Wie ist das mit den Wundern?

So enttäuschend es für manche klingen mag, Jesus hat vermutlich kein einziges Wunder gewirkt.... Und was da in der Bibel berichtet wird, sind das letztlich alles Propagandageschichten, wie sie damals auch über andere bedeutende Leute oder auch über Gottheiten erzählt wurden. Es ging einfach darum, Jesus bedeutend zu machen, sogenannte “Marketingwunder”. In der Theologie gibt es den Ausdruck „Kerygma“, das heißt soviel wie „Verkündigung“; der „Jesus der Wunder“ ist also eine „Marketingmaßnahme“ der frühen Kirche.

Die Frage stellt sich: Warum hatte Jesus überhaupt Marketing nötig?

Zunächst einmal: Marketing ist immer nötig, von alleine verbreiten sich nur ansteckende Krankheiten und Ungeziefer... Und es gehört doch nicht viel, sich das vorzustellen: Jesus war zunächst einmal für Außenstehende nicht mehr als irgendein Wanderarbeiter (das war wohl sein wirklicher Beruf), der nach einem zumindest in den Augen der damaligen Menschen ordentlichen Prozeß hingerichtet wurde – mit Absegnung durch die römische Besatzungsmacht. Wir müssen bedenken, daß Rom in gewisser Weise ein moderner Rechtsstaat war, die Römerkinder wuchsen nicht mit dem Märchenbuch, sondern mit dem Gesetzbuch auf. Unser heutiges Recht baut schließlich auch auf römischem Recht auf. “Da wird also etwas dran gewesen sein, umsonst kreuzigen die doch keinen!”, so mochten die Leute damals gedacht und gesagt haben, denen man von Jesus erzählte. Dieser Jesus war also “so” nicht “vermarktbar”, da mußte irgendein Marketingkonzept her.

Und wenn das mit dem kriminologischen Ansatz stimmt, dann traute man sich wohl auch aus  nahe liegenden Gründen nicht, sein wirkliches Anliegen und den wirklichen Grund für seine Hinrichtung breitzutreten, denn das schien erst einmal zu brisant.

Und warum wollten die Leute der frühen Kirche überhaupt Menschen anderer Kulturen „missionieren“?

Das war zunächst gewiß einmal reine Menschlichkeit: Sehen wir uns einmal an, wie es um die höchsten menschlichen Ideale in der damaligen Welt stand: Echte Liebe - und gerade die zwischen Mann und Frau - gab es doch weder in Israel zur Zeit Jesus, noch bei den Nachbarvölkern, noch bei weiter entfernten Völkern, von denen man ja auch etwas mitbekommen hatte. Vergegenwärtigen wir uns die Situation im alten Griechenland mit der dort allgemein üblichen Homosexualität, im alten Ägypten mit der Beschneidung der Frauen, im Zweistromland mit der üblichen Prostitution zu Ehren der Götter (vergleiche unter „Untreue Juden....“), im weiteren Osten und auch sonst das ganze Haremswesen (siehe Kamasutra). Da mussten anständige Leute doch etwas unternehmen!

Hatten die damals auch eine derartige Expansion der christlichen Idee im Auge?

Zur Römerzeit gab es längst wirtschaftliche Beziehungen mit Ostasien, in der Spätantike gab es dieselben philosophischen Ideen von Spanien bis nach China (die dualistische Philosophie, siehe Dualismus und Philosophie), in Alexandrien in Ägypten gab es eine buddhistische Gemeinde (siehe Buddhismus). Die dachten damals viel globaler, als wir uns das heute vorstellen können. Wir haben da irgendwie die Situation vor der Entdeckung der fernen Länder und Erdteile im Kopf, als etwa die Araber im Vorderen Orient sozusagen einen Riegel bildeten, durch den kaum hindurch zu kommen war. In der Antike gab es diesen Riegel wohl nicht so.

 Das wahre Wunder wäre im übrigen, wenn sich die Ideen des wirklichen Jesus von der Liebe unter den Menschen durchsetzte...