Der Kriminalfall Jesus - Kurzform

Der Kriminalfall Jesus – Kurzform

Den kompletten Text finden Sie unter https://basisreli.lima-city.de/kriminalfall.pdf

Bei seiner Arbeit als Häuserbauunternehmer (das wird wohl sein Beruf gewe­sen sein wie der seines Vaters,„Zimmermann“ ist eine falsche Übersetzung des Wortes „tekton“) lernte Jesus so nebenbei nach Feierabend auch Prosti­tuierte kennen, die die die „Arbeiter auf Montage“ aufsuchten, weil sie sich nun einmal etwas verdienen wollten. Was hier genau gelaufen ist, wissen wir nicht, doch immerhin muss es zu Gesprächen zwischen Jesus und den Frau­en gekommen sein, auch warum sie „so einem Beruf“ nachgingen. Und dabei hatte Jesus mitbekommen, wie Frauen und Mädchen unter Missbrauch der damaligen Gesetze zum Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe zumindest am Anfang regelrecht erpresst worden waren. Denn nach diesen Gesetzen galten Frauen als des Straftatbestands des Ehebruchs überführt und wurden mit dem Tod bestraft, wenn sie von zwei Zeugen auf frischer Tat ertappt wor­den waren. Und jetzt wurde dieses Gesetz von brutalen Männern missbraucht nach der Devise: „Entweder du hast Sex mit uns oder wir zeigen dich an, dass wir dich erwischt haben mit einem Mann, der nicht der deinige ist, dann wirst du mit dem Tod bestraft“. Da nun die Frauen keinen für andere glaub­würdigen Ausweg sahen, sie hatten ja auch gar keine Chance, sich erfolg­reich zu wehren (wer würde ihnen schon glauben, wenn sie vor Gericht und auch sonst erzählten, dass sie überhaupt nichts "in dieser Richtung" getan hatten?) und leben wollten, willigten sie ein, was die Männer wollten – und das war dann der Anfang ihrer zweifelhaften „Karriere“ als Prostituierte – in immer weiterer Abhängigkeit von diesen „brutalen Männern“ (wir würden heu­te sagen „Zuhältern“).

Jesus aber war mal ein Mann, der diesen Frauen glaubte, und hier etwas än­dern wollte und sich mit öffentlichen Reden „gegen die Sünde, gegen die Heuchler, für die Liebe“ engagierte, schließlich hatte er von solchen Erfahrun­gen immer wieder gehört. Und die Schuldigen hier waren ja nicht nur die typi­schen Täter, die die Frauen erpresst hatten, sondern auch alle die nach au­ßen hin so braven Autoritäten in der Gesellschaft, und das waren damals eben vor allem Priester und Schriftgelehrte, die hier wegguckten und also nicht wahrhaben wollten, was da lief, und daher auch nichts Sinnvolles dage­gen unternahmen.

Durch seine öffentlichen Reden oder besser „Anklagen“ und dann auch durch seine Änderungsvorstellungen wurde Jesus schließlich so beliebt, dass das System „Unwissenheit in moralischen Dingen und Ausnutzung dieser Unwis­senheit“ zusammenzubrechen drohte. Vor allem würde es dabei für die „Tä­ter“ ein ganz großes Problem geben: Wenn sich nämlich herausstellte, dass die „Zeugen“ und „Ankläger“ solcher angeblich ertappten Frauen Un­recht hatten, also dass ihre Anklagen falsch waren, bekamen nach dem Ge­setz sie die Strafe, die sonst die Angeklagten, hier also die Frauen, bekom­men hätten – das war nun einmal die Todesstrafe.

Die Täter – oder eben die Gegenspieler Jesu – hörten nun viel eher als Jesus das Gras wachsen, was ihnen da drohte – und sorgten im Komplott mit den religiösen Autoritäten dafür, dass Jesus mit falschen Anklagen und mit einem Justizmord aus der Welt ge­schafft wurde.

Doch offensichtlich waren damit nicht auch die Ideen dieses Jesus aus der Welt geschafft, denn schließlich hatte er sie durch seine zahlreichen öffentli­chen Reden im ganzen Land schon in die Welt gesetzt. Und es gab Nachfol­ger Jesu, für die Jesus nicht gestorben war und die in seinem Sinn weiter machten. Für die Gegenspieler war die „Gefahr“ also nicht vorbei.

Zunächst wurden diese „Jesusanhänger“ also verfolgt, doch als die Gegenspieler merkten, dass das nichts brachte, änderten sie die Taktik, doch keinesfalls das Ziel. Und so kamen sie auf die Idee, einen Passenden zu finden, auf welche Weise und mit welchen Begrün­dungen auch immer, der die nun wirklich revo­lutionären Ideen dieses Jesus bei seinen Nachfolgern von innen her umkrem­peln und schließlich auch per­ver­tieren sollte. Das geschah dann auch so.

Der „Passende“ war nun dieser Saulus, der sich dann auch noch in geküns­telter Bescheidenheit „Paulus“ nannte, also „der Kleine“. Paulus also ein Be­trüger?! Aber er war auch ein religiöses Genie. Und so gelang ihm, sich mit der Ge­schichte, dass der auferstandene Jesus ihm auf dem Weg nach Damas­kus erschienen sei, die in Wirklichkeit ein Fake (also eine Erfindung) war, bei den Jesusnachfol­gern einzuschleimen und ihnen von ir­gendwelchen Offen­ba­rungen des angeblich Auferstandenen an ihn glaubhaft etwas vorzuspin­nen, das nichts oder kaum etwas mit dem Engagement des wirklichen Jesus zu tun hatte. Dabei kam dann eine für damals ty­pi­sche Religi­on heraus und die Ideen des wirklichen Jesus waren ent­schärft. Und so konnte für die Gegenspieler alles beim Alten bleiben. Damit hat Paulus dann unsere heutige Religion geschaffen, bei der immer deutli­cher wird, dass sie ein typischer an­tiker Mysterienkult ist – und mehr nicht.

Dabei ist es bis heute geblieben, auch was die Erziehung junger Menschen zur Moral entspricht. Noch immer wird ihnen und gerade auch Mädchen keine echte Moral beigebracht, sondern eine Scheinmoral, mit der sie in eine falsche Richtung geschickt und unfähig für eine wirkliche Moral werden. Es geht nicht mehr so gewalttätig zu wie zur Zeit Jesus, doch es ist im Prinzip dasselbe.

Ich verweise hier auf ein Zitat aus der Biografie einer Prostituierten ("Venus­dienst / Karin Freiwald - meine Jahre als Hure", S. 34f), auf das ich durch Zu­fall gestoßen bin, weil das Buch zumindest zunächst einmal im Internet war. Die Frau bestätigt meine Ansicht, dass der tiefste Grund aller Unmoral ist, dass Mädchen mit ihrem hohen moralischen Potential in die falsche Richtung ge­schickt werden:

"Auf einer Website (www.basisreligion.de) (Anm.: Das ist eine Website von mir!) fand ich kürz­lich zum The­ma Flitt­chen eine Argumentation, welche die Wur­zeln einer bestimm­ten Verhaltens­prä­g­ung sehr treffend be­schreibt: »Be­vor wir jedoch über ein sol­ches ver­meintlich unmo­ralisches Mädchen die Nase rümp­fen, soll­ten wir uns bewusst machen, wer hier eigentlich unmora­lisch ist. Wie ist es denn ei­nem solchen Mädchen in der Vergangen­heit er­gangen? Wurde ihm nicht seit seiner Kind­heit eher eine Sklaven­moral mit al­len möglichen Ta­bus und Ängsten beige­bracht und da­mit seine Dummheit und Naivität ge­fördert? Wurde ihm nicht stets glauben ge­macht, dass die Scham der In­begriff jeglicher Mo­ral sei und wurde es damit nicht in die fal­sche Richtung geschickt und so recht neugierig auf mehr ge­macht?«"

Ja, von wegen „Scheinmoral der Scham“: Lieber Leser, gehen Sie doch ein­mal die Fälle des „ersten Geschlechtsverkehrs ohne Ehe“ durch, die Sie so mitbekommen haben: Wie viele dieser Fälle haben damit begonnen, dass ge­rade die Mädchen Spaß an einem Nacktstrand hatten? Und ich möchte wet­ten: Sie kennen keinen Fall – und es gibt wahrscheinlich auch keinen. Es fängt immer anders an. Wenn wir junge Menschen zur Moral der Scham er­ziehen, erziehen wir sie immer zu einem Phantom, das ihnen für eine echte Moral gar nichts hilft!

Und irgendwann hatte es sich bei einem Eltern­sprech­tag vor vielen Jah­ren auch einmal erge­ben, dass ich mit der Mutter über das Thema ins Gespräch kam: Die Mutter hatte mich also nach dem Ziel meines Religionsun­ter­richts gefragt. Darauf ich, eher flapsig: „Die Mädchen sind doch al­le ir­gendwie schizo­phren.“ Sie: „???“ Ich: „Na ja, vor dem Harm­losen und Pa­ra­diesi­schen, bei dem sie auch eine brauch­ba­re Menschen­kenntnis mitbe­kommen und Män­ner, die in Ord­nung sein wollen, von einer schönen Mo­ral begeis­tern könn­ten, näm­lich vor »nackt am Strand«, haben sie pani­sche Angst. Doch das Problemati­sche, näm­lich den Sex mit nur zu oft fragwürdi­gen Partnern, der ihnen bisweilen auch noch lebenslange Trau­mata beschert, den wollen sie und machen ihn auch.“ „Und“, so die Mut­ter, „was wol­len Sie jetzt tun?“ Ich: „Dass die Mädchen das jeweils andere ma­chen.“ Die Mutter: „Wenn Sie das schaf­fen, sind Sie gut!“ (Ich erinnere mich sogar noch an den Namen der Mutter!)

Dieses Gespräch mit einer Mutter war also durchaus eine hohe Motivation für mich, vielleicht sogar die Motivation schlechthin! Und das Anliegen passt auch voll zum Anliegen des echten Jesus – orientieren wir uns doch endlich einmal an dem!

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Es ergab sich, dass ich „Leserbriefe“ erhielt, einer war bedingungslos zustimmend ("ich habe alle 44 Seiten gelesen, und ich habe keine Stelle gefunden, die nicht meine Zustimmung gefunden hätte"), doch ein „Le­serbriefschreiber“ stellte Fragen:

Leser Richard S.: Ich habe in Ihre Website reingesehen und auch viel im Text „Pädagogisches Konzept zum Thema >Echte Monogamie<". Mich hat das Thema angezogen, weil ich selbst Lehrer war. … Trotz meiner unzureichenden praktischen Erfahrungen in der Schule und meiner si­cher ungenügenden Kenntnisse der komplexen Zusammenhänge einer Sexualerziehung wage ich zu vermuten, dass eine Sexualerziehung mit dem Ziel einer monogamen Lebensführung scheitern würde. Das Rad zurückdrehen könnte man wahrscheinlich nur mit Gewalt. Wären die Menschen glücklicher, wenn sie in einer monogamen Ehe leben wür­den? Glücklich in der Promiskuität sind sie natürlich auch nicht, das ist sicher richtig. Ich kann mir sehr wohl glückliche Paare, die in monoga­mer Ehe leben vorstellen. Aber ist das die Regel? Promiskuität ist auch ein Extrem. Berichte über Sexualverhalten Jugendlicher kom­men, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, überhaupt nicht zu dem Ergebnis, dass Jugendliche in Untreue leben.

Antwort vom Autor der Website: Also „Gewalt“ um Himmels willen, auf gar keinen Fall – denn was dabei herauskäme, wäre ja wieder nur eine Zwangs­monogamie und keine echte Monogamie. Und ich denke, die ist heute Gott sei Dank nicht mehr möglich, ganz abgesehen davon, dass dabei wohl kaum oder nur selten glückliche Verbindungen entstehen. Aber was ist, wenn mo­nogame Ehen mit Lebensklugheit und ohne Leibfeindlichkeit eingefädelt wer­den? Das müsste doch funktionieren!

Ich denke, das Problem ist, dass sich Menschen mit Intimerfahrung (und das sind ja auch alle Verheirateten) einfach nicht vorstellen können, dass junge Menschen ohne diese Erfahrungen keinen Zwang für Intimerlebnisse haben. Es gibt da ja die Geschichte von dem chinesischen Pärchen zur Mao-Zeit, wo alles, was mit Sexualität zusammen hängt, verboten war. Es durfte auch nicht darüber geredet werden. Und da suchte also ein Pärchen (beide Chemiker, also nicht dumm) den Arzt auf, weil die Frau trotz Heirat einfach nicht schwan­ger wurde. Und der Arzt stellte fest, dass die gar nicht wussten, was G-Verkehr ist! Sie dachten, dass eine Schwangerschaft anfängt, wenn sich die "Molekü­le" auf der Haut vermischen. Sie waren gar nicht auf den Gedan­ken des Ein­dringens gekommen, weil sie nie etwas vom Eindringen gehört hatten. Sie hatten also völlig andere Assoziationen als Leute, die G-Verkehr kannten.ooooooo

Und ich denke, dass es für Leute "ohne Intimerfahrungen" auch kein Problem ist, wenn sie "davon" wissen. Sobald sie erst einmal die Vorzüge des „Ohne­eindringens“ und auch die möglichen Probleme der Intimerfahrungen ohne Ehe kennen, kommen sie auch ohne Eindringen aus. Und darauf baut mein Konzept auf. Und ich habe hier auch die Erfahrungen, dass gerade Mädchen mir sag­ten, wenn ich vom Haut­kontakt ohne Eindringen schwärmte: "Klar wäre das gegangen, doch das sagt ja so niemand..."

Sie zweifeln an, ob Monogamie heute möglich ist. Und ich denke, sie war noch nie so möglich wie heute! Denn der Vorteil heute ist, dass wir endlich einmal über alles nachdenken und auch schon mit jungen Menschen über al­les reden können. Leider nutzen das bisher nur diejenigen aus, die nichts von der Monogamie halten. Doch was wäre, wenn das auch mal die nutzen wür­den, die die Monogamie wollen?! Hier möchte ich also vorpreschen.

Und sehen Sie, so wie Ihre Antwort und meine Entgegnung stelle ich mir im­mer eine Diskussion unter Pädagogen vor, ich denke, dabei kann man sich auch ruhig in die Wolle kriegen – nach der Devise "polemós patér pantôn" ( "Der Streit ist der Vater aller Dinge"). Dabei würde etwas herauskommen – für alle. Aber leider wollen die allermeisten Leute hier nicht streiten, sie ken­nen hier einfach keine Streitkultur. Sie sind festgelegt – und wer anders ist, den halten sie für krank oder verrückt

Dabei sollten sich diejenigen, die andere für bekloppt halten, mal fragen, warum die anderen so sind. Ich habe hier einmal einen schönen Gedanken in einer Morgenpredigt im WDR gehört. Da erzählte also der Pfarrer von einem Angestellten in einer Firma, der immer so verrückt angezogen war, so dass die Kollegen schon tuschelten, was mit ihm los sei. Nein, es war alles ge­pflegt und ordentlich, aber die Farben! Unmöglich! Da passte auch gar nichts, normal war der Kollege doch wohl nicht! Na ja, irgendwann kam es heraus, der Kollege war farbenblind – für ihn waren alle Farben nur unterschiedliche Grautöne. Und ab da war alles in Ordnung – der Kollege fand auch noch eine Braut, eine Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft, die er auch heiratete, und von da an trug er auch „vernünftige Farben“.

Wenden wir diese Erfahrungen mit der Farbenblindheit also auf das Problem an, wie junge Menschen die echte Monogamie leben können. Sie schreiben ja selbst, wie gutwillig die jungen Leute sind, also wird auch die Monogamie funktionieren, wenn die jungen Leute nur die entsprechenden Anstupser dazu bekämen.

R.S.: Haben Sie schon einmal einen solchen Unterrichtsversuch gestar­tet (ich meine versucht „anzustupsen“)? Falls ja, welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Antwort vom Autor: Ich  hatte das alles so ungefähr schon vor meinem Stu­dium im Kopf, doch die Umsetzung in die Praxis war dann eine völlig andere Sache. Die ging so etwa nach dem Verfahren „trial and error“. Das Problem für mich war, dass ich irgendwann dachte, dass nur in der Kindheit die jungen Leute wirklich offen für „solche Offenheit“ sind, doch wenn die Pubertät da ist, dann ist das traditionelle Moralmodell der Scham sozusagen „festgebacken“ und da ist also nicht mehr viel zu machen. Irgendwie schienen mich die jun­gen Leute hier auch immer wieder zu bestätigen, dass das also so ist, und haben mich also kopfscheu gemacht. Denn wenn ich mit der Nacktheit anfing, stieß ich immer auf Wi­derspruch.

Und dann hatte ich einfach eine falsche Theorie im Kopf, wie der Sex bei Mädchen anfängt. Ich ging davon aus, dass die Mädchen eher brav und un­schuldig sind und dass es bestimmte Jungen und Männer gibt, denen es ge­lingt, die Mädchen "heiß" zu machen – und sie dann auch zum Sex "rumkriegen" und dass die Mädchen dagegen wehrlos sind. Zu dieser Theorie bin ich wohl durch die ersten Berichte vom "ersten Mal" gekommen, die mir Mädchen erzählt hatten, und dann natürlich auch durch Aktionen wie "Kein Sex vor der Ehe", die ich so mitbekam und die diese "Theorie" zu bestätigen schienen. Zwar wurde ich bisweilen von Mädchen drauf hingewiesen, dass ich falsch lag, weil sie "das" doch selbst wollten, doch das prallte an mir ab. Es widersprach einfach meinem "Vorurteil". Erst als ich irgendwann Ortega y Gassets "Über die Liebe" las, ging mir ein Licht auf – und ich ging einmal alle "Fälle" durch, von denen ich so erfahren hatte. Siehe monogamie-kurz.htm. Heute weiß ich, in den meisten Fällen sind nicht die Männer oder Jungen die "Schlimmen", denn die nehmen sich nur, was sie (an-)bietet. Klar, da haben manche natürlich eher ein Gespür und auch die "Gewissenlosigkeit", das zu nehmen, aber warum nicht? Wenn sie es nicht täten, gälten sie bei den Mädchen als Weicheier, Schwule oder Impotente und es "machen" dann eben andere. Die Moral der Mädchen muss auf alle Fälle von woandersher kommen als von den jungen Männern. Es hat dann natürlich noch einige Zeit gedauert, bis ich zu dem jetzigen Konzept gekommen bin, leider erst nach meiner Zeit als Lehrer.

Inzwischen weiß ich also, dass das an mir lag, dass ich nicht richtig "ankam", ich war einfach zu unwissend und zu ungeschickt, wie ich das immer ange­fangen hatte. Doch ich wusste es eben nicht besser. Inzwischen weiß ich auch: Die jungen Leute wollen moralisch sein und die Mädchen möchten auf keinen Fall als Prostituierte gelten. Doch für sie ist „Nacktheit“ ein Synonym für Geschlechtsverkehr und zwar für unmoralischen, also für das, was Prosti­tuierte machen. Daher ihre geradezu hysterische Ablehnung. Hier hätte ich ansetzen müssen. Und dann wusste ich noch nicht, was ich im Kasten auf Seite 24 von der "Belohnung der Falschen bzw. der Richtigen" geschrieben habe, das ging mir erst nach meiner aktiven Zeit als Lehrer auf – nach einem Gespräch mit einer jungen Pilgerin auf dem Jakobsweg in Spanien. Dieses Wissen hätte ich in meinem Unterricht einsetzen müssen!

Und dann ist ja noch das Problem "Mann-Frau" auch für mich ganz grundsätzlich da, irgendwie sind die Schülerinnen doch sehr oft ziemlich attraktive junge Frau­en und ich bin nun einmal auch ein Mann, und ich denke doch, ein normaler. Wenn ich nun mit solcher "Offenheit" komme, hat das unter Umständen auch etwas mit "Anbaggerei" zu tun, und das möchte "man" vermeiden, also ist "man" schüchtern und zurückhaltend. Allerdings habe ich auch die Erfahrung, dass bei mutigen Mädchen, die mich auf meine Einstellung festgelegt haben nach dem Motto "bei der Einstellung, die Sie haben, geht das ja", die Offenheit überhaupt kein Problem war. Die machen mich sozusagen zu ihrem Vater, wie sie ihn gerne hätten. Dasselbe ist es, wenn mich Freunde darauf anspre­chen und mir ihre Töchter anvertrauen, etwa für eine Fahrt. Da scheint also so eine total emotionsfreie Vater-Tochter-Beziehung schon fast von alleine zu rasten. Ich denke, von großem Vorteil wäre, wenn die Mädchen das, was ich in dem Heft geschrieben habe, schon vor ihrer Zeit bei mir im Hinterkopf hät­ten und mich darauf ansprächen. Dann wäre alles viel einfacher, weil von vornherein einfach klarer.

Dass alles auch während meiner Schulzeit doch nicht so schlecht war, ging mir auf, als ich über die netten Schüler auf S. 39 nachdachte. Und dann war na­türlich das Gespräch mit dieser netten Abiturientin auf Weltreise, die ich bei meiner Fahrt nach Südame­rika im No­vem­ber 2019 in Lima getroffen und die ich zu einer Stadtrundfahrt eingela­den hatte. Ich hatte ihr gera­de konkret erzählt, wie Mädchen un­kompliziert mit Männern um­gehen können und dass ihr da offensichtlich ein Licht auf­gegangen war – s. S. 3 im „Kriminalfall“. Ich denke, sie hatte an meiner „Unterrichts­stunde über eine mal nicht moralinsaure Sexualmoral“ offensichtlich großen Spaß. Das war doch das, was sie wissen wollte!

Ja, hätte ich das al­les schon früher so gewusst, wie gut ich mit der entspre­chenden Offenheit und Direkt­heit bei den jungen Leuten an­komme, hätte ich viel mehr Sicherheit und Mut gehabt und ganz anders auf­gedreht. Und ich denke heute, damit wäre ich auch gut angekommen! Aber es war damals eben alles noch „in der Konstruk­tion“ … (Anmerkung: Das Foto mit dem Mädchen ist nur für die Empfänger des ausgedruckten Schrei­bens gedacht, damit sie sich ein Bild machen können, wie junge Leute auf mein Konzept ansprechen. Im Internet also kein Foto!)

R.S.: Ich halte nichts davon, sich gegenseitig die Argumente um die Oh­ren zu schlagen. Mich interessiert zum Beispiel, warum Ihnen die Erzie­hung zur Monogamie so wichtig ist. Ihnen geht es vermutlich um etwas Grundsätzlicheres als um die Sexualität. Irgendwann sind Sie ja wahr­scheinlich zu der Erkenntnis gekommen, dass die Einstellung zu Sexua­lität und das Verhalten auf diesem Gebiet gesellschaftlich von besonde­rer Bedeutung ist.

Antwort vom Autor: Ich kenne natürlich alle möglichen und unmöglichen Utopien und Theorien von Utopien, die so versucht oder auch angedacht wer­den und wurden, und auch, wie sie gescheitert sind oder höchstwahrscheinl­ich scheitern werden, wenn sie mal in die Praxis umgesetzt werden sollten und also doch nicht das Gelbe vom Ei sind. Eine bessere Gesellschaft kommt aus all diesen Utopien jedenfalls nicht, entweder sie sind wenig menschlich oder sogar unmenschlich und/oder sehr teuer und aufwendig und wenig oder gar nicht oder nur schlecht praktikabel. Ich denke hier an den Kommunismus (eine Welt ohne Kapitalisten), an den Nationalsozialismus (eine Welt ohne Ju­den), und an den Postkommunismus (eine Welt ohne Banken und ohne Akti­engesellschaften). Aber da sind auch andere Ideen, die angeblich zu einer besseren Gesellschaft führen sollen und für die sich viele Menschen begeis­tern: Eine Welt ohne Zins und Zinseszins und überhaupt ohne Geld, ohne Alkohol, ohne Drogen, ohne Fleischesserei, ohne CO2, ohne Kernkraft und ohne Energie aus fossilen Brennstoffen, ohne Benzin- und Dieselautos, ohne "Schmutz und Schund" und ohne Frühsexualisierung (gemeint ist, dass Kin­der gar nichts von der Sexualität wissen dürfen) und ohne Homophobie und mit "freier Liebe" und überhaupt mit allgemeiner und voller sexuellen Selbst­bestimmung usw. Das alles mag ja bisweilen schön und gut und oft auch wirk­lich sinnvoll sein, doch eine ideale utopische Ge­sellschaft kam mit alldem bis­her nicht heraus und wird auch nicht "heraus­kommen". Und sicher auch nicht, wenn alle Menschen an Gott glauben und am liebsten noch ins Kloster gehen. Denn da sind immer noch die Gefühle der Menschen, die nur zu oft bei allen guten Ideen schließlich einen Strich durch die Rechnung machen.

Aber wie soll denn eine vernünftige utopische Gesellschaft werden? Was ist stärker, was hat eine höhere Wirkung, wenn es um eine utopische Gesell­schaft geht? Warum also nicht gleich bei den Gefühlen anfangen?

Ich denke, der spanische Philosoph Ortega y Gasset bringt das auf den Punkt: Er schreibt in dem Büchlein "Über die Liebe": "Wer hätte geglaubt, daß etwas so unfaßbar Flüchtiges wie die Luftgebilde, die junge Mädchen in keu­schen Kammern sinnen, den Jahrhunderten tiefere Spuren eingraben als der Stahl des Kriegsgottes. Von den rührenden Geweben heimlicher Mädchen­phantasien hängt großenteils die Wirklichkeit des kommenden Jahrhunderts ab. Shakespeare hat recht: Unser Leben ist aus Traum gewoben!" Was Mäd­chen in "keuschen Kammern sinnen", meint für mich, dass sie mit ihrer Sehn­sucht und mit ihrer ersten Sexualbeziehung ganz allgemein den Män­nertyp prägen, der die Gesellschaft ausmacht. Es ist schon ein Unterschied, ob sie "es" einfach hinter sich haben wollen, wobei ihnen egal ist, ob der Partner Verantwortungsgefühl oder Bildung oder besondere Humanität oder eine be­sondere ethische Einstellung zu Frauen hat, oder ob sie darauf Wert legen, dass er dies alles hat. Und sie müssen dabei ja gar nicht moralinsauer sein, im Gegenteil – ich habe auf den Seiten 28ff ein Mädchen vorgestellt, das ein Konzept in dieser Richtung hat und überhaupt nicht moralinsauer ist.

Um konkret zu werden: Als ich vor knapp dreißig Jahren auch mit Linienbus­sen durch Brasilien gefahren bin, klärte mich ein Sitznachbar auf: "Die wei­ßen Brasilianer haben alle zwei Frauen, eine farbige für die Liebe und eine weiße als Statussymbol und um weiße Kinder zu ha­ben, die sie dann in Nonnenschulen und auf die Universitäten schicken". Na­türlich gilt das nicht für alle weißen Brasilianer, doch etwas dran ist sicher: Die Frauen der sogenannte Unterschicht sind für Liebesabenteuer der (wohl­habenden) Wei­ßen gut genug, und die machen ja auch mit, doch für die of­fizielle Ehe nimmt "man" sich dann eine aus der eigenen Gesellschafts­schicht. Die weißen Män­ner profitieren hier von der Konzeptlosigkeit der "Un­terschichtmädchen", um es einmal so zu sagen. Was wäre, wenn diese Mäd­chen nicht so eine Konzeptlosig­keit hätten, sondern zusätzlich zu ihrer körperlichen Attraktivität (die sie ja oft haben) noch Würde und Prinzipientreue in ethischen Dingen ausstrahlen und den Männern ihre "Bedingungen" vorschreiben wür­den? Natürlich, das geht nicht ohne Vorbereitung und in Form einer Pistole auf der Brust, sondern hier muss eine völlig andere allgemeine Erziehung her, eine Erziehung auf eine grundsätzliche Utopie hin, auf eine Utopie nach dem Konzept des echten Jesus!

Und ich denke, es gibt keinesfalls nur in Brasilien das Problem der verpflich­tungsfreien Liebesabenteuer zwischen Menschen unterschiedlicher Gesell­schaftsschichten, die zumindest für einen Beteiligten nicht zum Vorteil sind (um es vorsichtig auszudrücken), genau das Problem gibt es überall. Man hat hier unten seine Abenteuer, doch einen Partner oder eine Partnerin sucht man sich dann da oben in der eigenen Gesellschaftsschicht. (Natürlich passt das nicht immer so, doch genau einen solchen Fall finden wir übrigens - wir müssen nur einmal genau hinsehen - auch in dem Roman "Liebe in den Zei­ten der Cholera" des südamerikani­schen Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez <er ist Kolumbianer>: Das schönste Mädchen des Städtchens be­kommt also der Arzt. Alles schön und gut, doch irgendwann hat der Arzt eben auch seine farbige bzw. schwarze Sängerin. Und nach dessen Tod wird die Beziehung der Frau dann mit dem ersten Interes­senten für die Frau "nachgeholt", der sich bis dahin mit anderen Abenteuern "tröstete" ...)

Hohe ethische Normen, die aber auch wirklich verinnerlicht sein müssen, und ich meine hier die Normen der echten Monogamie, würden also die gesell­schaftlichen Schichten aufmischen – und zwar tatsächlich stärker als "der Stahl des Kriegsgottes" und dabei zur Verwirklichung einer schönen Utopie führen. Und klar, manches wird dann von alleine verschwinden und manches wird nicht mehr so wichtig sein und manches wird angemessen gebraucht oder eben verändert werden.

Doch wer ist hier für die Bildung der ethischen Normen zuständig? Das sind doch Personen der "besseren Gesellschaftsschichten" – und die haben <na­türlich> kein Interesse, dass sich die ethische Einstellung beim Sexualverhal­ten ändert, denn das würde doch abgesehen von keiner Möglichkeit für sexu­elle Abenteuer auch noch ihre gesellschaftliche Vormachtstellung in Frage stellen. Also schwadronieren sie in ihren pädagogischen Konzepten von der Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung und dass man an dieser Freiheit aus allen möglichen und unmöglichen Gründen nicht rütteln dürfe. Und so bleibt alles beim alten. Doch wie lange noch?

Eine weitere Kurzfassung - dann zum Thema Monogamie - finden Sie unter Echte Monogamie von der Vernunft her - Kurzform.

www.michael-preuschoff.de