte, auf die Schliche gekommen, hat ihn angeprangert und hat dagegen angekämpft. Jesus kam sich ja auch im Recht vor, weil im alten Israel das alles längst absolut gegen alle üblichen menschlichen und religiösen Prinzipien verstieß. Doch es „passierte eben“, ja war sogar vertuschte allgemeine Realität, und die „oberen“ Schichten, die Jesus für diesen Sumpf verantwortlich gemacht hatte, haben ihn dann mit falschen Zeugenaussagen grausamst beseitigt. Siehe hierzu auch „Gründe für den Tod Jesu“!

Wenn wir bedenken, dass nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen 90 % bis 95 % aller überlieferten Jesusworte nicht stimmen oder zumindest ursprünglich in einem anderen Zusammenhang gesagt wurden, dann würde ja vieles an diesem kriminologischen Ansatz passen: Jesu Kampf gegen das Böse, gegen die Heuchler, für die Liebe, für eine bessere Welt (die durchaus eine diesseitige ist)...

Weiter zu Jesus im Wörterbuch!

Siehe hierzu auch den Briefwechsel mit Professor Kirchschläger, Luzern, ob die Worte Jesu vom Mühlstein, der denen um den Hals gehängt werden sollte, die Kinder „Böses“ tun, hier nicht unzulässig eingeengt werden.

Wie Jesus gegen die verkommene damalige Gesellschaft gekämpft haben könnte, beschreibt das Kriminaldrama „Jesus und die Sünderin“.

Und da gibt es noch ein Gespräch, wie die Gesetze für die Moral, die es im alten Israel gab, üblicherweise so ausgenutzt wurden, dass sie als „Gesetze gegen die Moral“ dienten...

Schließlich sollen in dieser Website nicht offene Türen eingerannt und bei "Adam und Eva" angefangen werden, wenn es um Jesus geht. Siehe dazu die Ausführungen in der Illustrierten Stern vom 17.12.2002, das alles wird schon einmal hier akzeptiert. Basisreligion baut sozusagen auf den neueren Erkenntnissen über Jesus auf!

Wie eine christliche Erziehung ohne Wunderglauben, die sich jedoch an den Zehn Geboten orientiert, aussehen kann, siehe unter Kindererziehung und vor allem unter Kindergarten den Essay "Das Rätsel der heiligen Drei Könige und der `Nacktkindergartenskandal´ von Duisburg".

 

(Wörterbuch von basisreligion und basisdrama)