Diskussion zum Entwurf eines Interviews zur Paulus- und zur Jesusideologie.

Diskussion zum "Entwurf eines Interviews" und zum Text  "Der Kriminalfall Jesus" –  im Mailwechsel mit einem Gymnasialreligionslehrer.

13.6.2020:  Lieber Oswald, das ging ja schnell mit der Reaktion!

Ich habe mir mal alles genau durchgelesen und dann erst mal gar nichts gemacht. Denn es bringt vermutlich nichts, Punkt für Punkt durchzugehen, da kommt dann doch nur ein langes und endloses Hickhack heraus. Ich dachte also: Erst mal überschlafen und dann einen Entwurf machen und dann noch mal drüber schlafen – und den dann erforderlichenfalls überarbeiten.

Und dabei ist tatächlich etwas herausgekommen! Meine rhetorische Frage an Sie: Ist Ihnen eigentlich bewusst, wir schrecklich frauenfeindlich Sie sind? Das, was Sie da anführen auch gegen mich und was angeblich für Ihre Frauenfreundlichkeit spricht, ist doch alles nur Tünche und also leerer Schein!

Und wo ich jetzt nun schon einmal misstrauisch zu Ihrer Einstellung zu Frauen geworden bin, habe ich natürlich auch über das andere, das Sie so äußern, nachgedacht.

Für mich ist hier der "Lackmustest", was die Prostituierten offensichtlich Jesus erzählt hatten, wie sie zu ihrem Job gekommen waren – und eine Empathie dazu. Gut, was da passiert ist, das habe ich "ausgerechnet" – im Vergleich mit der Susannageschichte und mit den beiden Männern aus dem Volke (also meinem Nachbarn und dem ägyptischen Kaufmann in dem Straßenrestaurant auf Bali), die sich offensichtlich in der "Branche" auskennen, die also keine typischen Studierstubengelehrten sind (die hier sowieso üblicherweise von nichts eine Ahnung haben und die auch keine Ahnung haben wollen, weil sie genau wissen, dass dann ihr theologisches Kartenhaus zusammen brechen dürfte). Es ist nun einmal so, dass es bei solchen kriminellen Tatbeständen keine schriftlichen Unterlagen gibt, den tieferen Sinn kann man sich nur anhand von Indizien ausrechnen, und vor allem indem man auch die "richtigen Leute" befragt. Immerhin ist das alles nun wirklich eine ganz große Schweinerei, auf die ich da gestoßen bin – ich denke, irgendwelche Worte hätten Sie hier schon dazu sagen müssen, doch nichts. Offensichtlich gehen Ihnen solche kriminellen Vorgänge im Zusammenhang mit Frauen absolut an der Hutschnur vorbei, möglicherweise finden Sie die auch noch gut. Von Empathie mit den betroffenen Frauen ist da jedenfalls keine Spur zu erkennen. Ersatzweise kommen Sie dann mit irgendwelchen netten Worten Jesu zu den Frauen, von denen man gar nicht weiß, ob sie überhaupt von ihm selbst stammen. Ja, wir wissen hier von Jesus doch im Grunde gar nichts, es kann sogar sein, dass auch er die damals übliche negative Einstellung zu Frauen hatte und vielleicht sogar ein Casanova oder auch ein Hurenbock war*) – doch so wie „man“ hier auf diese erpresserische Tour mit Frauen umging, bei der die Frauen gar keine Chance hatten, das ging für ihn nun wirklich nicht. Jesus war eben mal ein Mann, der noch zumindest einen Funken Anstand und Empathie im Leib hatte und zumindest einen Rest von gesundem Menschenverstand und also mal kein typischer Spießer war. Ja, das ist doch typisch für Spießer, dass die immer weggucken, wenn´s heikel wird, und nie das Wichtige von Unwichtigem unterscheiden können und sich also für das eigentlich Unwichtige stark machen. Der englische Journalist Mark Gibbs meint sogar, dass das Evangelium vom Verlorenen Sohn und auch das von den beiden Brüdern, die der Vater in den Weinberg schickt, autobiografisch sind. Und mein Schluss daraus: Jesus hatte also erfahren, wie die Prostituierten zu ihrem Job gekommen waren – und das ließ ihm keine Ruhe, hier musste ein echter Mann doch "in den Weinberg gehen" und etwas machen! Dabei würde auch nicht stören, dass er – anders als die sonstigen üblichen Moralisten – ein Fresser und Säufer war. Auf alle Fälle würden irgendwelche netten Worte diesen Halbweltverbrechern nie das Handwerk legen – und die Kreuzigung erklären sie auch nicht wirklich.

<*) Anmerkung: Da könnte sogar der extrem kirchenkritische Theologe Hubertus Mynarek recht haben, der in seinem Buch "Jesus und die Frauen" Jesus für einen ausgemachten Casanova und den engsten Kreis um ihn für eine "Liebeskommune" hält ...>

Natürlich, die Punkte, die Sie anführen, haben durchaus die Möglichkeit Ihrer Interpretation. Doch sie haben auch andere Möglichkeiten, etwa die, dass es hier um Frauenfeindlichkeit und Fortsetzung dieser Frauenfeindlichkeit bis in alle Ewigkeiten geht.

Nur einige dieser Punkte: Wenn ich so in der Umgebung meines Dorfs durch die Felder radle, dann sehe ich auf den Weizenfeldern immer nur Weizenpflanzen, und auf den Kartoffelfeldern immer nur Kartoffelpflanzen (abgesehen vom Unkraut). Das heißt, Mutationen kommen extrem selten vor, so selten, dass man sie als normaler Sterblicher gar nicht erkennen kann. Und wenn sich bei Menschen zur heutigen Zeit so viele "Mutationen zu anderen Geschlechtern" finden, so scheint das nicht biologisch oder genetisch, sondern kulturbedingt zu sein, das heißt, dass wir heute eine Kultur haben, die solches Verhalten nun einmal fördert, auf welche Weise auch immer. Ich habe hier eine mögliche Ursache erwähnt, doch die geht Ihnen auch an der Hutschnur vorbei. Wie schön, dass Sie mir vorwerfen, dass ich mir aussuchen würde, was mir passt. Sie sollten sich zu dem Thema mal im Spiegel anschauen, Sie sind doch hier noch viel schlimmer (denn ich habe wenigstens noch gute Gründe) ... Immerhin kann ich sogar auch noch auf eine Prostituierte verweisen, die mir durchaus beipflichtet, wie sehr ihr Schicksal mit einer kulturbedingten Erziehung zusammen hängen dürfte – s. Frage 2. Auch eine Mutter hat mir bestätigt, dass das Problem ein nicht auf die Realität abgestimmter (schulischer oder kirchlicher) Unterricht sein dürfte (s. Frage 1). Ich hätte also vor Gesprächen mit LBGTQ keine Angst. Das alles ist für mich allerdings kein Thema, mir geht es darum, dass junge Menschen sich ohne Zwänge und ohne Manipulation (auch ohne kulturbedingte, ja, die jungen Leute müssen vor allem lernen, die zu durchschauen) entwickeln können und dass sie sich zumindest vor dem Geschlecht, das sie nun einmal von Natur aus äußerlich haben, nicht mehr schämen müssen und das auch gern haben und sogar stolz darauf sein können. <Anmerkung zur Kulturbedingtheit der "geschlechtlichen Veranlagung": Im alten Griechenland waren 99 % der Männer homosexuell bzw. zumindest bisexuell. Und diejenigen, die es nicht waren und es nur mit Frauen "hatten", galten als "persisch", denn von den Persern erzählte man sich, dass sie die wahre Schönheit der Sexualität gar nicht kannten, weil die es nur mit Frauen "trieben". Also 99 % aller Männer "so" genetisch veranlagt? Unmöglich! Wenn das nicht ein guter Beleg ist, dass Homosexualität weitestgehend eine Frage der jeweiligen Kultur ist!>

Und wenn ich Maccobys "Mythenschmied" als Offenbarung empfinde, so heißt das längst nicht, dass ich alles, was Maccoby schreibt, auch in diesem Buch über Paulus, gut und richtig finde. Sie kennen den Versuch mit der "Ursuppe"? So bin auch ich hier vorgegangen. Ich habe also die Zutaten "Mythenschmied", "Plagiat des NT´s aus buddhistischen Texten" und das, was ich von den beiden Männern "aus dem Volke" erfahren habe, zusammen mit meinem sonstigen theologischen Wissen mit seinen offenen Fragen so lange gemixt, bis ich eine plausible Story gefunden habe – und dabei ist dann der "Kriminalfall Jesu" herausgekommen. Ich erinnere mich, wie ich mich vorher in meinem Unterricht immer gewendet und gedreht hatte, um die Glaubensinhalte plausibel zu erklären und WIE es in unserem Glauben zu diesem offensichtlichen Synkretismus und WARUM es zu diesem typischen spätantiken Mysterienkult gekommen ist, der überhaupt nichts mit dem echten Jesus zu tun hat. Und dann eben das Aha-Erlebnis, da passte einfach alles, was ernst zu nehmen ist! Ich schrieb, das passierte auf dem Pilgerweg des heiligen Jakobus in Spanien ...

Aber jetzt zum Lehrplan! Ihr Hinweis auf den ist doch absoluter Quatsch. Das wissen Sie doch selbst, dass gerade im RU im Prinzip alles in den Lehrplan passt! Man muss es nur entsprechend formulieren, wie das mit der Menschwerdung junger Menschen zusammen hängt, die doch unser Erziehungsauftrag ist. Und derjenige Lehrer ist doch ungeeignet für den RU, der das nicht kann. Und dass Sie "nur offizielles Material" verwenden dürfen, das ist doch auch Quatsch. Sie sind doch in der Wahl Ihres Materials weitgehend frei, wenn Sie in der Überzeugung sind, dass Sie ein Unterrichtsziel nur so oder so am besten erreichen können. Einzige Bedenken könnte man bei sexistischem und rassistischem und kirchenfeindlichem Material haben, doch es dürfte schwierig sein, einem Lehrer nachzuweisen, dass er etwas aus sexistischer und rassistischer und kirchenfeindlicher Intention verwendet und nicht aus der Intention, damit die jungen Menschen lernen, das zu durchschauen und richtig damit umzugehen und es erforderlichenfalls abzulehnen. Oder was soll das heißen, dass Sie die Schüler nicht "irritieren" möchten? Was heißt das denn sonst, als dass Sie bei Ihren Schülern keine Alternative zulassen möchten, die Ihre Manipulationsbemühungen stören könnte. Ja, ich kann Ihnen sagen, warum Sie solchen hässlichen und verachtenden Umgang mit Frauen schön reden und mein Material nicht verwenden wollen! Denn Ihr Einsatz etwa für Emanzipation und Würde der Frau ist nur schöne Fassade, dahinter verbirgt sich in Wirklichkeit eine niedere Gesinnung der Benutzung der Frau als "Fickobjekt" und als Sklavin des Mannes. Und Sie haben etwas gegen mein Material, weil es mir offensichtlch genau darum geht, dass das nicht passiert – und das wollen Sie bei den jungen Leuten unter allen Umständen verhindern. Denn wenn Sie die Emanzipation und Würde der Frau wirklich wollten, würden Sie anders vorgehen und dafür plädieren, dass gerade die Mädchen etwa Freude an der hohen Moral lernen und dabei auch eine attraktive Alternative zum "Eindringen" erfahren und attraktiv finden, und wir würden uns auch sehr gut verstehen. (Und zu "irritierenden Literatur": Das ist in gerade in verbrecherischen Diktaturen die Begründung der Zensur und der Verurteilung der freien Medien usw.! Oder auch in der katholischen Kirche bis vor nicht langer Zeit – ich erinnere an den "Index der verbotenen Bücher" und an das Verbot des Bibellesens im Mittelalter. Es ging immer genau darum, die Gläubigen nicht zu "irritieren" ... Meine Meinung dazu: Wenn sich jemand seiner Sache sicher ist, dann braucht der solche Verbote nicht, denn er weiß, dass alles, was zunächst gegen ihn vorgebracht wird, im Endeffekt seine Theorien stärkt und glänzender dastehen lässt, als selbst er es zunächst für möglich gehalten hätte!)

Verstehen Sie mich nicht falsch: In einzelnen Punkten gibt es ja Interpretationen, in denen Sie richtig liegen mögen, doch in der Zusammenschau haben diese einen anderen Sinn. Und weil Sie den offensichtlich nicht sehen mögen und können, muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie zumindest in Ihrem Inneren unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaftlichkeit ein frauenfeindlicher Macho sind. (Wenn ich noch im Dienst wäre, würde ich meinen Schülern Ihre Mail vorlesen  – oder sie auch ausdrucken und verteilen – und diese zusammen mit den jungen Leuten genüsslich auseinander nehmen ... Aber ich denke, das sind gar nicht Sie, der Schuld an diesen Klöpsen hat, die Sie hier fabriziert haben. Lassen Sie mich mal etwas arrogant sein: Sie scheinen mir einfach noch zu sehr ein junger "Springinsfeld" und zu professorenhörig zu sein, d.h. Sie vertreten genau das, was Ihre Professoren wollten, damit Sie Ihre Examina machen konnten. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihren Urteilen vorsichtiger werden und sich von Ihren Professoren abnabeln. Und nicht zuletzt sollten Sie bedenken: Wissenschaft heißt, dass auch alles "ganz anders" sein kann!)

Dennoch liebe Grüße – nicht zuletzt haben Sie mir ja die Gelegenheit gegeben, manches mal so deutlich zu schreiben ...

Michael


11. 6. 2020 Lieber Michael,
 
Lange habe ich überlegt, ob ich mir die Arbeit machen soll und ich mich auch noch in den ausführlicheren Text "Der Kriminalfall Jesus" einarbeiten soll, wo doch auch viel Wichtiges meiner bisherigen berechtigten Anmerkungen ignoriert worden ist (bzw. ich stattdessen nur etwas sehr jovial auf besagten Kriminalfall-Text und die dazugehörigen Anmerkungen verwiesen worden bin, denn da werde ja alles ausgeführt und genau beschrieben, weswegen sich ein Eingehen auf mich ja erübrige). Aber da ich wissenschaftliches Arbeiten so verstehe, dass man erst auf Augenhöhe wirklich diskutieren kann, wenn man sich zumindest ansatzweise in das dazugehörige Material eingearbeitet hat, da ich zudem auch Ihre Antworten nicht unkommentiert lassen kann und will und ich gerade Ferien habe, habe ich es doch getan - und auch hier zeigt sich mir keine wesentliche weitere neue Erkenntnis als das, was schon im Interview in der Kurzform zu finden war. Dass das ursprüngliche Judentum eine andere Auffassung sowohl vom sexuellen Verständnis zwischen den Geschlechtern als auch von der Rolle der Frau hatte, dafür lassen sich freilich viele Belege in der Bibel finden, die leider durch viele patriarchale Redaktoren umgedeutet worden oder verfälscht worden sind. Ob der historische Jesus sich direkt darauf bezogen hat oder doch mit seiner Ethik was anderes wollte, ist beides zumindest möglich. Gerade die Überlegungen zu Paulus stehen m. E. aber zu sehr auf tönernen Füßen, da einfach zu viele andere Faktoren dagegen sprechen - das, was ich in den fast fünfzig Seiten nur als Ihre eigene Meinung aufgefasst habe (und das ist sehr viel), kann ich - auch wenn ich oft nicht einverstanden bin - natürlich davon unberührt lassen, aber um zur Paulus-These offensichtlich sehr weit Hergeholtes zumindest zu relativieren, mache ich es mal so wie Sie, reichen auch meine Ergänzungen zu den von Ihnen angesprochenen 10 Punkten:
 
1. Zum "exegetischen Blick"
 
Dass Sie dieses Anliegen für verfehlt halten, dürfen Sie ja, genauso wie ich nichts von der "Verschulung" der Universitäten halte, stehen Sie der Verwissenschaftlichung der Schule skeptisch gegenüber, ok. Abgesehen davon, dass ich selbst diesen exegetischen Blick für sehr wertvoll halte, habe ich aber auch meinen Lehrplan zu erfüllen - und der sieht dies in den Klassen 10-12 eigens für den Religionsunterricht aller Konfessionen vor. Und um auf die Universität vorzubereiten gibt es in 11 und 12 das verpflichtende Wissenschaftspropädeutische Seminar - auch mit Religionslehre als Leitfach. Natürlich würde ich hier nie "Theologie lehren" wie an der Universität, aber einen kleinen, didaktisch reduzierten Einblick geben in die wissenschaftliche Methodik - und darunter zählt als Teilgebiet im Religionsunterricht eben auch die exegetische Methodik - ohne diese ist ein selbstständiges Verstehen biblischer Texte nur schwer möglich.
Zum "Wissen": In erster Linie ist mir wichtig, dass die Schüler* selbst anhand dieser Methodik auf Gedanken kommen, dass ihnen der Text etwas sagt, dass sich Bibelstellen mit unterschiedlich angelegtem Blick auch verändern können - und nicht meine für sie ausgewählte und vorgelegte Musterdeutung annehmen und wiederkäuen - und die Erkenntnis eines Mädchens, das erkennt, dass unter den Jüngern Jesu wohl auch Frauen waren und dies für sich aus dem Text herausliest oder ein Junge, der bei Davids Betrug mit Batseba mal Batsebas Rolle einnimmt und nicht immer nur Davids - das sind neue Perspektiven auf alte Geschichten - und dieser Blick ist es, um den es geht. Und das saugen meine Schüler* wirklich auf wie der von Ihnen genannte Schwamm.
Ein Beispiel als Deutschlehrer, der ich nunmal auch bin: Ich ermögliche meinen Schüler*n ausgehend vom Unterricht sehr viele Theaterbesuche und eröffne so neue Räume für Gedanken und hoffe natürlich, dass sie dann auch selbst von alleine dorthin gehen. Aber auf diese Weise bringe ich sie nicht dazu, lange Romane zu lesen - das ist ein anderer Teilbereich, den ich anders fördern muss. Religionsunterricht heißt nicht Reduzieren auf Exegese, es ist ein kleiner Teilbereich, der auch für andere Fächer sinnvoll sein kann - so sind bei der literarischen Analyse meine Schüler*, die auch da diesen "exegetischen Blick" anwenden (Textkritik gibt es in der Germanistik schließlich auch) wesentlich treffsicherer. Und Religionsunterricht darf auch nicht zu sehr kirchlich institutionalisiert werden - das wäre auch gar nicht möglich, da mehr als die Hälfte meiner Schüler* im Religionsunterricht nicht getauft oder konfessionslos sind.
 
2. Auch ich halte die Sünderingeschichte für echtes Material hinsichtlich des historischen Jesus - wissenschaftliches Arbeiten bedeutet jedoch, auch das miteinzubeziehen, was einer eigenen favorisierten These widerspricht. Und das ist beispielsweise auch der Anspruch einer W-Seminararbeit in der Schule: Sehr begrenzt darstellen, was der Forschungsstand ist - und nicht unbedingt eigene, neue Erkenntnisse - das darf nach den offiziellen Beurteilungskriterien gar kein Maßstab sein - hier zählt mehr die ordentlich durchgeführte Methodik.
 
3. Hier zeigt sich das, was ich vorausgesehen habe: Sie werfen einem Protestanten vor, protestantisch zu argumentieren. Das könnte ich umgekehrt auch (gerade sehr viel hinsichtlich Ihres Verständnisses des Verhältnisses von Mann und Frau ist typisch katholisch), aber was bringt das? Vielleicht ist es klarer, wenn ich die Geschichte nicht als "Vergebungsgeschichte" (das ist sie für mich nämlich eben nicht!), sondern "Die Geschichte über den ultimativen Jesus-Test" oder "Die Geschichte darüber, dass Frauen zur Zeit Jesu auch etwas wert sind" bezeichne - haben diese beiden Deutungen etwas mit Vergebung zu tun? Nein. Ein genauer Blick auf einzelne Worte und Bezeichnungen ist weder Zeitverschwendung noch eine Abschweifung (Stichwort: tékton).
 
4. "Eindringen" ist mit Krieg konnotiert, man erobert ein feindliches Land. Was halten Sie denn von "umschließen", "aufnehmen", "verschmelzen" etc. Gerade die sexuelle Sprache muss nicht vulgär oder wissenschaftlich sein, sie darf kreativ, spielerisch, keck und leicht frivol sein. Unsere Sprache kennt viel mehr Bezeichnungen - nur diese Bezeichnung ist wie keine andere ein Relikt einer sexual- und körperfeindlichen Zeit - es wundert mich, dass gerade Sie nicht einsehen, dass ein natürlicher Umgang mit sexuellen Formulierungen der erste Schritt ist, diese sexualfeindlichen Zeiten zu überwinden.
 
5. Ja, das ist das grundsätzliche Problem: Entweder Sie arbeiten wissenschaftlich und beziehen auch das mit ein, das unter Umständen den eigenen Thesen widerspricht und versuchen, dies etwa unter neuem Blickwinkel mit einzubauen oder Sie gehen nur nach Gefühl vor, dann besteht aber die Gefahr, dass Sie sich "Ihren eigenen" Jesus bauen. Das ist das, was ich mit dem "wütenden" Jesus angesprochen habe: Um Ihre Argumentationslinie miteinzubeziehen: ein Tische im Tempel umwerfender Jesus passt so etwa gar nicht zur paulinischen Theologie - warum gibt es diese Stelle dann? Richtig, es ist ein Hinweis auf den historischen Jesus, den man nicht tilgen konnte, da die Geschichte zu bekannt war. Jesus wird an anderer Stelle als "Fresser und Weinsäufer" beschrieben - wieder etwas, das echt sein muss, weil es eine unbequeme Wahrheit ist. Idealisiert man den Jesus nicht, wenn man, nur um die eigene These zu retten, annimmt, dass diese Stellen von paulinischen Gegnern Jesu eingefügt wurden, um das Andenken an ihn zu schmälern bzw. seine Lehre zu verfälschen? Oder ist das andere Argument nicht ebenso wahrscheinlich?
Ein anderes Beispiel: Nimmt man einzig alle Stellen aus dem Johannesevangelium, bei denen Jesus vom Jünger, den er liebte, spricht und bezieht die Tatsache mit ein, dass er selbst nicht verheiratet war, hört sich das sehr nach einer homosexuellen Beziehung an. Die Gefahr besteht, siehe "hermeneutischer Zirkel", dass man sich selbst im Kreis dreht und um diesen zu durchbrechen, das Problem nur noch zu einseitig betrachtet. So ist auch Ihre Interpretation der Adam-und-Eva-Geschichte sehr interessant und enthält Elemente, die zumindest sehr wahrscheinlich sind. Ich neige jedoch dazu, diese schöne Geschichte tiefenpsychologisch zu deuten: Kinder auf dem Weg zum Erwachsenwerden, behütet von Eltern, die wissen, dass ihre Kinder irgendwann auf eigenen Beinen stehen müssen. Und wer von uns hat nun "Recht"? Und das ist das Spannende: Wir beide! Die Auslegungen schließen sich gegenseitig nämlich nicht aus, sie ergänzen sich, wenn man es nur zulassen will.
 
6. Diese Ihre Sätze sind ein Schlag ins Gesicht der gesamten LGBTQ-Community und brauche ich alleine deswegen eigentlich nicht zu kommentieren, da sie sich selbst disqualifizieren. Nur so viel: Sie wissen schon, dass man sich seine sexuelle Orientierung nicht aussuchen kann? Und dass es weder blamabel für Cis-Männer ist, dass sie homosexuelle Frauen nicht "heilen" können (denn nichts anderes ist das, was Sie hier zwischen den Zeilen schreiben) noch man dafür gerade die jüdische Religion heranziehen muss - so positiv deren ursprünglicher Ansatz auch ist, sie ist dabei aber immer absolut heteronorm. Was ist dann mit Transmenschen oder dem dritten Geschlecht? Brauchen die auch Männer, damit ihre Orientierung und das "Problem" "erledigt" ist? Frauen heiraten Frauen und verbringen mit diesen lebenslangen Partnerinnen ihre sehr glücklichen Ehen, willkommen im 21. Jahrhundert!
 
7. Zur sexuellen Verwirklichung und Scheinwissenschaft: Ja, es gibt auch pädophile Menschen und diese Menschen leiden sehr unter ihren sexuellen Neigungen - hier gibt es jedoch gut ansetzende Therapien, damit man diese Neigungen eben nicht auslebt. Das, was Sie hier verwechseln, ist Neigung (in etwa ein Fetisch) mit Identität (sehe ich mich als Mann oder Frau oder dazwischen) und sexueller Orientierung (stehe ich auf Frauen, Männer oder dazwischen). Googeln Sie mal das Schaubild "Genderbread Person", da wird das klarer.
Ihre These von dem unnatürlichen Verhältnis zum eigenen Körper, woraus dann "abnorme" sexuelle Orientierung wird, ist auch nicht neu. Diese wird von vielen meist katholischen oder sehr evangelikalen Theologen oft vertreten. Allein die Ansicht, dass etwas normaler ist als etwas anderes, ist schon sehr fraglich, da auch dies gesellschaftlich konstruiert ist. Damit können Sie aber doch einen Homosexuellen kurz vor dem Outing nicht unterstützen! Was hätte hier der historische Jesus getan? Eben!
 
8. Nach wie vor: Wenn die ersten Jünger nicht das Auferstehungsereignis verbreitet hätten (was übrigens auch Maccoby nicht abstreitet), hätte dieses 40-60 Jahre später auch nicht aufgeschrieben werden können. Da ändert auch eine mögliche paulinisch-theologische Redaktorhand nichts. Und ja, natürlich haben die ersten Jünger versucht, dieses Ereignis für sich einzuordnen und sich natürlich der damaligen Umwelt bedient - aber auch dem Judentum - der Bezug auf den leidenden Gottesknecht bei Jesaja, der mit Jesus identifiziert worden ist, ist ja wohl kaum Mithrasglaube - Paulus greift diesen Gedanken aber sehr wohl auf!
 
9. Natürlich habe ich mich auch in den Mythenschmied ansatzweise eingelesen, ich kritisiere doch nichts unbelesen, das wäre unwissenschaftlich - Maccobys Jesusbild ist jetzt nichts fundamental Neues, Jesu Nähe zu den Pharisäern und vieles Weitere ist ja mittlerweile sogar Schulbuchwissen, er fasst hier größtenteils Bekanntes zusammen. Bei Paulus wird es dann aber schon schwieriger und das exegetische Angreifbarsein, von dem ich gesprochen habe, ist evident - vor allem, dass, wie er im Vorwort sogar selbst zugibt, vieles nur Vermutung sei. Ich verstehe aber, dass Sie dieses Werk begeistert, er schreibt genau in dem scheinbar fundierten Stil ohne richtige Quellen, der viele Leser anspricht. Sie werfen mir protestantische Wortklauberei vor, aber so, wie Maccoby alleine die Apostelgeschichte auseinandernimmt, um dort Hinweise zu finden, warum Paulus kein Pharisäer sein konnte - die Apostelgeschichte ist viele Jahre nach Pauli Tod von Lukas verfasst worden, einem Heidenchristen, der viele jüdische Zusammenhänge nicht mal kannte, so ist klar, dass er etwa den Hohepriester als Auftragsgeber einsetzte (er kannte ihn ja nur von Markus) oder Paulus natürlich den Schüler eines der angesehendsten Pharisäer sein ließ, um nur zwei Beispiele zu nennen - das ist doch keine verlässliche Quellenarbeit, das ist effekthascherische Pseudowissenschaft. Und die Ebioniten (Text frühestens Anfang des zweiten Jahrhunderts zu datieren) als phänomenales neues Beispiel heranzuziehen, die selbst das Markus-Evangelium umgestaltet haben, um es ihrer gnosisnahen Lehre anzupassen - das überzeugt nicht, logischerweise haben die gegen die paulinische Theologie argumentiert, weil er eben nicht so gnosisnah war. Maccobys Anmerkungen zu den echten Paulusbriefen habe ich dann sogar unter der Brille des "Täuschers" Paulus zu lesen versucht, um seine These zu prüfen, aber sie funktionieren nur, wenn man bereits die Grundthesen und viel der Apostelgeschichte voraussetzt - das ist nun wirklich ein klassischer Zirkelschluss. Pinchas Lapide hingegen, der hatte wirklich etwas drauf!
 
10. Zu den Badehäusern: Vor Jahren habe ich die dazugehörige Ikonographie in mittelalterlichen Handschriften mal untersucht und dort wird oft beschrieben, dass Frauen schwanger wurden, nachdem sie nach den Männern die Badestube besucht haben, also kann da schon was dran sein. Andererseits gab es auch wirklich viele Einrichtungen dieser Art, da sind "schwarze Schafe" nichts Ungewöhnliches. Und nein, auch heute ist Nacktheit zugegebenermaßen nicht normal, wenn Sie mal von der Besonderheit der deutschen Sauna absehen.
 
Konsequenz: Daher kann und will ich nichts widerrufen - auch ich bleibe bei dem, was ich angemerkt habe!
 
An meine Schüler* werde ich den "Kriminalfall" jedoch nicht weitergeben - aber danke für das Angebot. Abgesehen davon, dass ich das gar nicht dürfte - gerade weil ich meinen Unterricht interessant und lebendig halten möchte und meine Schüler* eben nicht manipulieren möchte, würde es meine Schüler* irritieren, von mir, der immer wieder betont, wie wichtig offenes und reflektiertes Denken ist, dann etwas wie den "Kriminalfall" zu verteilen, da er an zu vielen Stellen deutlich subjektiv und voreingenommen geschrieben ist. Sorry.
 
In der Hoffnung, dass Sie über meine an mehreren Stellen doch berechtigten Anmerkungen nachdenken ohne diese vorschnell abzutun und nicht stattdessen in das übliche Lehrergehabe verfallen, dass es mir nur nicht richtig erklärt wurde oder ich es nicht richtig nachgelesen habe,
 
sende ich beste Grüße von einem Religionslehrer zum anderen!
 
Oliver

9.6.2020:  Lieber Oswald,

danke für Ihre ausgiebige Kritik! Doch eine Vorbermerkung dazu: Das Interview war nur als Vorgeschmack oder Anregung gedacht für das Eigentliche, also etwa für den Text "Der Kriminalfall Jesus". Denn da habe ich alles genauer beschrieben und auch in den "Hinweisen" und "Fragen" zum Text alles näher ausgeführt, also erübrigt es sich eigentlich weitgehend, dass ich auf Ihre Kritik eingehe. Doch haben Sie sich einige Mühe gemacht und Sie sprechen auch einiges an, das ich nicht so genau und ausführlich behandelt habe, und so will ich doch auf einiges wenigstens kurz eingehen:

1. junge Leute zum "exegetischen Blick" erziehen: Es ist das alte Problem: "Religionsunterricht" oder "Religionslehre". Meine Einstellung: Ich als Lehrer habe Theologie studiert und habe mich dabei mit allen diesen Sachen auseinandergesetzt. Und jetzt ist es meine Aufgabe, das Beste und vor allem das nach bestem Wissen und Gewissen Richtige auszusuchen oder sogar weiter zu entwickeln – so dass die jungen Menschen in ihrem Leben etwas damit anfangen können, wichtig ist das Menschsein, das Leben und nicht das Wissen! In Büchern oder vor allem gratis im Internet informiere ich dazu diejenigen, die mehr wissen wollen, warum ich das so und so mache. Und die, die sich informieren können, sind nicht nur die jungen Leute selbst, sondern auch Eltern, Kollegen, Arbeitgeber, Vorgesetzte. Die können sich hier mit mir auseinander setzen, so wie Sie das jetzt tun. Doch im Unterricht muss das nicht so ausdrücklich sein, eine Verwissenschaftlichung gerade des Religionsunterrichts in der Schule halte ich nicht für sonderlich sinnvoll, wir müssen die jungen Menschen nicht zu "kleinen Theologen" ausbilden, sondern zu Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen! Und ich denke, wenn Religionslehrer hier gut sind, dann interessiert das die jungen Leute von alleine, sie saugen das auf wie ein trockener Schwamm das Wasser. Auf alle Fälle reicht es, wenn wir die wissenschaftlichen Probleme erwähnen und den jungen Leuten sagen, wie sie sich näher informieren können. Denn sonst kommt es leicht zu den typischen Ergebnissen des schulischen Unterrichts: Im Deutschunterricht lernen die jungen Leute, nie mehr in ein Theater zu gehen, im Musikunterricht nie mehr in eine Oper oder in ein Konzert zu gehen, im Kunstunterricht nie mehr in ein Museum zu gehen oder gar selbst ein Bild zu malen, im Sportunterricht nie mehr Sport zu treiben, im Religionsunterricht nie mehr in eine Kirche zu gehen ... Und das wollen wir doch vermeiden?
2. die Sünderingeschichte nach Joh. 8 ist erst spät in das Neue Testament gekommen: Ich denke, ich habe das in dem Kriminalfall gut und ausreichend beschrieben, warum ich diese Stelle für "echten Jesus" halte - anders as das meinste im NT.
3. diese Geschichte wird üblicherweise immer nur als "Vergebungsgeschichte" ausgelegt: Für mich betreiben Sie hier typisch protestantisch-professorale Wortklauberei. Auf was Sie kommen, ist doch im Prinzip dasselbe wie "Vergebung" - nur etwas anders ausgedrückt und erweitert. Mir kommt das so vor wie die Persiflage einer evangelischen Predigt über das Emmausevangelium. Da predigt also der Pfarrer: "Zwei Jünger gingen von Jerusalem nach Emmaus und unterhielten sich .. Die Frage stellt, sich, gingen sie, oder rannten sie, oder schlenderten sie oder hüpften sie? Nein, sie gingen – und dabei wollen wir bleiben ....usw.". Ich kann mich über solche Verzettelungen in Unwichtigkeiten nur wundern, ich halte sie für lächerlich und für Platz- und Zeitverschwendung, die überhaupt nichts bringen.
4. ich hätte mit dem Wort "Eindringen" eine typisch männliche Wortwahl: Es ist hier dasselbe wie beim Wort "vergeben", ich will unmissverständlich und eindeutig aussprechen, um was es geht, und ich mag hier nichts umschreiben. Gibt es denn dafür ein passenderes Wort? Kopulieren, ficken, vögeln? Da ist doch das von mir gewählte Wort noch das passendste. Und es ist doch nicht mein Problem, wenn unsere Sprache nichts Besseres kennt.
5. Ich würde mir nur das heraussuchen, was mir passt: Das ist wirklich ein Problem, das gebe ich zu. Doch wenn wir bedenken, wie Lüdemann schreibt, dass allenfalls 5 %  des Neuen Testaments echte Jesusworte sind, dann frage ich, nach welchen Gesichtspunkten denn man die echten Jesusworte erkennen kann? Ich denke, das geht letztlich nur "nach Gefühl", es sei, es gibt Theologen, die Genaueres wissen und die vertrauenswürdig sind. Aber ob jemand vertrauenswürdig ist, ist auch letztlich eine Gefühlsangelegenheit. Und so habe ich mich eben für eine Unterscheidung nach einer Paulus- und einer Jesusideologie (s. im "Kriminalfall Jesus" S. 15 f) entschieden, und was dann in die eine und was in die andere passt. Es gibt ja das Probelm der "hermeneutischen Zirkels", das heißt, dass man den Sinn eines einzelnen Textes nur aus dem großen Zusammenhang verstehen kann – und den großen Zusammenhang kann man nur aus der Zusammensicht vieler einzelner Textstellen erkennen. Das Problem ist also, wie wir aus diesem "Zirkel" rauskommen?
Ich habe das so gelöst, dass ich mich "nach bestem Wissen und Gewissen" in außerchristlicher wissenschaftlicher Literatur zum Thema umgesehen habe. Und dann habe ich, wieder "nach bestem Wissen und Gewissen" "Nägel mit Köpfen" gemacht, und mich eben für eine Unterscheidung in eine Paulus- und in eine Jesusideologie entschieden. 
6. hautnah zusammen sein, sei bereits Sex: Ich habe im "Kriminalfall" gleich am Anfang das Ideal der ursprünglichen jüdischen Religion beschrieben: das Recht der Frau auf den Orgasmus, die strenge Monogamie, die Problemlosigkeit mit der Nacktheit. Wie soll man das anders zusammen bringen als so wie ich es gemacht habe? Und wenn Lesben dieses Zusammensein miteinander praktizieren, so ist das ein Notverhalten bei ihnen und ich habe daran überhaupt nichts auszusetzen und halte das vielmehr blamabel für uns Männer, dass die Frauen so etwas brauchen! Sie würden statt mit einer Frau nackt im Bett zu liegen das viel lieber mit einem Mann tun mit nackter Männerbrust an nackter Frauenbrust, mit nacktem Männerbauch an nacktem Frauenbauch usw., aber das gibt es ja nicht: Wenn sie mit einem Mann zusammen sind, da geht es immer auch auf Teufel komm raus ums "Eindringen".
Ich denke, wenn die Frauen das, was sie da miteinander treiben, mit Männern erleben würden, bis sie denjenigen gefunden haben, der der richtige ist und mit dem sie Kindern haben und den sie auch lebenslang als Partner haben wollen, wäre das Problem "lesbisch" erledigt. Und wer sagt, dass das Zusammensein mit bloßem Hautkontakt dasselbe wie das Zusammensein mit Eindringen ist, der zeigt m. E.damit nur, dass er vermutlich selbst etwas verpasst hat und sich jetzt (vor sich selbst und vor anderen) rechtfertigen und etwas schönreden möchte, indem er das Harmlose mit dem "weniger Hamlosen" gleich setzt, um sich selbst nicht als dumm und blind und wenig sittlich dastehen zu lassen
7. zum Problem Gender, Homosexualität usw.: Ich weiß, ich bin hier sicher sehr "altmodisch", wenn ich sage, dass vieles, was heute moderne Wissenschaft ist, in Wirklichkeit eine Scheinwissenschaft ist. Beispielweise besteht die These, dass jeder Mensch von vornherein eine eigene sexuelle Identität hat und dass die Aufgabe der Erziehung ist, dass der Mensch diese seine sexuelle Identität in die Praxis des Lebens umsetzen kann. Denn wenn das nicht gelingt, dann wird der Mensch nicht wirklich glücklich und in der Folge davon wird er etwa aggressiv gegen andere Menschen inkl. Rassismus, Frauenfeindlichkeit usw. Gegen diese These spricht, dass solche Hilfe zur Findung der eigenen sexuellen Identität schon daran scheitert, dass wir dann auch denjenigen helfen müssten, sich selbst zu verwirklichen, die pädophil veranlagt sind – und das ist doch schlechterdings unmöglich. Ich möchte hierzu einmal auf meine These zu sprechen kommen, warum es unterschiedliche sexuelle Identitäten gibt. Eine Möglichkeit habe ich schon in Punkt 7 erwähnt. Eine andere ist, dass wir durch den Zwang zum Bekleidetsein von Kindheit an und weil wir in unseren Kleinfamilien auch keine Geschwister des anderen Geschlechts haben und daher sozusagen nie einen unbefangenen Umgang mit der Nacktheit auch gegenüber dem anderen Geschlecht erleben, ein unnatürliches Verhältnis zu unserem Körper und zum anderen Geschlecht entwickeln. Und dieses unnatürliche Verhältnis treibt dann, je nachdem was schon im jungen Leben sonst noch so alles passiert, bisweilen die merkwürdigsten Blüten. Und die werden dann "sexuelle Identität" genannt. Dabei wäre es ganz einfach: Werden wir wieder normal, dann wird es auch diese "sexuellen Identitätsbüten" nicht mehr geben. Ich habe im "Kriminalfall" einen Ansatz dazu beschrieben, wie er in einer "Jesusideologie" praktiziert werden könnte und dass Kinder hier wahnsinnig gerne mitmachen würden.
8. die Jünger hätten die Auferstehung schon selbst in die Wege geleitet: Es ist doch verständlich, wenn Menschen sich nicht mit einem frühzeitigen Tod eines geliebten Menschen, der auch noch viel vor hatte und den man unbedingt brauchte, auf kriminelle Weise aus dem Leben gerissen wurde, so schnell abfinden können und ihn immer noch in ihrer Mitte wähnen nach dem Verfahren: Was würde derjenige sagen, wenn er noch leibhaftig unter uns wäre? Ich denke, das ist doch normal und sagt überhaupt nichts über einen Auferstehungsglauben, zumal die damaligen Menschen ja durch alle möglichen Göttermythen sowieso so etwas "in den Köpfen" hatten. Zudem ist das ja sowieso alles von Anhängern der Paulusideologie geschrieben, also nicht verlässlich, ob es auch alles wirklich so war.
9. Maccoby: Sie kennen  das Buch "Der Mythenschmied" offensichtlich nicht, daher sollten Sie sich einer Kritik enthalten. Es ist jedenfalls ein völlig anderer Ansatz als der eines David Flussers, eines Pinchas Lapides, eines Schalom Ben-Chorins, eines Walter Homolkas - und wie die jüdischen Forscher alle heißen ... Ich habe das Buch von Maccoby jedenfalls verschlungen (in dem gebrauchten Exemplar, das ich über Ebay gekauft hatte, stand allerdings die Notiz, dass es "langweilig" ist ...).
10. "im Mittelalter war die Nacktheit kein Problem": Das wird immer so gesagt, doch irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Denn in seinem Kurzroman "Utopia" über eine ideale Welt lässt Thomas Morus sich die Brautleute einander nackt vorstellen – ein wie er schreibt, für seine Zeitgenossen auf den ersten Blick absolut unschicklicher Brauch. Kann es sein, dass diese Nacktheit nur in den mittelalterlichen Badehäusern üblich war, und dass diese Badehäuser letztlich doch nur Anhängsel von Bordellen waren, also Kontaktstätten, zu denen ein "anständiger Mensch" nicht ging? Nur so kann ich mir diesen offensichtlichen Widerspruch erklären. Und von "solcher Taufpraxis" im Mittelalter habe ich noch nie etwas gehört. Und erzählen Sie mir doch nicht, dass Nacktheit heute etwas Normales ist! Wie ich von einem Sportunterricht-Kollegen hörte, der noch im Dienst ist, ziehen sich viele männliche Schüler noch nicht einmal im gemeinsamen (männlichen) Umkleideraum um, die gehen dafür in eine Toilettenkabine ...

Konsequenz: Quod scripsi scripsi... Ich bleibe dabei, was ich geschrieben habe!

Doch etwas: Die Gefahr besteht ja immer in dem Unterricht, den wir machen, dass wir als Studierte den "gesunden Menschenverstand" verloren haben (vielleicht hatten wir uns auch das Studium der Theologie oder auch der Psychologie oder Soziologie ausgesucht, weil wir von vornherein gar keinen "gesunden Menschenverstand" mehr hatten?) und die jungen Menschen mit unserer eigenen Einstellung indoktrinieren oder gar manipulieren. Ich möchte Ihnen daher drei Exemplare des "Kriminalfalls" schicken, eines für Sie selbst und zwei für Schüler (einmal männlich und einmal weiblich) und dass Sie also diese ohne oder nur mit dem Kommentar von der Gefahr der Manipuation den Schülern zur Bildung einer eigenen Meinung weitergeben – mehr nicht, keine große Arbeit, kein Studienprojekt. Am sinnvollsten sollten Sie die Texte allerdings solchen Schülern geben, von denen Sie den Eindruck haben oder die das auch schon geäußert haben, dass sie ohne Sexerfahrungen in die Ehe gehen wollen, denn man sollte nicht Menschen "mit anderen Erfahrungen" unnötig wehmütig machen, dass sie also etwas falsch gemacht oder verpasst haben. Und dann sollen sich die Schüler dazu äußern. Ich könnte mir vorstellen, dass daraus ein interessanter lebendiger Unterricht wird. Ich hätte jedenfalls so eine alternative Sicht in meinem Unterricht gerne gehabt – und diejenigen, die solchen frischen Wind bringen, mit guten Noten "belohnt".

Ich würde mich also freuen, wenn Sie mir Ihre Anschrift mitteilen.

LG Michael


8. 6. 2020:  Lieber Michael,
 
es hat mich gefreut, nach all den Jahren mal wieder etwas von Ihnen zu hören. Es betrübt mich jedoch, dass Sie trotz dieser langen Zeit immer noch dieselbe etwas unreflektierte Vorgehensweise wie damals haben, weswegen es mich auch nicht wundert, dass Sie auf Ihr selbst verfasstes Interview und die dahinter stehende "These" noch keine Reaktion erhalten haben. Doch, wie Sie wissen, bin ich jemand, der interessanten theologischen Diskussionen nur schwer aus dem Weg gehen kann (besonders wenn es mit Joh 8, 1-11 eine meiner absoluten Lieblingsstellen betrifft - für mich vielleicht sogar DIE wichtigste Perikope in der ganzen Bibel - so viel zum Thema "achtlos vorbeigehen") und eventuell auch aus dem Grund haben Sie mich ja vielleicht auch direkt angeschrieben. Hier folgt also mein Blick auf Ihre These(n).
 
Zuerst aber noch etwas zu meiner Person, auch an mir sind die Jahre ja nicht spurlos vorübergegangen, auch ich habe meinen Forschungsschwerpunkt, der ja überhaupt den Ausgangspunkt für unseren Kontakt damals lieferte, seit meiner Studentenzeit weiter ausgebaut. Nachdem ich in meiner Magisterarbeit die Rolle der Frau im Urchristentum untersucht habe (wofür ich mich auch gerade in die echten paulinischen Briefe genauestens eingearbeitet hatte), führte mich mein Weg über das Referendariat in den gymnasialen Schuldienst, wo ich meinen Schüler*n nun schon seit mehreren Jahren innerhalb des Religionsunterrichts und durch W-Seminare der Oberstufe versuche, den exegetischen Blick auf die Bibel zu schärfen und diesen die Feinheiten feministischer, psychologischer und historisch-kritischer Auslegung nahezubringen und ein Bewusstsein zu schaffen für die Vielfalt religiöser Überzeugungen und sexueller Orientierung (die Unterscheidung zwischen Gender und Sex sowie ein theologisch offener Umgang mit Homosexualität etc. liegen mir dabei besonders am Herzen - es schockiert mich jedes Mal, dass viele Schüler* die Geschlechterkategorien als absolut setzen und nicht wissen, dass es so viel mehr Spielarten auf der Skala zwischen "klassisch" männlich und weiblich gibt).
 
Nun muss ich nur noch voranstellen, dass vieles der nun folgenden Anmerkungen, Einwände oder auch Gedanken natürlich sehr evangelisch ist - ich habe schon öfter erlebt, dass gerade im ökumenischen Dialog viele Hürden in der konfessionellen Betrachtungsweise liegen - manches in Ihrem Interview kam mir für meine Begriffe zumindest schon sehr "katholisch" vor.
 
Das Grundproblem scheint mir, weshalb Ihre "irren Zusammenhänge" auch keine Reaktionen hervorrufen - was sensationelle Erkenntnisse ja für gewöhnlich nach sich ziehen - , dass Sie sich nur die Punkte heraussuchen, die zu Ihrer These passen, alles andere aber ignorieren oder als unwichtig abtun - und das ist eben nicht wissenschaftlich gearbeitet.
 
Bei Joh 8 fängt es schon an: So sehr ich diese Stelle liebe: In den ältesten Textzeugen des Johannes-Evangeliums ist diese gar nicht enthalten, alleine aus diesem Grund ist es zumindest fraglich, diese Stelle dem historischen Jesus zuzuschreiben. Und es stimmt auch keinesfalls, dass diese Perikope von Theologen immer hinsichtlich der "Vergebung" ausgelegt wird - Sie kennen nur keine andere theologische Auslegung. Ich unterrichte diese Stelle mehrmals im Jahr und ich gehe dabei immer von der Frau selbst aus: Eine junge Frau, vermutlich eine Prostituierte, eventuell auch nur auf einen anderen Mann hereingefallen, vielleicht auch absichtlich hereingelegt, wird von einer patriarchalen Gesellschaft angeklagt - und Jesus wird getestet, ob er Teil dieser Gesellschaft ist. Er zieht sich elegant aus der Affäre und zeigt den Männern auf (der ehebrechende Mann ist natürlich nicht angeklagt, warum auch, ihn schützen die mosaischen Gesetze ja), dass ihre Sichtweise falsch ist - alle sind gleichermaßen Sünder und die Sexualmoral ist nicht wichtiger als andere Moral. Spannend wird es, als die Meute weg ist: Jesus wendet sich direkt an die junge Frau: Ein Mann in der damaligen Zeit steht auf der Seite der Frauen, der Unterdrückten, der Notleidenden. Sie erkennt, auch sie, die Hereingelegte, ist etwas wert! Wow!
(Zuhälter nach Ihrer Version brauchen übrigens keinen Jesus, um öffentlichkeitswirksam eine Steinigung durchzuführen; dass hier Jesus getestet wird, ist viel wahrscheinlicher.)
 
Und Paulus, der einstand für die Gleichberechtigung (Gal 3,28: "da ist weder Mann noch Frau..."), vielfachen Kontakt zu Leiterinnen von Gemeinden hatte, die er teilweise selbst eingesetzt hat, der allem Anschein nach asexuell gewesen ist (er rät von Heirat, Sex... immer ab!), von dem wir bis auf die wohl nachträglich hinzugefügte Korintherstelle (1 Kor, 7-12) keinerlei misogyne Aussprüche kennen, der Christus als neuen Adam (nicht Eva! Adam hat also die Verantwortung für den Sündenfall!) einsetzt, dem der Glauben an Christus das wichtigste ist, soll mit diesem Jesusbild nicht einverstanden gewesen sein, sogar ein "verdeckter Ermittler" sein, um mit dem Auferstehungsglauben einen neuen Mysterienkult zu schaffen? Ich bitte Sie!
Nur weil Paulus diese Mithras- und Attiskulte natürlich kannte, heißt das doch nicht, dass er als ehemals frommer Jude sich gedacht hat: "Fein, um meine Religion allen zu öffnen, ersetze ich die Götter mit Jesus"! Auch das, was Maccoby schreibt, ist ja bereits exegetisch zumindest angreifbar, da er, wie ich es von Rabbinern sehr oft erlebt habe, zu sehr allein vom Judentum ausgeht - und da sind sowohl Jesus als auch Paulus nicht immer die Paradebeispiele.
 
Ja, Paulus kannte Jesus nicht persönlich, war als Letztberufener der Apostel immer Anfeindungen der "echten" Jünger/Apostel Jesu ausgesetzt - aber nur, weil er das Christentum allen Menschen öffnen wollte - das hört sich für mich doch so an, als ob er Jesu Botschaft wirklich verstanden hat. Und ja, darum ist er der erste Theologe - aber eine Johannes-Stelle gegen ihn ins Feld zu führen, die erst 150 Jahre nach ihm in den biblischen Kanon aufgenommen wurde, erscheint mir sehr anachronistisch. Vor allem, da es auch den wütenden Jesus gibt, der Tische im Tempel umwirft und Bäume verdorren lässt.
 
Ob man jetzt an die Auferstehung Jesu glaubt oder es als Trick der Jünger Jesu auffasst, ist dabei egal: Selbst wenn man eine fingierte Auferstehung annimmt, haben diesen "Mythos" Jesu Jünger selbst in die Wege geleitet. Im Korintherbrief schreibt Paulus selbst, dass er das Glaubensbekenntnis von bestehenden Gemeinden/Jüngern erhalten hat (1. Kor. 15,3ff) und verweist hier extra auf Petrus. Die paulinischen Briefe sind ein Jahrzehnt nach dem Auferstehungsereignis verfasst - da braucht es keinen "verdeckten Ermittler" mehr. In 10 Jahren hätte sich von sich aus jede Gruppe um einen Messias zerschlagen, wenn nicht die ersten Jünger selbst diese Geschichte verbreitet hätten. Vieles, was Sie als Argumente hernehmen, stammt aus der Apostelgeschichte, die von Lukas verfasst worden ist - und zwar 50 Jahre nach den paulinischen Briefen. Das Damaskuserlebnis in der dort beschriebenen Form, das sog. Apostelkonzil etc können somit nicht als wirkliche Quelle für das paulinische Leben und sein Anliegen dienen.
 
Das Befreiungsgefühl, das Nacktheit bietet, die losgelöst ist von Sexualität, ist in der Form übrigens auch nichts Neues, wie mir Jahre nach unserem Mailwechsel auffiel. Richtig verstandenenes Leben im Sinne der Freikörperkultur will nichts anderes. Ihre Ausführungen bezüglich der Monogamie sind mir jedoch immer noch zu sehr klassisch "männlich" geprägt ("Eindringen"): Der Begriff des Geschlechtsverkehrs ist viel weiter zu fassen, auch das, was Sie "hautnah zusammen sein" nennen, ist doch bereits Sex, das merken Sie spätestens dann, wenn es sich beispielsweise um zwei lesbische Frauen handelt. Bei aller Anerkennung, sich in junge Frauen und Mädchen hineinversetzen zu wollen, Sie gehen hier m. E. nach immer noch zu sehr vom Verhindern des "Eindringens" aus (Stichwort: "Denn alle Nervenzellen, die bei der Frau für den Orgasmus zuständig sind, befinden sich an der Oberfläche ihrer Sexualorgane", wie Sie es immer formulieren und was auch wissenschaftlich inkorrekt ist, da dies viel mehr eine "Kopfsache" ist als ein biologischer Vorgang; wie gesagt, dies ist "biologisch männlich" gedacht und Frauen "übergestülpt") und für mich klingt das nach dem veralteten Schrei nach dem "Schutz der Jungfräulichkeit" um jeden Preis.
 
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich stehe für verantwortungsvoll gelebte Sexualität mit gegenseitigem Vertrauen ein, muss als Protestant das "Scheitern" aber immer miteinrechnen. Bei Gott ist auch scheitern möglich, Gott verurteilt nicht, Gott weiß ja, wie wir sind. Bei der von vielen Religionen über Jahrhunderte aufgebauten Sexual- und Körperfeindlichkeit gebe ich Ihnen aber natürlich Recht, das hatte ich schon während meines Studiums untersucht. Auch im Mittelalter hat man die öffentlichen Badehäuser (unter dem ablehnenden Blick der Kirche) natürlich nackt besucht, das war wie die von Ihnen herangezogene Taufpraxis ganz selbstverständlich.
Für Luther war übrigens Sex (innerhalb der Ehe) absolut legitim und sehr positiv besetzt - besonders pietistische Strömungen haben aber ab dem 19. Jahrhundert diese Ansätze ins Gegenteil verkehrt, was ja schlussendlich dazu geführt hat, dass heutzutage die schlimmsten Gewaltdarstellungen im Fernsehen nicht zensiert werden, aber das kleinste Anzeichen einer weiblichen Brust sofort retuschiert wird. Und das ist nun wirklich körperfeindlich. Da braucht es, wie ich finde, aber keine "Moral der echten Monogamie" als Ersatz, da braucht es ein Bewusstsein gegen Körperfeindlichkeit und falsch verstandene Sexualmoral!
 
Nehmen Sie meine Ausführungen also als das, was sie sind: neue Denkimpulse von einem Lehrer zum anderen. Lehrer* beantworten nicht nur Fragen, sie denken auch über ihre eigenen Positionen im Austausch mit anderen nochmals reflektiert nach - zumindest ist das meine Erfahrung im täglichen Schuldialog - um abschließend nochmals Paulus zu zitieren: "Prüft aber alles und das Gute behaltet!" (1 Thess 5,8).
 
Beste Grüße
 
Ihr
Oswald

Lieber Oswald,
ich dachte schon, dass ich Ihre Adresse verloren habe, doch durch Zufall stieß ich wieder auf unseren Mailwechsel vor 9 Jahren, bei dem auch noch Ihre Mailanschrift war. Da ich nun nicht weiß, ob diese noch gültig ist und ich nicht allzu viel umsonst schreiben möchte, inzwischen nur so viel: Ich bin noch auf ein Buch über Paulus von einem engl-jüd. Talmudgelehrten gestoßen - und zusammen mit den beiden Infos von dem dänischen Sanskritforscher (ich war erstaunt, dass ich das Buch bei unserem Mailwechsel 2011 schon kannte, so lange soll das also schon her sein?) und dem Tip von dem Bauern bin ich nun auf irre Zusammenhänge gestoßen - und ich bin überzeugt, dass es so oder so ähnlich gewesen sein muss: https://basisreli.lima-city.de/kriminalfall.pdf   oder kürzer https://basisreli.lima-city.de/kriminalfall-kurz.htm . Auf was ich gekommen bin, erklärt nicht nur den grauslichen Tod Jesu, sondern auch die Rolle des Paulus, warum der etwa eine Theologie konstruiert hat, die eigentlich ein spätantiker Mysterienkult ist, der nicht mit dem wirklichen Jesus zu tun hat. Das NT habe ich jedenfalls weitestgehend über Bord geworfen, bzw. nutze nur noch Stellen, die lebenspraktisch und nichtpaulinisch klingen. Auch ein Interview habe ich dazu entworfen: https://basisreli.lima-city.de/interview.htm . Vielleicht ist das ein ganz guter Einstieg. Noch bin ich bisher damit nirgendwo angekommen...
Inzwischen geht es mir nur noch um die Monogamie, ich meine hier die echte, und wie die jungen Leute dazu kommen, das werden sie schon selbst herausfinden. Meine einzigen Tipps sind, dass Nacktheit nicht automatisch Geschlechtsverkehr bedeutet und dass man durchaus auch hautnah zusammen sein kann - ohne Sex. Und dass das auch sehr schön und aufregend ist bzw. sein kann - und alle Optionen für die echte Monogamie offen lässt.
Das wär´s erst mal!
Liebe Grüße
Michael
Und was machen Sie zur Zeit? Im kirchlichen Dienst?


www.michael-preuschoff.de

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