MAHATMA GANDHI und "Erinnerung an meine traurigen Huren" von GABRIEL GARCIA MARQUEZ

Bitte lesen Sie zunächst folgende Kritik an Gandhi:

https://www.vice.com/de/article/mv4wxp/gandhi-war-ein-rassist-und-zwang-maedchen-mit-ihm-im-bett-zu-schlafen-765

Der Beitrag scheint mir doch sehr einseitig. Das gibt es einfach nicht, dass ein Mensch nur schlecht ist, hier wird ja auch rein gar nichts Positives gesehen im Hinblick auf die sexualmoralischen Ideen Gandhis. So habe ich den Verdacht, dass der Verfasser des Artikels nicht wirklich objektiv ist. Auch habe Ich dazu einmal genau das genaue Gegenteil über die "Praktiken Gandhis" gelesen, leider weiß ich nicht mehr wo, dass sich nämlich Studentinnen darum förmlich gerissen hätten, mit Gandhi eine Nacht nackt zu verbringen. Das scheint mir übrigens eher wahrscheinlich, dass hier kein Zwang bestand, denn wer kann schon in einem Staat, der keine harte Diktatur ist, Mädchen zu so etwas „zwingen“?

Ich denke, dass die Beurteilung Gandhis gerade auch davon abhängt, welche Assoziationen der jeweilige Beurteiler im Kopf hat, und genau durch diese Assoziationen können manche Handlungen sehr negativ oder auch sehr positiv wirken.

Zum Beispiel: Während der ersten Monate meiner militärischen Dienstzeit, als ich mit „normalen Soldaten“ aus allen Bevölkerungskreisen zusammen war, habe ich erlebt, wie negativ über Mädchen geredet wurde, Mädchen wurden grundsätzlich als l.f.G.´s bezeichnet, also als „leicht fickbare Gegenstände“. Auf der anderen Seite hatte ich den Eindruck, dass Mädchen, die eine konsequente und unverklemmte Moral haben, hoch geschätzt wurden. Das hat sich offensichtlich bei mir so eingeprägt, dass ich nach Alternativen suche, wie Mädchen eine vernünftige Moral leben können, die auch praktikabel ist, so dass gerade auch von jungen Männern positiv über sie geredet wird.

Auch von diesen Erlebnissen her bin ich also längse zu der Einstellung gerade auch für Mädchen gekommen: „Kein Sex vor der Ehe“ aber durchaus „Spaß an der Nacktheit“, natürlich muss auch anderen klar sein, warum man bzw. frau eine solche Einstellung hat und die auch praktiziert.

Und mit dieser Einstellung kann ich nun meine Gesprächspartner in zwei Gruppen einteilen. Die einen finden die gut, sie pflichten mir bisweilen sogar euphorisch bei, es ist als ob ich ihnen aus der Seele spreche – und die anderen schweigen sich aus oder sind wütend auf mich und beleidigen mich sogar oder halten mich auch noch für verrückt.

Natürlich bin ich einmal durchgegangen, was das für Menschen in der ersten und was für Menschen in der zweiten Gruppe sind.

In der ersten Gruppe sind Mädchen, die aufgrund ihres Alters, aber auch aufgrund ihrer Offenheit und ihrem Spaß bei der Diskussion jungfräulich sind, allerdings musste ich natürlich meine Ideen gut rüber bringen, vor allem auch mit einem guten Einstieg. (Etwa, dass bei uns heute schon Mädchen in der Schule lernen, wie sie sich gegen Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten mit Kondomen schützen können, dass die Schule also damit rechnet, dass sie erst einmal zumindest halbwegs Prostituierte sind, doch wie sie die richtige Liebe anfangen können, das sagt ihnen niemand.) Und dann waren da auch noch junge Frauen, denen anzumerken war, dass sie wehmütig waren, dass sie selbst solche Ideen ("kein Sex vor der Ehe aber Spaß an der Nacktheit") leider nicht früher wussten. Gerade die offensichtlich jungfräulichen Mädchen fanden nur spannend, was ich nun als Alternative erzählte. Es scheint so, dass ihre Phantasie, die sie ja haben und die bisher auf Sex fixiert war, umgeleitet wird in etwas Harmloses und Harmonisches, das keine Folgen hat, keine Sünde ist, einfach nur paradiesisch ist. Und auf einmal bekommen auch alte Ideale, dass sie als Jungfrau in die Ehe gehen können, eine schöne Attraktivität.

Für die zweite Gruppe kann ich natürlich nur von Menschen reden, von denen ich etwas weiß und mit denen ich Kontakt hatte, und nicht von denen, die schweigen (wenn ich mir natürlich auch über die „meine Gedanken“ machen, warum sie wohl schweigen). Und diese Menschen, es waren vor allem Frauen, hatten – wie ich von ihnen selbst oder auch von anderen erfuhr – ihre nicht sehr harmonischen „Beziehungskisten“ hinter sich, um es einmal locker zu sagen. Ganz offensichtlich haben die nun völlig andere Assoziationen, wenn sie von "solchen Ideen" hören. Die können nur sehen, dass sich ein „Alter“ an jungen Mädchen aufgeilt oder zumindest aufgeilen will, und umso schlimmer, wenn er gar nichts "Handfestes" von den Mädchen will und er es auch noch erreicht, dass die Mädchen Spaß an der Geschichte haben. Ungeheuerlich, so etwas, unerhört. Und sie werden sozusagen blind vor Wut und vor Hass (was sie ja alles auch noch möglichst verstecken müssen, weil sie merken, dass sie eigentlich Unrecht haben). Ich nehme an, dass zu dieser Gruppe also auch die Gandhi-Kritiker gehören, die kein gutes Haar an ihm lassen. Schließlich haben sie es mit ihrer Abwertung auch leicht, denn es gibt „darüber“ nichts mehr von Gandhi selbst. Alles in dieser Richtung wurde sofort nach seinem Tod verbrannt. Ich denke, dass darunter auch Schriftstücke waren, in denen er mehr dazu erklärte, die jedoch nicht verstanden wurden – aufgrund der andersartigen Assoziationen.

Das Problem ist, dass die Menschen, die zu dieser Gruppe gehören, sehr oft vorgeben, sich für eine hohe Moral einzusetzen und damit auch dafür, dass vor der Ehe kein Sex sein soll. Doch wenn sie von einem Konzept a la Gandhi erfahren, dass dieses Ideal also vermutlich nur möglich ist, wenn junge Mädchen und auch „alte Männer“ Spaß an der Moral haben - dann ist denen auf einmal genau auch das Ideal der „Reinheit“ egal. Hauptsache, keinen harmlosen Spaß an der Sexualität und schon gar nicht bei Männern im Zusammenhang mit jungen Mädchen - und selbst wenn dieser Spaß noch so unschuldig und motivierend für die Mädchen im Hinblick auf eine hohe Ehemoral ist.

Natürlich, eine solche Haltung ist mehr als schäbig und kleinkariert. Doch mach´ was dagegen ...

Eine schöne passende Geschichte hierzu ist der kurze Roman „Erinnerung an meine traurigen Huren“ von Gabriel Garcia-Marquez: Ein alter Casanova wünscht sich von seiner Puffmutter, die einen kleinen Laden hat mit ein paar billigen Zimmern in der Etage über diesem Laden, zu seinem 90. Geburtstag eine Jungfrau. In der Schnelle findet sich „dafür“ nur eine 14-jährige, die wohl Spaß an der Karriere einer Prostituierten hätte (was auch immer sie sich unter einer solchen Karriere vorstellt) und auf ihren ersten Freier also in einem der armseligen Räumen nackt auf einem Bett liegend - offensichtlich schlafend - wartet . Doch dem alten Mann versagen, als er dann den Akt vorziehen will, alle Kräfte. Stattdessen liest er also dem schlafenden Mädchen aus einem Buch, das er gerade bei sich hat, etwas vor – natürlich bezahlt er das Mädchen auch noch für seine „Dienstleistung des Zuhörens“. Und so geht das viele „Treffen“ lang, es ist einfach wunderbar, wie der alte Mann auf seine alten Tage noch die echte Liebe entdeckt und eine Art Vater-Tochter-Gefühl entwickelt. Schade nur, dass er nicht auch die Idee hatte, dieses Mädchen noch weiter zu erziehen und es zu seiner (Adoptiv-)Tochter zu machen.

Wie gesagt, mir geht es darum, dass wir (wieder) dahin kommen, dass Sex (oder eben das "Eindringen" in die Ehe gehört, weil meine Kameraden hier so negativ geredet hatten, alles andere ist für mich moralinsaure und fruchtlose Romantik. Besonders negativ in dieser Richtung ist mir die Kritik an diesem Buch von Elke Heidenreich aufgefallen:

 „Der Autor will uns suggerieren, dass der geile Alte Liebe empfindet. Liebe für ein Mädchen, das sich aus Angst vor seiner Vergewaltigung (ihre Freundin ist bei einem ähnlichen Geschäft innerhalb von nur zwei Stunden verblutet) Nacht für Nacht schlafend stellt. Dieser Roman ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten und gehört in die Reihe der Altherrenphantasien von Nabokovs "Lolita" über Philip Roths "Das sterbende Tier" und den grässlichen "Brasilien"-Roman des sonst so wunderbaren John Updike bis zu Charles Simmons' "Das Venus-Spiel", Martin Walsers "Der Augenblick der Liebe" oder Louis Begleys "Schiffbruch". Große alte Männer der Literatur, bewundernswerte Geschichtenerzähler lassen im Alter plötzlich noch mal - ja: die Sau raus und beschreiben, wovon sie heimlich unter der Bettdecke träumen. Immer geht es dabei um strammes junges Fleisch, und immer denkt man beim Lesen: Großer Gott, so genau hab' ich es doch gar nicht wissen wollen. Hier wird Liebe verwechselt mit Begierde, und die Begierde zielt immer auf Frischfleisch. Natürlich darf die Literatur alles. Natürlich darf García Márquez alles. Aber wir regen uns auf über Kinderpornographie und preisen gleichzeitig diesen Roman, den die Kritik mit Elogen wie "Eine virtuose Feier der Liebe und somit des Lebens" oder "Eine geheimnisvolle Poesie liegt über der Handlung" oder "Hohes Lied auf die Enthaltsamkeit" feiert, die Lüsternheit eines Greises mit prächtigem "Eselsschwanz" nach einem unterernährten vierzehnjährigen Mädchen, das er mit seinen Küssen vollsabbert, als große Literatur. Ich halte das auch dann, wenn man es als lateinamerikanisches Machogehabe abtut, immer noch für eine höchst verlogene Angelegenheit."

Ja, das ist offensichtlich das Problem meines Engagements: Wenn Menschen - und gerade auch junge - sich gegenseitig mit Geschlechtsverkehr als Sache missbrauchen, so ist das normal und nicht so schlimm. Wenn aber einer von ihnen aber dann im Alter doch einmal etwas "ganz Frisches" erleben will und dabei dann auch noch auf den Geschmack der echten Liebe kommt und dabei dann auch erkennt, dass dieses "den anderen als Sache missbrauchen" doch nicht sein Ding ist und es also unterlässt, dann ist das etwas Abscheuliches und Ekelhaftes. Klar, gegen eine solche Einstellung habe ich es schwer mit meinem Engagement.

Resümee: Offensichtlich gibt es also zwei Gruppen von "weiblichen Wesen" im Zusammenhang mit der Nacktheit. Die eine Gruppe sind Mädchen und junge Frauen, die noch keinen "Verkehr" hatten oder die ihn auch praktiziert hatten, weil sie meinten, dass das zu einer "Offenheit" dazu gehört. Die haben offensichtlich keine Probleme, dass sie von Männern, auch alten, "nackt" gesehen werden, wichtig ist vor allem, dass nicht "mehr" ist (oder bei Frauen "mit Erfahrung", dass ein "Mehr" nicht gegen ihren ausdrücklichen Willen geschieht). Wichtig ist vor allem, dass es endlich einmal eine Gelegenheit gibt, dass sie keine Angst vor der eigenen Nacktheit haben müssen und dass sie ihr Weibsein nicht nur nicht zu verstecken brauchen, sondern dass sie es auch noch stolz zeigen können. Nötig dazu ist natürlich die Einsicht, was hohe Moral wirklich ist, die sie aus einer für sie seriösen Quelle haben, und dass sie also etwas anderes ist als Scham. Und dann sind da die Frauen, die alle möglichen Erfahrungen mit der Sexualität hinter sich hatten, durchaus auch nicht nur schlechte, und die sich überhaupt nicht mehr in den Wunsch von Mädchen, stolz auf ihr Weibsein sein und es auch zeigen zu können, hineinversetzen können. Ich denke, dass diese Frauen, doch es sind jetzt auch Männer, durch ihre Enge eine organische Entwicklung von Mädchen zum Frausein - durchaus auch eine mit hoher Moral - systematisch verhindern.

Aber wird denn durch "dieses Verfahren mit alten und auch oft hässlichen alten Männern" nicht das Gefühl junger Mädchen und Frauen für gesunde und attraktive junge Männer verdorben? Oh, mitnichten, denn wir können uns darauf verlassen, dass das Leben stärker ist! Und das ist nun einmal auf  gesunde und attraktive junge Männer von Natur aus ausgerichtet. Nur eben: Jetzt wissen die Mädchen eher, was sie wollen, und bekommen ein Gefühl für Qualität und, wie gesagt, ihre Phantasie wird zunächst einmal umgeleitet erst einmal auf etwas Harmloses und Harmonisches.

Ob Gandhis Gedanken nicht auch um die Ideale kreisten, die ich habe? Ich denke schon. Was fehlte, war doch nur ein alternatives Konzept! Gandhi hatte etwa die Auffassung, dass Männer sich nicht zurückhalten können, wenn sich „die Gelegenheit bietet“. Doch hatte er selbst nicht positiven Erfahrungen mit Mädchen, die mit ihm zusammen waren – auch noch nackt? Und was wäre, wenn es in dieser Richtung eine ganz andere Erziehung von Jungen und Mädchen von Kind an gäbe, dass Auslöser für das sexuelle Begehren nicht die Nacktheit ist, sondern die Liebe in einer festen Partnerschaft von Mann und Frau? (Anmerkung: Es gibt sogar im Februarheft 2015 der Zeitschrift GEO ein Experiment mit Tieren, dass der sexuelle Appetit nicht durch die Nacktheit kommt, sondern nur wenn es den Fetisch von Kleidungsstücken gibt. Das heißt doch, wir können etwas ändern, wenn wir nur wirklich wollen!)


Wörterbuch von basisreligion und basisdrama) Computer-Übersetzung des Buchs SELF-CONFIDENCE AND FUN WITH A HIGH MORALITY ins Englische unter English