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Da sehr oft die Schreiben weniger die Gedanken vieler widerspiegeln, versuche ich, möglichst gut auf sie einzugehen. Daher denke ich, dass es sich lohnt, die Schreiben und meine Entgegnungen ins Internet zu setzen.

1. Schriftwechsel vom 12.4.2022 von einem traditionellen Theologen M.G, vor allem über die Theologie.

Ich hatte ihn angeschrieben, weil er ein Buch über die Entstehung des Neuen Testaments verfasst hatte. Und ich hatte ihn angefragt, warum er nicht die Parallelen zu den Göttermythen erwähnt hat, wie ich sie sehe, etwa auch in der Startseite. Zunächst sein Schreiben:

Sehr geehrter Herr P.,wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist Jesus nicht der wahre Sohn Gottes, er hat uns durch sein Leiden nicht erlöst und er ist auch nicht auferstanden. Die Märtyrer sind für eine Fabel in den Tod gegangen/ und sie hätten besser den Götzenbildern Weihrauch gestreut und ihr Le­ben genossen.

Wenn das richtig ist, kann man das gesamte Christentum ruhig vergessen. Ich finde es albern, wenn Sie dann noch erklären wollen, was der historische Jesus wirklich wollte. Wie wollen Sie das nach 2000 Jahren wissen, wenn die Evangelien völlig verfälscht wurden? Sagen Sie lie­ber offen, dass Sie kein Christ mehr sind.

Die Thesen von Deschner sind keineswegs neu, sondern uralt. Aber die angeblichen Paralle­len mit den Göttermythen bestehen nur bei einer sehr oberflächlichen Betrachtung. In Wahr­heit gibt es außer Jesus Christus keine andere historische Person, von der ihre Zeitgenossen behauptet haben, sie sei auferstanden, und die dann für dieses Zeugnis in den Tod gegangen sind.

Die Göttermythen spielen alle in einer nebelhaften Vergangenheit, und niemals hat ein Mensch ernsthaft behauptet, er sei Augenzeuge dieser Ereignisse gewesen. Das Evangelium handelt aber von einer historisch feststellbaren Zeit und von historisch feststellbaren Orten, und die Evangelien beanspruchen, auf Augenzeugenberichte zurückzugehen oder sogar selbst von Augenzeugen geschrieben worden zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

M. G.

Und ich darauf am 14.4.2022:

Besten Dank für Ihre schnelle Antwort. Dazu möchte ich Ihnen entgegnen:

  1.  Soviel ich sehe, nehmen die meisten heutigen Theologen den Begriff "Sohn Gottes" nicht wörtlich, sondern sehen ihn zumindest auch im übertragenen Sinn. Während etwa bei den alten Ägyptern nur der Pharao "Sohn Gottes" war (die Ägypter glaubten, dass er es wirklich war, es gab auch immer passende Zeugungsgeschichten), galt bei den Juden jeder männliche Jude als Sohn Gottes etwa in dem Sinn, wie auch wir heute alle "Kinder Gottes" sind. Auf dem ersten Blick klingt das nun natürlich sehr gut, wenn Jesus im Neuen Testament auch von seiner Zeugungsgeschichte zu einem "richtigen" Sohn Gottes erhöht wurde, doch man kann das auch als raffinierten Schachzug der Gegner Jesu sehen: „Jesus ist für die jenseitige oder auch geistige Welt zuständig – doch er soll uns mit der diesseitigen Welt gefälligst in Ruhe lassen, für die sind wir zuständig!“ Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch noch eine Steigerung, ihm direkt in den Mund zu legen: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt ...."

  2. Frage stellt sich doch, von was uns Jesus durch sein Leiden angeblich erlöst hat. Ich bin durchaus auch von dieser Frage her einmal nach Japan gefahren und war dort mit Bahn und Zelt und Klapprad auf eigene Faust unterwegs, um zu sehen, wie es mit der Erlösung in einem Land aussieht, das nicht christlich geprägt ist, also wo die Bewohner keine Erlösung durch Christus mitbekommen haben. Und ich kann sagen, dass ich keinen erwähnenswerten Unterschied zu christlich geprägten Ländern sah, es war im Gegenteil sogar manches noch besser, wenn ich etwa an eine für mich bis dahin so nie erlebte Hilfsbereitschaft denke. Auch kann man sein Klapprad mit Gepäck eigentlich überall stehen lassen, da klaut niemand etwas. Woran erkennt man also eine Erlösung? Ich denke, da wird irgendeine Schuldverstricktheit des Menschen konstruiert, von der uns dann ein konstruierter Gottessohn erlöst hat. Ich halte also die Geschichte von Sünde und Erlösung für ein patentes Ge­schäftsmodell raffinierter Religionen und für eine kreuzbrave Ausrede, dort wo etwas in Sinn einer hohen Moral gemacht werden müsste, nichts zu machen.

  3.  Dass Märtyrer für eine Idee in den Tod gingen, ist tragisch und ehrt die betreffenden Menschen, doch es ist kein wissenschaftliches Argument für die Wahrheit oder Richtigkeit der Ideen, die sie vertreten haben. Wir haben heute hier sicher die „Täter“ des 20. Juli 1944 im Hinterkopf (also etwa Graf Schenk von Stauffenberg oder Carl Goerdeler), die gewiss auf der Seite der Wahrheit und der Richtigkeit standen, doch trifft das immer zu? Johannes Hus, Giordano Bruno und Thomas Müntzer und die vielen Opfer der Inquisition sind auch für irgendwelche Ideen gemartert worden und gestorben, oder denken wir auch die vielen Menschen, die immer wieder freiwillig für eine Idee in einen Krieg ziehen und sterben, doch ist ihr Tod ein Beweis für die Wahrheit und Richtigkeit ihrer Ideen? Und zudem wissen wir ja gar nicht, warum genau die betreffenden Märtyrer der Urkirche gestorben sind. Starben die aufgrund ihres Glaubens nach der Jesusideologie oder nach der Paulusideologie? Das ist ja nicht überliefert, ihnen wir heute einfach der Hintergrund der Paulusideologie unterstellt. Das ist jedoch wissenschaftlich nicht korrekt. In den Werken des hl. Ambrosius fand ich den Bericht von einer jungen Märtyrerin, die vor einem ähnlichen Dilemma stand wie die Susanna in der Susannageschichte im Anhang des Buchs Daniel. Und zunächst hatte sie die Prostitution gewählt und kam auch erst einmal durch eine glückliche Fügung unbeschadet davon. Doch sie wurde später erneut fest genommen und verurteilt und starb auch. Der Hintergrund ihres Todes war eindeutig die Jesusideologie.     

  4. Und wie kommen Sie hier auf das Streuen von Weihrauch vor Götzenbildern? Ich sehe keinen Zusammenhang.     

  5. "Etwas albern finden“, ist kein wissenschaftliches Argument. Wenn etwas (zunächst) albern klingt, kann es trotzdem nach wissenschaftlichen Kriterien korrekt sein. Ich denke, es ist sogar sehr normal, dass in einer Zeit, in der man Lügengeschichten für Wahrheit hält, wahre Argumente erst mal für albern hält. Ich möchte hier nur feststellen, dass Sie auf die Sünderingeschichte nach Johannes 8 überhaupt nicht eingegangen sind und auch nicht auf die Susannageschichte im Anhang des Buches Daniel. Soviel ich sehe, kam bisher bei keinem Theologen und auch sonst nicht der kriminelle Hintergrund zur Sprache, der bei der Susannageschichte eindeutig da ist – bei der Sünderingeschichte nach Joh. 8 wird der Hintergrund ja nur oberflächlich angedeutet. Sie kennen sicher den Spruch, dass man eine Lüge nur lange genug behaupten muss, damit sie schließlich zur Wahrheit wird. Ich denke hier anders: Eine Lüge bleibt eine Lüge, auch wenn sie 2000 Jahre lang behauptet wird. (Wie lange wurde übrigens die ägyptische Religion für wahr gehalten – doch nicht nur mehr als 2000, sondern sogar weit mehr als 3000 Jahre! Die Länge der Fürwahrhalterei einer Religion ist doch gewiss kein Indiz für die Wahrheit der betreffenden Religion!!!) Dass die Kriminalität der Ältesten in der Susannageschichte meines Wissens bisher nicht angesprochen wurde, ist zwar keine Lüge, aber ein Versäumnis, denn die Frage nach dem kriminellen Hintergrund wurde bisher immer tabuisiert. Und wenn hier etwas 2000 Jahre lang tabuisiert wurde, dann wird es doch so langsam Zeit, dass sich endlich einmal jemand findet, der das Tabuisierte hinterfragt! Auf Seite 13 in der Schrift „Jesusideologie“ habe ich geschrieben (sogar in rot!), warum ich die Sünderinerzählung nach Johannes 8 für ein zuverlässigeres Indiz für das wirkliche Engagement Jesu halte als das ganze übrige Neue Testament. Und wenn Sie das Engagement Jesu, auf das ich gestoßen bin, für bedeutungslos und nicht der Rede wert halten, dann möchte ich Ihnen sagen, dass das ein starkes Indiz für Ihre Frauenfeindlichkeit oder wenigstens Frauenverachtung ist. Sie sollten sich einmal fragen, ob Sie nicht auch so ein Theologe sind wie die Theologen damals, gegen die sich Jesus engagiert hatte. Ich denke, so etwas sollte sich sowieso jeder Theologe immer wieder fragen, der sich für christlich hält.     

  6. Ja, wie will man nach 2000 Jahren noch etwas Neues herausfinden, wie will man überhaupt etwas anderes herausfinden als das, was im Neuen Testament über Jesus geschrieben ist? Es scheint wirklich unmöglich. Dafür hat Albert Schweitzer, der nicht nur dieser humanistische Urwaldarzt war, sondern auch ein bedeutender Theologe, sogar eine Begründung gefunden etwa in dem Sinn: "Jesus lebte nicht nur in anderen Zeit und Kultur, sondern auch in einer völlig anderen Gesellschaftsschicht als unsere akademischen Theologen, zu der diese einfach keinen Zugang haben. Doch das Engagement Jesu ist vermutlich nur aus der Umwelt Jesu, wozu auch die Gesellschaftsschicht gehört, in der er lebte, heraus zu verstehen - doch da die akademischen Theologen nun einmal nicht in dieser Umwelt leben, werden sie den wirklichen Jesus nie finden und so auch sein Engagement nie verstehen." Meine Meinung hierzu: Albert Schweitzer war doch schon sehr nahe an der Lösung: Im Neuen Testament wird ja berichtet, dass Jesus mit Prostituierten und Steuereintreibern befreundet war. Was also wäre, wenn ein heutiger Theologe einmal heutige Personen aus diesen "Branchen" um Rat gefragt hätte, also etwa Prostituierte und Zuhälter? (Heutige Steuereintreiber kommen wohl eher nicht infrage, denn der große Unterschied zwischen der Steuereintreiberei damals und heute ist, dass in der damaligen beleglosen Zeit ein Steuereintreiber einen Spielraum hatte, was er einem Steuerpflichtigen "abknöpfen" konnte. Also wird das "Verfahren" der Bemessung der Steuerschuld auch eine andere gewesen sein als heute. Dagegen gibt es einen solchen Spielraum in der heutigen Zeit nicht mehr, wo man alles durch Belege nachweisen kann und muss.) Ich denke nun, dass es doch sehr nahe liegend ist, dass die Erzählung von der "Sünderin" nach Johannes 8 eine Begebenheit darstellt, wie sie typisch für die Halbwelt ist - und so auch die Erzählung von der schönen Susanna im Anhang des Buchs Daniel des Alten Testaments. Es mag nicht glaubhaft klingen, doch es ist nun einmal so, dass - nach meinen Kenntnissen - in den vergangenen 2000 Jahren kein Theologe drauf kam, diese Geschichten in dem Sinn zu sehen, dass sie etwas mit der Halbwelt zu tun haben. In keiner Untersuchung wurden etwa die beiden Ältesten in der Susannaerzählung als Verbrecher bezeichnet, die sie doch nun wirklich waren, als sie eine Frau erpressten, entweder dass sie mit ihnen Sex hätte oder dass sie dafür sorgen würden, dass sie gesteinigt würde. Ich habe hier katholische, evangelische und auch jüdische Literatur (David Flusser, Schalom Ben Chorin, Pinchas Lapide u.a.) überprüft, auch in Ihrem Buch wird die Sünderinerzählung nach Johannes 8 zwar erwähnt, doch auf den Hintergrund einer verbrecherischen Halbwelt kommt niemand - und auch Sie nicht. Doch heutige Prostituierte und Zuhälter oder auch Kriminologen könnte ein akademischer Forscher sehr wohl befragen, indem er ihnen etwa die Erzählungen von der Sünderin und der schönen Susanna vorlegt und sie fragt, wie sie die interpretieren. Ich könnte mir vorstellen, dass der Direktor eines Gefängnisses, in dem entsprechende Kriminelle inhaftiert sind, einem interessierten Theologen schon die Gelegenheit geben würde und dass ein entsprechender Krimineller vielleicht auch gerne reden würde. Doch leider kommt ja niemand auf die Idee, in dieser Weise zu recherchieren. Warum eigentlich nicht, obwohl eine solche Recherche doch nahe liegend wäre? Die Frage stellt sich, ob die heutigen Theo­logen denn alle von der Mafia gekauft sind, damit sie nichts Sach­dienliches unternehmen – so wie die Theologen vor 2000 Jahren? Ich kann das eigentlich nicht glauben, doch wenn die Theologen gekauft wären, würden sie auch nichts anderes machen als das, was sie heute machen: Eine wunderschöne Liturgie veranstalten und was die Sexualmoral betrifft: Weggucken und nichts Sachdienliches machen. Jedenfalls: Wenn ein Theologe endlich hier einmal recherchieren würde, dann könnte der auch noch nach 2000 Jahren etwas Neues herausbekommen! Immerhin: Künstler wie Lukas Cranach d. Ä. scheinen bisweilen den "richtigen Riecher" gehabt zu haben.

  7. Anmerkung, warum ich bei den beiden Ältesten in der Susannageschichte nicht an "Einzeltäter" denke, obwohl in der biblischen Geschichte davon die Rede ist, dass es den beiden Ältesten nur darum ging, Sex mit der schönen Susanna zu haben, dass sie also "Einzeltäter" waren, sondern an eine Mafia: Die Gesetzeslage war doch damals die, dass der Ankläger oder der Zeuge diejenige Strafe bekam, die der Beschuldigte bekommen hätte, wenn sich heraus gestellt hätte, dass der Ankläger oder der Zeuge Unrecht hatten, wenn es sich also um eine falsche Anklage gehandelt hätte. Und wenn es den beiden Ältesten lediglich um Sex gegangen wäre, dann wären sie doch nie und nimmer das Risiko einer Todesstrafe eingegangen. Zudem: Wann treffen sich schon zwei "geile Alte" "zufällig" mit der selben Absicht, eine Frau zu verführen, vor allem wenn sie doch wissen, dass sie eine solche Verführung nur zu zweit schaffen. Es handelt sich also bei dieser "Verführung" um eine von vornherein abgesprochene Sache und mit Sicherheit dann auch noch um den Auftrag einer Mafia nach dem Motto: Diese Susanna ist eine "muntere Frau", sie ist ziemlich unverklemmt, nicht zuletzt auch weil sie in ihrem Garten nackt badet ("welche anständige Frau macht das schon, so etwas zeigt doch, welch Geistes Kind die wirklich ist!" - Kennen nicht auch wir heute solche spießigen Klischees?), und sie ist also sehr gut als Prostituierte geeignet und kann auf dem Prostituiertenmarkt einen hohen Preis erzielen. Seht also zu, wie ihr sie gefügig macht! Doch lasst auf keinen Fall merken, dass das ein Auftrag ist, es muss unbedingt nach Einzeltätern aussehen! Und wenn ihr es schafft, fällt auch für euch etwas ab, und wenn ihr es nicht schafft, werdet ihr eben bestraft nach üblichem Verfahren". Die beiden Ältesten saßen also vermutlich auch in der Zwickmühle - und durften natürlich von ihrem Auftrag auch nichts erzählen, wenn die "Aktion" schief gehen würde, es hätte ihnen auch nichts geholfen. Denn die Auftraggeber hätten sowieso alles abgestritten. Und so hatte auch der Autor der Geschichte von der schönen Susanna im Nachtrag des Buchs Daniel keine Ahnung von dem Hintergrund der Mafia. Mit der Sünderingeschichte in Johannes 8 wird es also ähnlich gewesen sein – auch hier steckte im Hintergrund mit Sicherheit eine Mafia.

  8. Und wenn die Thesen von Deschner "uralt" sind, warum tabuisieren auch Sie die, warum erwähnen Sie die nicht in Ihrem Buch und widerlegen die sachlich? Damit outen Sie doch auch Sie sich als typischer „Vogel-Strauß-Theologe“. Und was heißt hier „nebelhafte Vergangenheit“? Papier ist doch geduldig, es war ja auch niemand mit einem Tonbandgerät oder vor allem mit einer Filmkamera dabei, der die Behauptungen Jesu oder auch der Evangelisten dokumentiert hätte. Und noch nicht einmal im Neuen Testament gibt es konkrete Zeugen für die Auferstehung, neutrale schon gar nicht. Also ist das, was da im Neuen Testament erzählt wird, doch auch „nebelhafte Vergangenheit“. Vom Wissenschaftlichen her gesehen bleibt uns hier nur übrig, die "nebelhafte Auferstehungsgeschichte Jesu" mit den "nebelhaften Auferstehungs­geschichten anderer Götter- oder etwa Gottessöhne" (wie etwa des Osiris) in Beziehung zu setzen. Und da ist die Auferstehungsgeschichte Jesu im Neuen Testament eben nichts Besonderes und Einmaliges.     

  9. Und was heißt hier „historisch feststellbare Zeit und historisch feststellbare Orte“? Ich habe mich einmal in Indien mit Brahmanen über die Wahrheit von Berichten in der Hindureligion und im Neuen Testament unterhalten. Die sahen das mit der Wahrheit also genau anders herum: „Ja, es mögen dieselben Geschichten sein, die in beiden Religionen erzählt werden (es ging hier um die Geburtsgeschichten von Jesus und von Krishna), nur mit dem Unterschied, dass sie bei Jesus Legende, bei Krishna jedoch wirklich wahr sind ...“ Natürlich haben doch die Anhänger jeder Religion immer für sie angeblich völlig sichere Anhaltspunkte, dass ihre Religion die wirklich wahre ist! Ich hatte also darauf geantwortet, dass man das bei uns eben genau andersherum sieht, bei uns ist das von Jesus wahr, von Krishna aber Legende. Damit war das Gespräch zu Ende – und heute, wo ich ihnen angeboten habe, wieder mal darüber zu reden, wollen sie offensichtlich nicht mehr reden.      
  10. Im Übrigen dachte ich bei den Parallelen in unserem Glauben zu den alten heidnischen Religionen weniger daran, ob die Ereignisse, von denen im Neuen Testament berichtet wird, jeweils wirklich wahr sind, sondern an die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Ich bin ja davon ausgegangen, dass es so viele Zufälle gar nicht geben kann, dass alle diese erwähnten Göttergeschichten aus den verschiedensten Religionen auch bei einem einzigen Menschen in einer neuen Religion tatsächlich geschehen sind, sondern dass hier vielmehr mit Jesus eine Kunstfigur aus den verschiedenen Göttergeschichten konstruiert wurde. Leider scheint allerdings manchen Menschen - und so auch Ihnen - ein Gefühl für solche Zusammenhänge von der Wahrscheinlichkeitsrechnung her zu fehlen. Wie ich festgestellt habe, hat zumindest eine Leserin der Startseite den Begriff "Zufall" in einer Website, die sich mit Religion beschäftigt, offensichtlich assoziativ mit der Frage nach der Entstehung des Lebens in Verbindung gebracht, ob es also durch Zufälle entstanden ist oder durch (göttliche) Schöpfungsakte. Das ist hier jedoch ein völliges Missverständnis, denn darum geht es mir überhaupt nicht und meine Argumentation ist hier keine theologische, sondern eher eine mathematische (also von der völlig unwahrscheinlichen Häufung von Zufällen her), die überhaupt nichts mit Religion zu tun hat. Und diese mathematische Problematik ist genau dieselbe, ob es außerirdisches Leben gibt, siehe also dort!

Wie gesagt, für mich ist die Sünderingeschichte nach Johannes 8 ein zuverlässigeres Indiz für das wirkliche Engagement Jesu als die Geschichten, die auch in den diversen Religionen von den verschiedenen Göttern erzählt werden. In meiner Schrift „Echte Monogamie von der Vernunft her“ habe ich dann auch noch berichtet, was mir ein ägyptischer Kaufmann erzählt hat, wie es im Islam auch heute noch Frauensteinigungen mit genau solchem Hintergrund wie in der Sünderingeschichte bzw. wie in der Susannageschichte gibt ( https://basisreli.lima-city.de/monogamie.pdf , S. 44) . Nicht zuletzt erklärt der Einsatz Jesu „in einer solchen Sache“ auch sehr plausibel seinen Foltertod. Und wenn wir dieses Engagement Jesu in die heutige Zeit umsetzen würden, würde sich die Welt doch wirklich ändern – dann wäre Jesus also wirklich nicht umsonst gestorben!

Darauf (ich hatte noch einen weiteren Brief geschrieben, u. a. mit dem Hinweis auf einen Beitrag in der WELT, dass Josef und Jesus wohl gar nicht arm waren, wie M.G. in seinem Buch behauptet hatte ) schrieb M. G. am 4. 5. 2022:

Sehr geehrter Herr P.,

Was ich als "albern" bezeichnet habe, war nicht Ihr Versuch, etwas im NT eu zu interpretieren, sondern der völlig willkürliche Umgang mit den Texten. Wenn die Evangelien völlig verfälscht wurden, wie Sie annehmen, wieso sollte das dann bei der Geschichte von der Sünderin nicht ebenso sein? Wieso sollte ausgerechnet diese Episode authentisch sein, wenn sonst fast alles erfunden ist? Sie nehmen also von den Texten das an, was in Ihre Sichtweise passt, und lehnen ab, was in diese Sichtweise nicht passt, und das ist nicht wissenschaftlich.

Nicht wissenschaftlich ist es auch, wenn Ihnen ein Zeitungsartikel genügt, um die Armut von Josef und Maria als Erfindung abzutun. Lukas war jedenfalls näher an der Zeit als Ihre dubiose Quelle, er konnte Maria und die Verwandten Jesu befragen. Wenn Ihre Quelle behauptet, Josef sei ein Bauunternehmer für Luxushäuser gewesen, ist das einfach eine Behauptung, die vielleicht Zeugnis von der blühenden Phantasie des Autors gibt, aber nicht von seiner Wissenschaftlichkeit.

Müssen Sie eigentlich alle, die anders denken als Sie, gleich als Ideologen beschimpfen? Man muss ja leider oft die Erfahrung machen, dass diejenigen, die am lautesten von Toleranz und Meinungsfreiheit sprechen, oft am intolerantesten sind. Der Thomismus ist für Sie eine Ideologie und sie verdächtigen ihn gleich noch, beim Hexenwahn eine Rolle gespielt zu haben. Sie sollten doch wissen, dass die eifigsten Hexenverbrenner die Protestanten waren, die mit Thomas wahrlich nichts am Hut hatten.

Wenn Sie mit mir diskutieren wollen, dann beginnen wir am besten mit der Auferstehung Jesu, an der ja nach dem Zeugnis des hl. Paulus alles hängt: "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, ist unsere Predigt hinfällig, hinfällig auch euer Glaube! Dann stehen wir auch als falsche Zeugen Gottes da, weil wir gegen Gott bezeugt haben, er habe Christus auferweckt, - den er ja nicht auferweckt hat, wenn die Toten nicht auferweckt werden" (1 Kor 15,14 f).

Was ist den nach Ihrer Meinung passiert, nachdem Christus am Kreuz äußerlich als Gescheiterter gestorben ist?

Mit freundlichen Grüßen
P. M. G.

Meine Antwort am 6. Mai 2022:

Sehr geehrter Herr M. G.,

was Sie für „willkürlichen Umgang“ mit den Texten bezeichnen, sehe ich natürlich ganz anders! Ich erinnere mich hier an eine Vorlesung im Fach AT. Wir Studenten saßen also im Hörsaal mit unseren Bibeln und mit Bleistiften. Und der Prof. erklärte uns, welche Stellen in unseren Bibeltexten gestrichen werden müssten, weil sie spätere Zutaten sind, also gar nicht vom ursprünglichen Verfasser stammen (können).

Und sehe ich auch das mit dem NT. Ob es hier auch einen Profes­sor gibt, der nach dem Verfahren dieses AT-Professors vorgeht – im Hinblick auf das, was der wirkliche Jesus gesagt hatte? Ich weiß es nicht. Vermutlich eher „nein“, denn ich denke, wenn es so einen Prof. gäbe, dann müsste fast das gesamte NT gestrichen werden.

Ich denke jedenfalls, dass die „Streicherei“ eigentlich ganz einfach wäre: Alle Götterge­schichten müssten gestrichen werden, alle Plagiate aus buddhistischen Texten und auch alle Anspielungen auf das jüdische AT – wie der dänische Indologe Christian Lindtner meint. Denn diese Anspielungen wurden doch nur von jüdischen Fachleuten geschrieben, um den Jesus zu beweisen, den die Auftraggeber des „Neuen Testaments“ vorgegeben hatten (das jetzt in meinen Worten).

Übrig bliebe dann vor allem die Sünderingeschichte nach Johannes 8. Ja, was für die spricht:

  1. Es braucht kein „sacrificium intellectus“ (von lat. "Opfer des Verstandes"), um an die zu glauben.

  2. So etwas passiert auch heute noch, wie mir ein ägyptischer liberal-moslemischer Kaufmann erzählt hat.

  3. Diese Geschichte würde den Foltertod Jesu sehr gut erklären – und auch dieses merkwürdige NT-Sammelsurium aus den Götter- und Buddhismusgeschichten (etwa in „The Unknown Buddha of Christianity“ von Michael Lockwood) und „Beweisen“ von Prophezeiungen aus dem jüdischen AT – und nicht zuletzt auch von typischen religiösen Plattitüden, die es ja auch im NT gibt. Damit wären wir dann bei den 5 % an Worten, auf die auch der der evangelische Theologe Gerd Lüdemann (1946 - 2021) allerdings "auf einem anderen Weg" gekommen ist, die im Neuen Testament wirklich von Jesus stammen. Jedenfalls wäre Jesus, wenn er das von einer Erlösung für ein Leben nach dem Tod gepredigt hätte, nie und nimmer hingerichtet worden. Im Gegenteil, dann hätten ihn die Mafiosi auch noch nur zu gern gesponsert. Das wäre doch genau die perfekte Ablenkung vom Diesseits gewesen, die die für eine Religion wollten!

  4. Ich verweise auch hier auf die Bücher von Petra Reski "Mafia" und "Von Kamen nach Corleone" (siehe ebenfalls die "Kurzfassung"): Mafias gibt es überall!
  5. Nicht nur einmal habe ich in meinen Vorlesungen gehört, dass es dem wirklichen Jesus gar nicht um eine typische Religion ging, sondern um eine Lebenseinstellung, so wie auch in der ursprünglichen jüdischen Religion. Nur was das im Detail bedeutet, das wurde nie gesagt - ich denke also, dass es das war, was ich im farbigen Kasten in der "Kurzfassung" beschrieben habe. Auch habe ich gehört, dass Jesus sich ganz gewiss keinen "Opfertod" gewünscht hatte, ja, er hatte nie damit gerechnet, dass er einmal verfolgt würde und zum Tode verurteilt würde. Auch hier wieder meine Kombination: Dabei waren dann auch noch die damaligen "kirchlichen Autoritäten" beteiligt, dabei war es diesem Jesus doch nur darum gegangen, dass die Gebote Gottes wieder zur Geltung kamen.
  6. Jesus war wohl unzweifelhaft mit Prostituierten und Steuereintreibern ("Sündern und Zöllnern") befreundet bzw. er hatte sich mit ihnen gut verstanden. Prostitution ist wohl schon seit jeher ein typisches Geschäftsfeld der Mafia und - wenn man bedenkt, dass damals die Steuereintreibung beleglos geschah - auch die Steuereintreibung. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Steuereintreiber zu ihrem oft recht lukrativen Posten nur durch Zahlung von Schutzgeld an die Mafia oder an mafiaähnliche Organisationen kamen. Prostituierte mussten sowieso Schutzgeld bezahlen, wenn sie nicht gar Sexsklavinnen von Zuhältern waren. Und sie alle dürften Jesus darüber berichtet haben, vor allem auch die Prostituierten, wie sie im Zusammenhang mit ihrem "Job" regelrecht erpresst werden. Und weil Jesus aufgrund seiner Hausbauarbeiten "im ganzen Land" von vielen ähnlichen Problemen hörte, konnte er auch verallgemeinern und die Verhältnisse öffentlich anprangern, ohne einzelne seiner Informanten zu nennen.
  7. Ein Profes­sor von mir (Rupert Lay S.J.) meinte, dass diese Geschichte vermutlich wahrer ist als das ganze übrige Johannesevangeli­um. Wie er das begründete, da­ran kann ich mich nicht erinnern, doch immerhin kam er zu dem gleichen Ergebnis wie ich. Ich gehe allerdings inzwischen noch weiter als Lay, wenn ich ergänze „ver­mutlich wahrer als das ganze übrige NT“.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich Ihnen den Text „Jesusideologie“ schon geschickt habe, da habe ich jedenfalls ausführlich begründet, warum ich die Sünderingeschichte für „Original-Jesus“ halte.

Bei dem Zeitungsartikel handelt es sich doch nicht nur so gerade um irgendeinen Zei­tungs­artikel, sondern es geht um einen offensichtlich anerkannten Professor der Gregoria­na. Doch ich denke, das stand doch deutlich in dem Zeitungsartikel, eigentlich konnte man das doch nicht überlesen. Ich zitiere mal, was ich auf der Internetseite der Gregoriana ge­funden habe (übersetzt mit www.deepl.com):

Aus dem Archivio storico der Pontificia Universita Gregoriana

Pater Giovanni Magnani SJ wurde am 25. Januar 1929 in Oderzo, Provinz Treviso, geboren und starb am 26. Oktober 2006. Die Arbeit von P. Magnani ist hauptsächlich mit dem Institut für Religionswissenschaften an der Gregoriana verbunden und begann 1965. Er wurde von Pater Arrupe, dem damaligen Generaloberen der Gesellschaft Jesu, dorthin berufen, um das Studium der Religion und die Ausbildung derjenigen, die keine Priesteramtskandidaten waren, in den heiligen Wissenschaften neu zu formulieren. 1965 bis 1973 und erneut von 1986 bis 1998 war er Dekan des Instituts für Religionswissenschaften, ohne sein Engagement an der Philosophischen Fakultät zu schmälern, wo er 1981 Professor für Vergleichende Historische Phänomenologie und Psychoanalytische Anthropologie wurde und auch Religionsphilosophie und Historische Christologie am Institut für Religionswissenschaften lehrte. Im akademischen Jahr 1999-2000 wurde er zum Professor Emeritus ernannt. Seine vielseitige Tätigkeit war vor allem mit dem Institut für Religionswissenschaften und seinem Lehrstuhl für Religionsphänomenologie verbunden. Man erinnert sich an ihn wegen seines Engagements für die Stärkung der Mission der Laien in der Kirche und in der Welt. (Nachrichten aus: In memoriam, Eröffnung des akademischen Jahres 2007-2008)

Das Material (Manuskripte, Typoskripte, Entwürfe, Veröffentlichungen usw.) wird nun im Historischen Archiv aufbewahrt, neu geordnet und in 21 Ordnern inventarisiert. Diese Dokumente betreffen vor allem seine Tätigkeit als Direktor des Instituts für Religionswissenschaften, die er fast ununterbrochen bis zu seinem Lebensende ausübte.

Der römische Professor hatte tatsächlich nichts von „Luxushäusern“ gesagt, das war mei­ne Zutat. Ich erinnere mich dazu an einen interessanten Vortrag eines Religionslehrerver­treters im Erzbistum Köln (seinen Namen und seinen genauen Titel habe ich vergessen). Es ging in seinem Vortrag um den Beruf Josefs und Jesu. Aus der Bezeichnung im NT „tekton“ schloss er, dass Josef also „Häuserbauer“ war, „tekton“ ist das Wort, das auch in unserem Wort „Ar­chitekt“ enthalten ist und also etwas mit dem Bau von Häusern zu tun hat. Da zur Zeit Lu­thers nun alle Häuser aus Holz waren – es war die Zeit der Fachwerkhäuser – , hat Luther in seiner Bibelübersetzung das Wort mit „Zimmerbauer“ bzw. „Zimmermann“ übersetzt, wor­aus dann „Handwerker mit Holz“ oder sogar „Tischler“ wurde, dass Josef also in einer Werk­statt „hinten“ zusammen mit Jesus Möbel tischlerte, die Maria dann vorne im Laden ver­kaufte. Diese Idylle hat sich seitdem in die Bibelübersetzungen in aller Welt eingeschli­chen, doch hat es sie mit Sicherheit nicht gegeben, eher arbeiteten Josef und Söhne sozusagen „auf Montage“, haben also ir­gendwo in einem gewissen Umkreis Häuser gebaut. Die Frage stellt sich nun, für wen wohl das „Famili­enunternehmen Josef und Söhne“ Häuser gebaut hatte. Ja, für welche Häu­ser brauchte man professionelle Häuserbauer, wie es „Josef und Söhne“ offensichtlich wa­ren, denn nur bei „professionellen Häuserbauern“ redet man auch vom Beruf „Häuserbau­er“? Die nor­malen Häuser oder auch die Häuser der normalen Leute in der Gegend um Naza­reth her­um waren damals wohl alle aus Lehmmauern mit einer Abdeckung aus mehr oder we­niger di­cken Ästen usw. (von Dach in unserem Sinn kann man da wohl nicht reden), die üblicherweise im Selbstbau bzw. in Nachbarschaftshilfe er­richtet wer­den konn­ten. Dafür brauchte man also keine professionellen Häuserbauer, zumal die ja auch be­zahlt werden mussten und das Bargeld in der damaligen landwirtschaftlichen Selbstversorgergesell­schaft eher knapp war. Also sind wir da bei den Häu­sern für Leute, die sowohl das Geld hatten als auch keine Nachbarschaftshilfe – und dass es dabei also um „bessere Häuser“ ging, dafür braucht es gewiss keine „blühende Phanta­sie“, son­dern nur ein wenig sachliches Nachdenken. Und wenn das „Familienunternehmen Josef & Söhne“ für wohlhabende Bauherren gearbeitet hat, dann werden zumindest der Chef und sein Sohn auch wohlhabend gewesen sein – womit ich dann auf meine Weise zum selben Ergebnis gekommen bin wie dem des römischen Jesuiten Giovanni Magnani. (Für mich sind Beruf Jesu und sein Umgang dabei sehr wichtig, denn das würde erklären, wie Jesus mit Prostituierten und Steuer­eintrei­bern zusammen kam – die einen kamen nach Feierabend zu den Bauerbeitern, um sich etwas hinzuzuverdienen und für die anderen hatte man wohl gearbeitet – und wie er also auch zu seinen Informationen kam. Diese Informationen dürften nun andere gewesen sein als die „typischer Schriftgelehrter“, die etwa den heutigen Theologen entsprechen.)

Der Begriff „Ideologie“ mag nun bisweilen etwas hart sein, doch denke ich, dass er durch­aus angebracht ist, wenn es um ein Ideenkonzept geht, bei dem es mehr um den Er­halt eines Systems geht als um die Hilfe für Menschen für ein besseres und glücklicheres Le­ben. Und meinen Sie wirklich, dass es bei der Theologie des hl. Thomas um die Hilfe für Menschen für ein besseres und glücklicheres Leben geht, zumindest für das Leben hier und jetzt, und das sollte doch der Maßstab sein? Im Übrigen brauche ich das Wort „Ideolo­gie“ durchaus auch neutral im Sinn von „Ideenkonzept“, wenn ich etwa von „Jesusideolo­gie“ rede, und hier geht es durchaus auch um ein Konzept der Hilfe für Men­schen.

Ich denke, wir sollten auch nicht nachrechnen, wer mehr Hexen umgebracht hat, die Ka­tholiken oder die Protestanten, denn das bringt uns nicht weiter. Fakt ist doch, dass die theologische Grundlage für die Hexenverbrennungen zu katholischer Zeit gelegt wurde – und dass die Theologie des hl. Thomas zumindest kein effektives Gedankengebäude da­gegen war. Thomas von A. hatte das Hexenproblem doch nun wirklich nicht durch­schaut, auch nicht mit seiner Theologie.

Mir fiel in Ihrem Buch auch auf, dass Sie die Wahrheit des Lukasevangeliums auch daran zu erkennen meinen, weil Lukas schreibt, dass er alles „genauestens recherchiert“ hat. Ich denke, dass der Glaube an eine solche „Beweisführung“ allerdings auch naiv sein kann. Denn natürlich wird auch der größte Lügner immer behaupten, dass er alles „ge­nauestens recherchiert“ hat – das heißt, dass die Behauptung „genauestens recherchiert“ sogar eher gegen die Wahrheit des Lukasevangeliums spricht.

Und ich sehe das natürlich gar nicht so, dass – wenn es die Auferstehung Jesu nicht gibt – all unser Glaube hinfällig ist. Das ist auch so eine „skurrile Beweisführung“: Man behaup­tet etwas Überzogenes oder gar Abstruses und wer dann nicht daran glaubt, dessen Glau­be ist hinfällig. So geht´s doch wirklich nicht! Ich denke vielmehr, dass jetzt das, um was es dem wirklichen Jesus ging, erst richtig losgehen kann! Dazu muss man allerdings das, was ich in dem Text 1 „Kurzfassung“ in dem farbigen Kasten geschrieben habe, als Ziel sehen (oder auch das im Text 7). Ich sehe das jedenfalls als Ziel, für das es sich lohnt, sich zu en­gagieren. Ich habe das aber schon geschrieben auch wie Sie offensichtlich dazu stehen.

Ob aber der Glaube an ein ewiges Weiterleben nach dem Tod so wichtig ist? Schüler ha­ben mich schon einmal kritisiert, weil ich offensichtlich nicht daran glaube. Meine Antwort war dann immer, dass es wohl zumindest einen gerechten Gott gibt, also wird er mich vor der Verdammnis wegen meines Unglaubens fragen, warum ich nicht geglaubt habe. Na ja, und dann werde ich ihm erzählen, dass ein solcher Glaube doch zumindest gegen meinen gesunden Menschenverstand gewesen wäre und dass ich das Anliegen Jesu anders inter­pretiert hätte. Und dann wird er mich also weiter fragen, wie ich das interpretiert habe und was ich dafür getan habe, dass sich etwas in der Wirklichkeit ändert. Und ich hoffe doch, dass ich damit, was ich dann sage, zumindest so einigermaßen durchkommen werde. Aber, und das habe ich den Schülern auch gesagt, dass auch die, die an das Weiterleben glauben, gefragt werden, warum sie daran geglaubt haben, wo dieser Glaube doch eigent­lich gegen den gesunden Menschen­verstand ist, den wir ja wohl auch von Gott mitbekom­men haben. Und die werden dann mindestens so stottern wie ich, um ihren Glauben zu erklären. Was ich sagen will: Selbst wenn es ein Weiterleben nach dem Tod gibt, kommt es in jedem Fall darauf an, was wir getan haben, damit unsere Welt besser wird.

Ob Jesus gescheitert ist? Gewiss war der Tod am Kreuz erst einmal ein Scheitern, aber es war nicht ein Scheitern „aus innen heraus“, weil die Idee Jesu falsch war, sondern es war ein Scheitern durch Macht und Gewalt von außen. Wie sagten Churchill oder auch de Gaulle sinnge­mäß: „Eine verlorene Schlacht ist noch kein verlorener Krieg. Wichtig ist der Mut weiterzu­machen.“ Und so sehe ich das mit dem Jesus und dem Kreuz: Weiter ma­chen und sich dabei aber mal daran orientieren, was der wirkliche Jesus wirklich wollte!

Ich gehöre übrigens auch zu denen, die der Überzeugung sind, dass die große Zeit des der Jesusideologie (mir fällt kein besseres Wort ein, denn das Wort „Christentum“ passt schon gar nicht) noch vor uns steht – allerdings eben derjenigen Ideologie, die sich am „wirklichen Jesus“ orientiert!

Dazu also mein beiliegendes Faltblatt, das ich jetzt irgendwie unters Volk bringen möchte … Vielleicht helfen Sie mir ja dabei? Ich würde mich jedenfalls sehr freuen – und ich den­ke doch, dass das im Sinn des wirklichen Jesus wäre!!!

Mit den besten Grüßen

M. P.

E-Mail von P. M. G. vom 12. 5. 2022:

Sehr geehrter Herr P.,

wenn ich wie Sie überzeugt wäre, dass Christus nicht auferstanden und das NT voller Lügen und unwahren Erfindungen ist, würde ich sofort meinen christlichen Glauben aufgeben.

Sie berufen sich auf ihren gesunden Menschenverstand, nach dem es Wunder nicht geben könnte. Dabei gibt es doch gerade in unserer Zeit jede Menge Wunder, die mit den modernsten Methoden der Naturwissenschaft untersucht worden sind. In Lourdes gibt es z. B. eine Ärztekommission, die die gemeldeten Heilungen darauf untersucht, ob es dafür eine natürliche Erklärung geben kann. P. Pio hat ein Mädchen, das ohne Pupillen geboren wurde, wieder sehfähig gemacht. Dabei sind die Augen weiterhin nicht sehfähig, die Frau,Gemma di Giorgi, sieht ohne Pupillen, was unerklärlich ist. https://www.thecathwalk.de/2020/02/14/7-wunder-die-pater-pio-tatsaechlich-getan-hat/

Sagen Sie nicht, dass es so etwas auch in anderen Religionen gibt. Wissenschaftlich untersuchte und geprüfte Wunder gibt es nur in der katholischen Kirche.

Mit freundlichen Grüßen P. M. G.

Meine Antwort vom 16. 5. 2022:

Beim Bezug auf den „gesunden Menschenverstand“ ging es mir weniger darum, dass eine Auferstehung unmöglich ist, sondern vielmehr um die Parallelen zu den anderen Religio­nen und also um die offensichtlichen Plagiate im Neuen Testament. Ich habe in meinem Schreiben vom 14.4. 22 in Punkt 9 auf die Wahrscheinlichkeitsrechnung hingewiesen. Ja, wie erklären Sie sich denn diese vielen Parallelen?

Doch noch etwas zum Glauben an die Auferstehung: Zu einem solchen Glauben gehört ja auch ein Glaube an ein Jüngstes Gericht, bei dem „beurteilt“ wird, wer ins Paradies darf und wer in die Hölle kommt. Und beurteilt wird ja wohl nicht danach, wer an die Auferste­hung ge­glaubt hat und wer nicht, sondern danach, was der Betreffende hier auf Erden gemacht hat. Damit bedeutet der Glaube an die Auferstehung auch immer Ängste, nicht alles richtig gemacht zu haben. Und auch der Glaube an Wunder induziert letztlich einen Glauben an eine überirdische Instanz, die uns im Visier hat, und auch das bedeutet Ängs­te. Da nun diese Induktion mit Ängsten vom Psychologischen her heute nicht mehr sein darf, wird inzwischen auf das Halten von Geboten gerade im Bereich der Sexualmoral keinen Wert mehr gelegt. Das heißt, dass im Prinzip alles egal ist, wie ein Mensch lebt, denn das ist ja sowieso alles (außer der Pädophilie) naturgegeben und Gott verzeiht ja sowieso alles.

Wie finden Sie das? Vielleicht verstehen Sie mich jetzt ein wenig besser, wenn ich von daher den Glauben an die Auferstehung (wie auch den Glauben an Wunder) lieber in den Hintergrund stelle, denn dieser Glaube ist für die Pädagogik einer Moral gerade auch im Bereich der Sexualität letztlich eine Sackgasse. Von daher denke ich, dass es viel besser ist, gleich das richtige Handeln im Sinne der Gebote Gottes direkt anzusprechen und den jungen Menschen die Gebote Gottes aus sich heraus so schmackhaft zu machen, dass sie ihr Leben auch tatsächlich danach gestalten – und dass wir also auf diese Indoktri­na­tion über Ängste aufgrund eines doch sehr problematischen Auferstehungsglaubens (wie ja auch eines Wunderglaubens!) lieber verzichten?

Im Übrigen: Die Dominikaner bekennen im Confiteor nicht nur, so viel ich weiß, was sie an Bösem getan haben, sondern sie sprechen auch die „omissio“ an, was sie also nicht getan haben. Also egal was man macht, immer wieder Ängste.

Doch mal etwas anderes: Gerade in dieser Zeit kommt immer wieder zur Sprache, wie Putin den Westen und die Staaten, die er dazu rechnet, bekämpft, also nicht erst jetzt mit Waffen, sondern schon seit Langem und zwar mit Desinformation, mit Lügen, mit Mord, mit Einmischung und Verwirrung auf vielfältigste Weise. Der KGB hat niemals mit seiner Tätigkeit aufgehört.

Was liegt also näher, den Kampf der Gegner Jesu auch einmal unter diesem Aspekt zu se­hen, dass sie ihn systematisch mit ziemlich genau denselben Mitteln bekämpft hatten, die in unserer Zeit Putin und der KGB anwenden, also nicht nur mit dem bekannten Mord (an Jesus)? Darüber, dass sich solche „Mittel“ auch im NT befinden, ja dass das NT im We­sent­lichen „so ein Mittel“ ist, hat sich ganz offensicht­lich bisher kein Theologe Gedanken gemacht ... Ich denke, das sollte man wirklich mal tun!

Und wie gesagt, mit der Verkündigung eines Glaubens an eine Auferstehung oder auch an Wunder hätte Jesus sich ganz bestimmt keine Feinde geschaffen, denn ein solcher Glau­be tut doch nun wirklich niemandem weh – und stützt im Grunde jedes System und auch das inhumanste.

Doch ein bewussteres Handeln der Frauen würde damals wie heute die verhärteten Ma­cho­gesellschaften, zu denen doch auch die Religionen gehören, gehörig durcheinander bringen – und ich denke, hier kann etwas und muss etwas gemacht werden.

Ja, mich wundert es doch sehr, dass für Sie offensichtlich überhaupt nicht der Rede wert ist, wie ich das Engagement Jesu sehe. Für mich war er jedenfalls mal ein richtiger Mann, wie er reagiert hatte nach dem, was Frauen ihm erzählt haben mögen, wie sie also durch Erpressungen zu ihrem Job gekommen waren und dann auch noch bei der Stange ge­halten wurden.

Und noch etwas: Auf der Internetseite Ihrer Gemeinschaft sehe ich, wie junge Priester von der Gemeinschaft sich gegen die Abtreibung engagieren. Laut Statistik betreffen 58 % der Abtreibungen ledige Frauen. Ich möchte nun nicht diesen Frauen „sündigen Ge­schlechtsverkehr“ vorwerfen, doch sind gewiss viele junge Frauen oder auch ausgespro­chen junge Mädchen darunter, die einfach so in die ganze Geschichte rein geschlittert sind, einfach weil sie es nicht besser wussten. Ich habe jedenfalls zu diesem Problem Mäd­chenklassen erlebt, in denen alle Schüler katholisch waren und die Mädchen mir glaubhaft versicherten, dass sie nie etwas gehört hätten, dass Sex in die Ehe gehört. Ja, hier könnte man doch etwas machen! Doch wo ist bitteschön denn in unserer Kinder- und Jugend­sak­ramentenlehre (also im Kommunion- oder erst recht Firmvorbereitung) vor­gesehen, dass junge Menschen hier ein qualifiziertes und attraktives Konzept mitbekom­men, nach dem sie auch wirklich „sündenfrei“ leben können? Es geht zwar darum, dem Bösen zu „wi­der­sa­gen“, doch bleibt das so diffus, was damit gemeint ist, dass so ein Versprechen ab­so­lut wir­kungslos verpufft. Ein echtes Konzept gegen das Böse bzw. gegen die Sünde ist doch gar nicht vorge­sehen! Was wäre also, sich nicht mal gegen die Abtreibung zu engagieren, also erst „wenn alles bereits pas­siert ist“, sondern für ein Ehemodell nach dem Ideal der Kirche, dass Ge­schlechtsverkehr in die Ehe gehört? Wäre das nicht erst mal unsere Aufgabe? Jedenfalls wird von dem, was ich vor­schlage, niemand schwanger.... Und ich denke, dass es immer genügend gutwillige junge Menschen gibt, die die Kirche hier erreichen kann

Natürlich, Sie können mir glauben, dass die alternative Sicht, auf die ich im Laufe der (vielen) Jahre gekommen bin, auch nicht einfach für mich war, doch ich bin auf so vieles gestoßen, manches ist auch direkt auf mich zugekommen, dass es einfach nicht anders sein konnte als das, was ich jetzt schreibe.


Ich habe diesem Brief auch noch einen weiteren am 21. 5. 2022 folgen lassen:

Natürlich lese ich immer wieder in Ihrem Buch über ...... und überlege, wie und warum ich zu ei­ner anderen Sicht gekommen bin und warum diese Sünderingeschichte in Johannes 8 für mich so be­deutsam ist, wenn es darum geht herauszubekommen, was vor 2000 Jahren wirklich los war.

Irgendwie muss wohl unter meinen Ahnen ein richtiger Krimineller (oder auch ein Krimina­list?) gewesen sein, so dass ich auf Themen, die mit Kriminalität zu tun haben könnten, ganz an­ders anspringe als andere Menschen(!). Ja, warum messe ich so einer Einzelheit wie der Sünderingeschichte so eine große Bedeutung bei?

Vielleicht wird das klarer, wenn ich eine Kriminalgeschichte kurz wiedergebe, die ich einmal gelesen habe. Ob diese Geschichte wirklich passiert ist, weiß ich natürlich nicht, doch ich denke, die Geschichte ist auf alle Fälle gut. Und zwar ging es um einen Mord in einer Sauna – der Tote war offensichtlich erstochen worden. Doch das Tatwerkzeug hätte eigentlich gefunden wer­den können, doch es war nicht zu finden. Bei der genaueren Untersuchung der Ein­stich­stelle fiel dem Kommissar ein Pfefferminzblatt auf, das an der Wunde klebte. Ja, wie kam das Pfefferminzblatt da hin, und welche Bedeutung hatte es? Irgendwo fand sich auch ei­ne Thermoskanne. Und der Kommissar kombinierte: Da war ein Bekannter des Er­morde­ten, der in einer Kohlensäurefabrik arbeitete – und der hatte sich dort vermutlich einen Dolch bzw. eine Stichwaffe aus gefrorener Kohlensäure gebastelt und dieses Utensil in der Thermoskanne transportiert, in der ansonsten auch schon mal Pfefferminztee war. Daher also das Pfefferminzblatt – und so klärte sich der Mord auf – durch ein Pfefferminz­blatt...

Und ich sehe nun in dieser Sünderingeschichte eben auch so eine Bedeutung – in einem ansonsten sehr nebulösen Fall.

Doch wie kam es von daher zum Neuen Testament?

Ich könnte mir vorstellen, dass vier „Kreise“ an der Kriminalgeschichte „Jesus von Naza­reth“ beteiligt waren:

1. Zunächst waren das die Verwandten und Freunde Jesu, die ihn wirklich gut kann­ten, also etwa der Jesusbruder Jakobus. Und die hatten auch noch im Kopf, wofür sich Jesus wirk­lich engagiert hatte und wollten damit weiter machen. Doch sie hatten größte Schwierigkeiten, gegen den „Kreis 2“ an­zukommen, denn die hatten einfach das „größere Mundwerk“ und die größere Macht. Und diesen Gegnern gelang es auch, etwa den Jesusbruder Jakobus per Justizmord auszuschalten.

2. Und dann waren da die Gegner Jesu, zu denen auch dieser Paulus gehörte, die sich als „Guillaumes“ unter die Jesusan­hänger mischten und die von ihren angebli­chen Erlebnissen mit Jesus (auch solchen „per Offenbarung“) berichteten – natür­lich so, dass diese Erfahrungen möglichst auch andere „Guillaumes“, die ebenfalls ein­geschleust waren, mit vehementem Anspruch auf Glaubwürdigkeit „bezeugen“ konnten. Da dieser Kreis nun eine so große Macht hatte (wir wissen ja, wie die mit Jesus und Jakobus umgegangen waren), traute sich irgendwann niemand vom „Kreis 1“ mehr, etwas gegen die zu unternehmen.

3. Doch es gab noch einige, die Jesus – etwa von seinen öffentlichen Reden her – gut kannten und die in seinem Sinn wie die „Überlebenden von Kreis 1“ weiter machen wollten, doch sich nicht trauten, offen gegen den „Kreis 2“ zu opponieren, weil das einfach lebensgefährlich war. Wir müssen uns einfach mal klar machen, dass nie­mand gerne Märtyrer wird, auch vor 2000 Jahren nicht und selbst wenn es um Jesus geht. Und so kamen sie auf eine andere Taktik: Sie machten rein äußerlich bei „Kreis 2“ mit, doch sie verfochten die­se „Göttergeschichten“ so übertrieben-deutlich, dass diese „Göttergeschichten“ so „eindeutig-unglaublich“ waren, dass Menschen späterer Generationen, wenn die Ge­fahr vorbei war, einfach darauf kommen mussten, dass diese Ge­schich­ten Unsinn waren. Da damit allerdings das wirkliche Anliegen Jesu nicht zur Sprache kam, gelang es irgendwie, auch noch die Sünderingeschichte einzuschleusen, aus der man zumindest bei genauerem Hinsehen das Anliegen Jesu sehr wohl erkennen konnte. Dass diese späteren Genera­tionen nun diese unglaubli­chen Götterge­schichten für bare Münzen nehmen und auch noch Glau­bens­thesen und Dogmen daraus machen und die Sünderinge­schichte in ihrem eigentlichen Sinn dagegen nicht beachten würden, mit so viel Blindheit und wenig geistiger Beweglichkeit rechneten sie allerdings wohl nicht.

4. Und dann gab es sicher auch einige, die sehr gutwillig waren und aus dem, was sie vor­fanden, eine leidlich gute Religion konstruierten, ich denke hier an das Johannes­evangelium. Ja, das ist sicher sehr schön, nur mit dem wirklichen Jesus hat auch das nichts zu tun, genauso wenig wie die Evangelien der Synoptiker.


Die amerikanische Theologin Elaine Pagels hat in ihrem Buch „Adam, Eva und die Schlan­ge“ (Rowohlt 1991) geschrieben, dass sie einmal gedacht hatte, an das wirkliche Christen­tum heran zu kommen, indem sie die früheste Kirche und die frühesten Überlieferun­gen studierte. Ich zitiere dazu ihr Ergebnis auf Seite 307: „Indessen habe ich im Zuge mei­ner Nachforschungen just das nicht gefunden, was zu suchen ich mich ursprünglich auf­ge­macht hatte - ein «goldenes Zeitalter» reineren und einfacheren Christentums am Ur­sprung von dessen Geschichte. Vielmehr sah ich, daß das «wahre Christentum» – genau­er gesagt: was die historische Forschung davon zu enthüllen vermag – kein monolithisches Phänomen und auch nicht die Erbdomäne dieser oder jener einzelnen Fraktion der Chris­tenheit war, sondern eine Vielfalt bis zur Gegensätzlichkeit divergierender Stimmen und Standpunkte umfaßte – Divergenzen und Gegensätze, die sich sowohl unter den späteren Heiligen (man denke an Johannes Chrysostomos und Augustinus) als auch unter den «Ketzern» von Valentinus bis zu Julian von Eclanum, ja sogar zwischen bestimmten Schriften des Neuen Testaments auftaten. Unter streng historischem Gesichtspunkt kann also von einem als solches identifizierbaren «wahren Christentum» keine Rede sein.“

Was Elaine Pagels also feststellte, war in der Frühzeit unseres Glaubens ein noch viel größeres Durcheinander als das, was wir heute ha­ben. Diese Erfahrung würde meinen Eindruck bestätigen, dass es am Anfang sehr viele unterschiedliche Ansichten über Jesus gab, worunter auch – und das ist jetzt meine Meinung – welche von ausgesprochenen Gegnern Jesu waren, die sich natürlich als besonders treue Anhänger Jesu ausga­ben. Und da nun alles, was aus frühester Zeit des Christentums stammt, grundsätzlich als „Wort Gottes“ gilt, ging man damit auch nicht kritisch um, sondern überlieferte alles glei­chermaßen ehrfurchtsvoll. Daher rühren also alle diese Unklarheiten heute. Dabei wäre alles ganz einfach, wenn man Jesus endlich mal als Kämpfer gegen die Mafia seiner Zeit sehen würde und dass in den Überlieferungen auch Texte von Gegnern Jesu sind, die überhaupt nichts mit Jesus zu tun haben und die nur den Zweck haben, die Erinnerung an den wirklichen Jesus auszulöschen.

Und noch etwas: Schon vor ziemlich langer Zeit unterhielt ich mich einmal mit einem Pfar­rer über das Problem „Glaube und Sexualität“. Irgendwann kam der Pfarrer mit seiner Mei­nung heraus: „Der ganze Sittenverfall heute kommt doch nur daher, weil die Beichte aus der Mode gekommen ist.“ Ich war darauf etwas platt: Der Pfarrer, der sich gewiss für gut-ka­tholisch-rechtgläubig hielt, hatte überhaupt nicht begriffen, dass „Beichte“ doch erst im­mer infrage kommt, wenn „schon alles passiert“ ist, wenn der „Sittenverfall“ bei einem einzelnen Menschen schon ange­fan­gen hat, also im Nachhinein. Über die Möglichkeit einer Pädagogik der Prophylaxe, also im Vorfeld einen Unterricht in der Richtung zu gestalten, dass die „Sünden“ und damit der „Einstieg in den Sittenverfall“ gar nicht erst pas­sieren, fehlte ihm offensichtlich jegliche Vorstellungskraft. Also wusste er auch gar nicht, wovon ich redete – und das soll „gut-katholisch-rechtgläubig“ sein? Für mich ist eine solche Einstellung jedenfalls Sektenniveau, die Sektenleute kommen doch auch immer mit der „Umkehr zu Gott“ oder auch mit der „Wiedergeburt nach einem verkorksten Leben“ usw., also wenn man erst einmal einen falschen Weg gegangen ist. Zumindest ist dieses „Umkehrdenken“ für mich eher Paulusidiologie, während das „Gleich-richtig-Machen“ „Je­susideologie“ ist. Natürlich, so einfach schüttelt man eine solche „Gleich-richtig-machen-Pädagogik“ auch nicht aus dem Ärmel, so wie auch ein Impfstoff gegen irgendwelche Krankheiten wie etwa Covid auch nicht so leicht gefunden werden kann. Vor allem fehlt uns heute hier jegliche Erfahrung, wie es richtig zu machen ist, weil dieser „Gleich-alles-richtig-machen-Impfstoff“ nie das Ziel einer (kirchlichen) Pädagogik war...


2. Mailwechsel (April 2022) mit einer alten Freundin, die durch ihren Mann zum Kontakt mit meinem Konzept und dann auch mit mir gekommen ist:

Lieber M.,
ich habe kein Problem mit Nacktheit, weil sie etwas Natürliches ist.
Aber natürlich sollte auch die Körperhaltung rein sein und nicht den Wunsch widerspiegeln, jemanden zu verführen. Wenn man Liebe empfangen will, indem man versucht, den anderen zu verführen, ist das selbstbezogen und steht im Widerspruch zu unserer tiefen Natur. Wenn man hingegen das Glück des anderen will. Wenn man den anderen als Kind Gottes sieht, dann gibt es Respekt und man will den anderen nicht missbrauchen oder missbraucht werden. Man ist in der Lage, wie Bruder und Schwester zu leben und seine Begierden zu beherrschen. Selbst wenn eine sexuelle Beziehung nur spirituell und nicht körperlich ist, ist es bereits Ehebruch. Wie Jesus sagte, wenn du eine Frau mit Begierde ansiehst, ist das bereits Ehebruch. Wir sind spirituelle Wesen, wir werden auch von dieser Art von spiritueller sexueller Beziehung beeinflusst. Wenn sie durch selbstbezogene Begierde motiviert ist, ist es Ehebruch und nichts Gutes kann daraus entstehen. Ich habe es dir schon 1000 Mal erklärt und es ist nicht nötig, dass ich es wiederhole. Wir sind nach dem Bild Gottes geschaffen, ob wir es wollen oder nicht, und nichts kann die Seele befriedigen außer Reinheit, Einheit von Körper und Geist, die sich auf wahre Liebe konzentriert, und dann die totale Hingabe an die Person, die Gott für uns ausgewählt hat. Wenn man Liebe will, dann muss man anderen mit Respekt helfen und ihnen dienen und seinen Körper als Tempel Gottes respektieren. Wenn man wirklich so lebt, wird man zweifellos eine Person von gleichem Wert treffen und sie erkennen. Das mag extrem und fanatisch klingen, aber es ist die Erfahrung meines Lebens.
LG Ch

Liebe Ch,

natürlich denke ich intensiv nach, warum ich zu diesem jetzigen Ergebnis wie bei dem Text „Ich nenne es Mondbaden“ gekommen bin.

Deine Worte „Kind Gottes“, „nach dem Bild Gottes“, „Reinheit“, „Körper und Geist“, „dem anderen mit Respekt dienen“, „Körper als Tempel Gottes“ und dann auch das Gegenteil: "selbstbezogene Begierde", "jemanden verführen" usw. sind alle wunderschön und auch richtig, doch das Problem ist immer die Praxis, welche konkrete Handlungen sind richtig und welche falsch? Ja, was ist, wenn alle diese hohen Ideale bei jungen Menschen einfach nicht ankommen, denn wenn die nicht wollen, dann wollen die eben nicht. Da kann man noch so schön reden. Was die brauchen, muss irgendetwas Praktikables sein, bei dem sie nicht durch hohe Worte verschreckt werden. Ja, die "hohen Worte" muss ich als Lehrer Hinterkopf haben und ich muss den jungen Leuten von daher einen Umgang mit der Sexualität schmackhaft machen, der diesen hohen Worten entspricht, aber ich muss diese hohen Worte deswegen nicht an die große Glocke hängen.

Kurz was ich dazu im Unterricht erlebt hatte: Irgendwann bekam ich mit, dass die Mädchen offensichtlich nur aus dem Grund mit dem Geschlechtsverkehr anfangen, um „es“ hinter sich zu haben. Ich hatte das nie verstanden, weil ich doch die Jungfernschaft für einen sehr hohen Wert hielt, den frau doch nicht leichtfertig weg wirft. Doch so langsam bin ich drauf gekommen: Die (allermeisten) Mädchen, auch solche, die ich eigentlich für sehr brav und niveauvoll halte, sehen das mit dem „hohen Wert“ völlig anders als ich, für sie ist die Jungfernschaft nur eine altmodische Angelegenheit, die schließlich nur dazu führt, dass sie an den falschen Partner geraten und also – so wie sie es meinen – reinfallen. Denn wenn sie mit der Jungfräulichkeit in die Ehe gehen, dann stellt sich sicher bald heraus, dass der Partner nichts taugt, doch dann sind sie an den gebunden. Also müssen sie vorher probieren – auch den Sex. Und weil alle sagen, dass der erste Partner sowieso nichts ist, geben sie sich auch keine große Mühe, sich einen solchen näher anzusehen. Also nehmen sie, "was kommt und sich anbietet". Ja, auf was sollte frau überhaupt achten?

Da ist also in den meisten Fällen überhaupt keine Verführung der Mädchen durch die Jungen, sondern die Mädchen sind die treibenden Kräfte. Die Jungfernschaft wird von den Mädchen nur als Last empfunden, die frau einfach nur los werden möchte, weil sie sie ihrer Meinung nach irgendwie am richtigen Leben hindert.

So oder so ähnlich muss es wohl sein – und das würde auch erklären, was die Mädchen dazu treibt, von sich aus die Jungfräulichkeit aufzugeben und mit Geschlechtsverkehrbeziehungen anzufangen! Das hieße auch, dass all diese Idealisiererei einer hohen Reinheit für eine echte Moral im Grunde völlig kontraproduktiv ist.

Doch warum hatten jetzt die vier bzw. eher drei Mädchen, mit denen ich mich in den letzten Jahren genauer über mein Konzept unterhalten hatte, also zwei moslemische Studentinnen in Marokko, ein Hindumädchen in Bali und schließlich eine norddeutsche Abiturientin aus Norddeutschland, die ich in Lima/Peru traf, solche leuchtenden Augen? Bei den marokkanischen Studentinnen hatte mich irgendwie der Teufel geritten ("die kennen mich ja nicht und werden mich nie wieder sehen, also ist doch egal, was sie über mich denken"), als ich damit anfing, dass meine intelligentesten Schülerinnen Marokkanerinnen waren und was die also besonders interessiert hatte. Das war dann eben die Idee von der Überwindung der Scham und von der Möglichkeit, den Orgasmus zu testen ohne Penetration. Und zu meiner Verblüffung stieß ich offensichtlich gerade bei der Studentin mit dem Hidschab auf voll-positive Resonanz.

Besonders gut erinnere ich mich dann aber an die Abiturientin, mit der ich einen ganzen Nachmittag zusammen war. Ich hatte also wieder von meinem Unterricht angefangen, wie vor 2000 Jahren Frauen mit der Androhung der Steinigung zur Prostitution erpresst wurden, wenn sie sich nicht fügten – und wie das auch heute immer noch gegen die wirkliche Moral läuft, indem Mädchen zu einer Scheinmoral der Scham und nicht zu einer echten Moral vom Bewusstsein her manipuliert werden. Um anzuzeigen, wie man auch noch vor der Ehe zusammen sein könnte ohne Penetration, hatte ich Finger ineinander verschränkt. Doch da war zunächst eine ablehnende Geste von ihr, offensichtlich fand sie das gar nicht akzeptabel. Doch als ich dann sagte „Wer alles verbietet, der erreicht nur, dass schließlich alles gemacht wird“, da hellte sich ihr Gesicht blitzartig auf und ab da war sie offensichtlich total auf meiner Linie – und je länger wir uns unterhielten, desto mehr! Und über was haben wir uns noch alles unterhalten, etwa auch, warum den Mädchen von keinem erzählt wird, wie es auch ohne Penetration geht. Und dass wir eben auch heute noch in einer zutiefst frauenfeindlichen Gesellschaft leben, man will etwa gar nicht, dass Mädchen gerade hier wirklich lebensklug handeln.

Das ist wohl der tiefste Grund, warum die Mädchen so sind, wie sie sind ...

Liebe Grüße M

Lieber M.!

Was mich an Deiner Argumentation verwundert, dass ich nie solche Mädchen getroffen habe, die so sind, wie Du sie mir schilderst.

LG Ch.

Liebe Ch.!

Ich denke, dass der Grund hierfür ein ganz einfacher ist: Du bist eine Frau und ich bin ein Mann. Und in irgendeiner Weise wirkst Du auf Mädchen, auch und gerade wenn sie Dich sehr mögen, immer irgendwie als Gouvernante, gegenüber der sie keinen schlechten Eindruck machen wollen, also zeigen sie nicht, was sie wirklich denken und wollen, sondern sie spüren genau, was Du Dir unter Moral vorstellst und wollen dann auch genau so sein. Das ge­schieht aber im Allgemeinen nicht bewusst, sondern völlig unbewusst. Da habe ich hier als Mann ein absoluten Vorteil, vor allem wenn ich in einem größeren Zusammenhang (etwa von einem realistischen Jesusbild her) auf "so etwas" zu sprechen komme: Wenn ich den Mädchen also vom "Mondbaden" erzähle, dann spüren die, dass ich hier etwas deswegen erzähle, weil ich das auch gerne hätte und dass wir also irgendwo auf gleicher Ebene sind, was die Moral betrifft. Und dazu wirke ich in gewisser Weise auch absolut gefahrlos für sie, also öffnen sie sich und sind mir gegenüber irgendwie ehrlicher. Daher habe ich von den Mädchen einen völlig anderen Eindruck als Du.

Doch sie sind deswegen absolut nicht unmoralisch, ich habe eben nur die Moral angesprochen, die sie wollen! So denke ich, dass der Grund für die leuchtenden Augen der war:  Auch die Abiturientin dachte ursprünglich so wie die Mädchen, von denen ich gerade erzählt habe, dass frau also vor der Ehe den Geschlechtsverkehr ausprobieren müsste, und durchaus auch mit mehreren Partnern. Doch im Grunde ihres Herzens war sie damit gar nicht einverstanden, in gewisser Weise wäre sie sogar offen für genau die Ehemoral, die zu unserem Glauben gehört, ob sie nun gläubig ist oder nicht. Doch unsere Glaubensverkündiger reden ja nicht mehr darüber und auch sonst scheint eine bewusste Ehemoral aus der Mode zu sein. Allerdings war ihr diese Einstellung, erst mal „herum zu probieren“, doch nicht geheuer, eigentlich entsprach das gar nicht ihrer Moral, nach der es doch das Natürlichste ist, dass das Eindringen in die Ehe gehört, auch weil frau dabei nun einmal Kinder bekommen kann.  Doch weil alle es so sagten, dass es nun einmal sein müsste, und auch niemand plausible Gründe dagegen äußerte, hatte auch sie irgendwann angefangen, daran zu glauben. Auch sah sie keine andere Möglichkeit, es war ihr wie in einer Zwickmühle. Doch sie hatte offensichtlich noch nicht damit angefangen, vermutlich weil da keine Gelegenheit war, vielleicht auch weil sie an ihre Weltreise dachte und die ihr erst einmal wichtiger war. Und jetzt kam ich mit einer alternativen Idee – eben mit der „Mondbaden-Beziehung“, wie man also die Lust der Sexualität und Moral miteinander verknüpfen kann – und auch noch eine Praxis der Sexualität, mit der frau weitgehend unverbindlich herausbekommen kann, ob der Orgasmus klappt. Und da war es, als ob ich eine Last von ihr genommen hatte – ja, das wäre eine Idee, eine hohe Moral mit den "Anforderungen des Lebens" zu verbinden! Daher dann ihre leuchtenden Augen!

Und jetzt erinnere ich mich auch an die Schülerin, ein nettes braves Mädchen, die einmal nach einer Stunde zu mir kam, als ich gerade beim Klassenbucheintrag war, und mir von ihrem Termin beim Frauenarzt erzählte, und sie dann auf meine Nachfrage offen legte, dass sie sich die Pille verschreiben lassen wollte. Ich hatte im weiteren Gespräch dann überhaupt nicht begriffen, um was es ihr ging, doch jetzt weiß ich es, auch sie wollte „es“ einfach "hinter sich" haben und sie sah also die Zeit gekommen, endlich "damit" anzufangen. Doch war auch sie im Grunde ihres Herzens damit gar nicht einverstanden und wollte sich bei mir noch einmal versichern, dass es richtig war, was sie da vor hatte. Leider hatte ich ihre Not wegen einer diesmal wirklich schweren Last  gar nicht gesehen – und dass sie genau so eine Alternative gebraucht hätte, die ich jetzt vor allem diesem norddeutschen Mädchen eröffnet hatte. Doch ich war damals einfach noch nicht so weit, ich war zu verklemmt und hatte auch ein ziemlich falsches Bild von den Mädchen und den Gründen, warum sie mit dem Sex anfangen, und alles, was ich hatte, war eine Ahnung, aber wie ich es hätte richtig machen sollen? Ja, darauf bin ich erst lange nach meiner Verrentung gekommen – angefangen hatte das mit der marokkanischen Studentin auf einer Bank in einem Park am Rande von Meknes in Marokko  - im Grunde aus einer Laune von mir heraus!

Ob die „leuchtenden Augen“ aber vielleicht an meiner Person lagen, ob es hier also zu so etwas wie zu einer Verliebtheit zu mir gekommen war - man muss ja immer an alles Mögliche und Unmögliche denken? Doch ist das eher sehr unwahrscheinlich, denn ich bin ein alter Mann, bei der Begegnung mit der norddeutschen Abiturientin war ich knapp 78, und bei den beiden anderen „Mädchen“ war ich nur wenige Jahre jünger. Die leuchtenden Augen können also nicht an meiner Person gelegen haben, sondern sie müssen an den "anderen Ideen" gelegen haben, die meine jungen Ge­sprächs­part­ne­rinnen so gut fanden!

Natürlich, die Mädchen können auch aus anderen Gründen anfangen, etwa aus Verliebtheit oder wegen einer Verführung. Doch ich denke, es schadet nichts, wenn wir uns auf alle Fälle einmal um die kümmern, die aus Not "damit" anfangen - und vielleicht finden dann auch die anderen Gefallen am "Mondbaden-Verfahren"?

Und daher gehe ich diesen „Weg der anderen Ideen“ jetzt weiter, so würde ich allen meinen Schülern heute das Interview vom Mondbaden vorlegen – und ihnen so eine „Mondbaden-Praxis“ empfehlen.

Siehe bitte mal die Mädchen unter diesem Aspekt – auch Deine Tochter! Vielleicht solltest Du doch mal mit ihr über meine Texte reden?

LG M


Lieber M.,

danke für diese Klarstellung. In dem Fall, dass jemand ausprobieren möchte, ob der Partner der richtige ist, und nicht weiß, wie er die Führung Gottes spüren kann, hat deine Methode natürlich viele Vorteile. Sie kann unter Umständen auch helfen, die eigenen Wünsche zu kontrollieren und mehr Selbstkontrolle zu erlangen, was sehr wichtig ist, bevor man eine Partnerschaft eingeht. Meiner Meinung nach hinterlässt diese Art von Erfahrung aber auch Verletzungen, wenn man sie falsch anwendet. Natürlich weniger als in einer klassischen Beziehung, aber man kann leider auch anfangen, solche Erfahrungen zu sammeln, ungesunde Freuden daraus zu ziehen, anfangen zu vergleichen. Das kann auch dazu führen, dass man Single bleibt und immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen ist.

Für mich ist eine gute Paarbeziehung nur möglich, wenn beide den Willen haben, ein besserer Mensch zu werden. Arbeite an deinen Fehlern und Problemen. Es bringt nichts, für jedes Problem immer eine neue Person zu suchen, denn oft liegen die Probleme in einem selbst.

LG Ch

Liebe Ch,

ich denke, Du denkst hier viel zu viel! Natürlich dürfte es bisweilen auch hier Verletzungen geben, doch es sind gemessen was ansonsten so passiert, doch nur kleine Verletzungen , und die gehören nun einmal zum Leben – und ich denke, dass die Verletzungen hier leichter heilbar sind, weil frau sich ja etwa keine Vorwürfe machen muss, dumm und lediglich Sexobjekt (oder vielleicht deutlicher „Fickobjekt“, denn „Sexobjekt“ kann alles Mögliche sein und muss nicht unbedingt etwas mit Penetration zu tun haben) für den anderen gewesen zu sein. Das ist gewiss völlig anders als beim bisherigen "Verfahren mit Penetration". Und vor allem schauen die Mädchen beim „Mondbaden-Verfahren“ nun einmal schon viel genauer hin und nutzen dabei ihre weibliche Intelligenz, sie wollen sich ja vergewissern, ob es auch beim „Mondbaden“ tatsächlich bleibt und ob sie sich also so richtig fallen lassen können. Und ein Mädchen wird dabei unter Umständen schon so genau hinsehen, dass der erste Partner vielleicht sogar gleich der Richtige ist! Und wenn es dann doch nicht der richtige ist, dann kann sie bei dem nächsten voll von vorne anfangen - ohne sich Vorwürfe zu machen und etwas verbergen zu müssen!

LG M

www.michael-preuschoff.de