zoellner (Basislexikon: kompetent-kritisch-konstruktiv)


ZÖLLNER.

Zoll, Steuer und Maut sind im Prinzip identische Begriffe für Zwangsabgaben an den Staat oder an sonstige Personen oder Organisationen (hier bisweilen als "Schutzgeld"). Das Problem ist, dass etwa der Staat unbedingt das Geld haben will, doch die Bestuerten das natürlich nicht oder nur widerwillig abgeben und Wege suchen, dass die Steuerlast möglichst gering ausfällt.
Es gibt nun verschiedene Arten der Steuer, vor allem eine direkte Steuer und eine indirekte Steuer. Eine direkte Steuer ist die, die man unmittelbar an das Steueramt (oder auch Finanzamt) bezahlen muss, also etwa die Einkommensteuer, die Lohnsteuer oder die Hundesteuer. Eine indirekte Steuer ist die, die auf irgendwelche Waren oder sonstige Leistungen aufgeschlagen wird und die man zusammen mit diesen bezahlen muss, also etwa die Benzinsteuer, die Tabaksteuer oder die Alkoholsteuer.

Und wie lief das im alten Israel vor 2000 Jahren, als die römische Besatzungsmacht das Geld der unterworfenen Völker brauchte?

Wenn wir hier von Zöllner reden, dann ist der Begriff irreführend, denn Zöllner sind für uns diejenigen Beamten, die an der Grenze sitzen und auf ein- oder ausgeführte Waren einen Zoll erheben. Und so war das damals zumeist nicht, denn es ging um das Eintreiben von Steuern ganz allgemein. Daher ist ein besser Begriff für Zöllner "Steuereintreiber".

Wie geschah das nun damals?

Wir müssen immer bedenken, dass es eine ausländische Macht war, die sich nicht wirklich bei den Steuerpflichtigen auskannte und von daher die Zahlungsfäingkeit nur schlecht einschätzen konnte. Also delegierten sie die Eintreibung an einheimische Mitbürger, die sich naturgemäß besser auskannten. Diese lieben einheimischen Steuereintreiber oder Zöllner hatten nun eine bestimmte Summe "nach oben" abzuliefern, und wie sie an das Geld ihrer Mitbürger kamen, blieb weitgehend ihnen überlassen. Man kann sich gut vorstellen, dass sie ihre Macht nutzten (sie hatten ja Macht, denn notfalls konnten sie römische Soldaten zu Hilfe holen), Mitbewohner, die sie nicht mochten, besonders hart zu besteuern. Und sie nahmen natürlich mehr als sie ablieferten, denn von der Differenz mussten sie ja leben. Daher also die Außenseiterrolle der Steuereintreiber und ihre geringe Beliebtheit. Sie dürften also einerseits kaum Freunde unter ihren Mitbürgern gehabt haben und kannten sich andererseit unter ihnen sehr gut aus. Da sie nun aber sehr oft genügend Geld hatten, wollten sie natürlich entsprechend repräsentativ leben. Im Gegensatz zu ihren Mitbürgern half ihnen nun kein Freund beim Hausbau, also heuerten sie dazu Häuserbsauer "von auswärts" an, hier kam also die "Bauunternehmung Josef und Söhne" zum Zuge. Und so erfuhr der Sohn des Baununternehmers in langen Abendgesprächen, was in einem Dorf oder Städtchen so los war, er erfuhr also auch von Prostitution und Scheinmoral der Gesellschaft.

Wenn Jesus dann als revolutionärer Redner durch das Land zog, und die heuchlerischen und oft auch brutalen Verhältnisse, von denen er gewiss nicht nur ein einem Dorf oder Städtchen gehört hatte, anprangerte, dann wollten ihn auch mal seine früheren Freunde sehen und hören. Sie hatten jedoch nicht die Erwartung, dass Jesus sie noch kennen und sich zu ihnen bekennen würde. Also stieg schon mal einer von ihnen auf einen Baum, um Jesus zu sehen, wie dieser Zöllner Matthäus. Doch nein, Jesus entdeckte ihn und vergaß ihn nicht, wie auch sonst seine früheren Freunde - und wollte bei ihm wohnen. Denn schließlich hatten die Zöllner ihn ja erst aufmerksam auf die Ungerechtigkeiten gemacht und ihn so zu seinem Engagement motiviert.

Siehe auch untre dem Stichwort Jesus.

Vielleicht können wir uns den Vorgang der Steuereintreibung so vorstellen wie die Eintreibung der Kautschukquoten im Kongo zur Zeit des belgischen Könits Leopold II, wenn auch längst nicht so schlimm: siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Kongogr%C3%A4uel.